Wasserturm gekauft: Anja Padberg und Thorsten Hojas von der Firma „MacanT" wollen aus dem Jugendstil-Denkmal ein neues Wahrzeichen machen. - © Sarah Jonek
Wasserturm gekauft: Anja Padberg und Thorsten Hojas von der Firma „MacanT" wollen aus dem Jugendstil-Denkmal ein neues Wahrzeichen machen. | © Sarah Jonek

Bielefeld Bielefeld bekommt ein neues Wahrzeichen

Inhaber eines IT-Unternehmens kaufen verfallenden Wasserturm in der Nähe des Ringlokschuppens und wollen ihn zu einem neuen Wahrzeichen an der Bahnlinie sanieren

Joachim Uthmann
17.01.2019 | Stand 17.01.2019, 09:38 Uhr

Bielefeld. "Wie er verfällt, tat er uns richtig leid", sagt Anja Padberg über den alten Wasserturm an der Hauptbahnlinie neben dem Ringlokschuppen. Mit Thorsten Hojas und Marc-Henrik Delker, mit denen sie das IT-Unternehmen "MarcanT" führt, schaut sie täglich aus dem Büro auf das Jugendstil-Denkmal. Da entstand die Idee, es zu kaufen - und zu einem neuen Wahrzeichen für Bielefeld zu machen. "Wir haben uns sofort darin verliebt", sagt Padberg. Vor vier Jahren verlagerte "MarcanT" seinen Sitz aus der City in das frühere Gebäude einer alten Wäschefabrik an der Herforder Straße 163a. Die ließen die neuen Inhaber aufwendig sanieren und für Millionen Euro nach historischen Vorlagen gestalten. Direkt dahinter steht der alte Wasserturm aus dem Jahr 1906, der schon lang nicht mehr genutzt wird und zunehmend bröckelt. 21 Meter ist er hoch, oben schließt ihn eine große Stahlkugel ab. Hier ließ das Bahnbetriebswerk früher die Dampflokomotiven mit aufgeheiztem Wasser füllen. Die alten Steinmauern stehen noch, vier dicke Stahlträger halten die schwere Kugel. "Doch drei von ihnen sind so verrostet, dass sie zu schwach sind", sagt Hojas: "Deshalb müssen wir dringend etwas tun." Denn wenn die Kugel falle, sei der Turm hin. Architektenentwürfe vorgelegt Die Zeit drängt. Und deshalb sind die Pläne der neuen Eigentümer schon weit gediehen. Das Bielefelder Architekturbüro Oehme hat einen Entwurf vorgelegt, der die historischen Pläne aus der Bauzeit Anfang des 20. Jahrhunderts aufgreift. Die seitlichen vermauerten, teils aufgerissenen Füllungen sollen durch große Sprossenfenster ersetzt werden, um Licht in die Räume zu bringen. Die rote Steinfassade würde aufgearbeitet. Wenn er angeleuchtet wird, könnte der Turm von der Bahn aus ein "Hingucker" und ein "Entree" für Bielefeld werden, erhofft sich Hojas. Im Innern könnten auf rund sechs Metern Durchmesser drei Räume plus eine Lounge in der Spitze entstehen. Die Kugel soll gegen eine Kuppel nach historischem Vorbild getauscht werden. So sei Platz für Räume zu schaffen. Die würde "MarcanT" selbst für Besprechungen oder Events nutzen, Alternative wären aber auch Vermietungen, so Hojas. Eine Hochzeit dort zu feiern wäre sicher ein Traum. Aber den Zugang zum Turm öffentlich zu machen, hält der Eigentümer für kaum möglich. Denn nur wenige Meter entfernt führen die Bahngleise der ICE-Strecke vorbei: "Das wäre zu gefährlich." Nebengebäude könnte als Eingang fungieren Den neuen Eingang zu dem aufgemöbelten schmucken Turm könnte ein kleines, neues Nebengebäude auf der Ostseite bilden, sieht der Entwurf vor. Innen würden lichte Räume mit besonderem Flair entstehen. Hojas: "Wir wollen uns möglichst nah am historischen Entwurf halten." Den Reiz des alten Turms haben schon mehrere potenzielle Investoren erkannt. Doch bisher scheiterten all die Versuche, aus der Ruine ein Schmuckstück zu machen. Zuletzt hielt es eine Erbengemeinschaft. Für einen symbolischen Preis von einem Euro erhielt es "MarcanT" zwar nicht, aber für eine vierstellige Summe. Und die Kosten kommen jetzt erst auf die neuen Eigentümer zu. Bis zu eine Million Euro schätzt Hojas für das Projekt, dessen Realisierung sicher drei bis fünf Jahre dauern werde: "Zunächst geht es darum, die Substanz zu sichern und zu trocknen." Das solle 2019 erfolgen. Jahren nach dem Studium gründeten, wäre der sanierte Turm ein Aushängeschild. Wie er aussehen könnte, zeigt auch ein Modell des Spielzeugherstellers Faller aus dem Jahr 2000.

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