Mangas in einem Regal: Solche japanischen Comics lesen junge Leute. - © picture alliance / All Canada Photos
Mangas in einem Regal: Solche japanischen Comics lesen junge Leute. | © picture alliance / All Canada Photos

Bielefeld Ärger um Sex-Comics bei Bielefelder Buchhandlung

Bielefeld. Dass sich japanische Comics (jap.: "Mangas") einer immer größeren Beliebtheit erfreuen, zeigt sich auch in Bielefelds größter Buchhandlung. Bei Thalia am Jahnplatz stehen inzwischen vier Regale voller Mangas zur Verfügung. Allerdings sind dabei Kinder- und Erwachsenenprodukte offenbar wild gemischt. Eine Kundin kritisiert die Präsentation soft-pornografischer Bände, weil sie Kindern direkt zugänglich seien. Die 25-jährige Kundin ist großer Manga-Fan. Deshalb suchte sie in einem der Regale einen neuen Band des beliebten "Meisterdetektivs Conan". Doch beim Stöbern griff sie überraschenderweise mehrfach Bände heraus, bei denen explizit sexuelle Handlungen im Mittelpunkt standen. Tatsächlich: Die Mangas bei Thalia stehen direkt neben der Teenager-Literatur auf der einen Seite und den Asterix und Tim-und-Struppi-Bänden auf der anderen. "Zwischen Superhelden und Robotern stehen erotische Comics, die deutlich mehr zeigen als ein bisschen Bravo-Love-Story", sagt die 25-Jährige, die in der Jugendarbeit tätig ist und nicht namentlich erwähnt werden möchte. Zwischen den harmlosen Kategorien "Action", "Romance" und "Fantasy" fand sie Bände, die für Leser ab 16 und sogar 18 Jahren empfohlen sind - mit teilweise "harten sexuellen Darstellungen". Die Bielefelderin berichtete, dass solche Bände auch bei Kindern in ihren Gruppen kursieren. "Was ich kritisiere, ist nicht nur die bildhafte Darstellung des Sexuellen, sondern vor allem das Rollenbild dieser Geschichten." Oft stünden schüchternen Lolitas mit großen Augen und Brüsten junge, starke Männer gegenüber, die sich einfach nehmen, was sie wollen. "Damit habe ich Bauchschmerzen", sagt die 25-Jährige. "Die Kinder lernen in diesen Geschichten, dass man Sex erzwingen kann, auch wenn das Mädchen sich gewehrt hat. Denn am Ende ist es für das Mädchen doch schön", berichtet sie aus den Comics und appelliert an die Verantwortung der Händler: "Wer solche Geschichten an Jugendliche verkauft, der fördert dieses Rollenbild vom devoten Mädchen und dem aggressiven Jungen." Sie selbst habe schon ein Mädchen betreut, dass sich ihr weinend offenbart hatte. "Sie hatte bisher gedacht, dass das normal sei." Jasmin (24) ist Manga-Expertin und Hauptorganisatorin des regelmäßigen Fantreffens in Bielefeld namens "Anime, Manga, Bielefeld" ("AniMaBi"). Seit zehn Jahren konsumiert sie Mangas und seine filmischen Verwandten, "Anime": "Japanische Comics sind in unzählige Genres unterteilt. Da gibt es Comedy, Fantasy, Thriller, Roboter- und Actiongeschichten. Bei Romance-Stories sind die Rollenbilder nicht problematisch, aus unserer Sicht aber sehr klischeehaft." Derzeit seien bei Mädchen übrigens Boys-Love-Geschichten - also über schwule Liebe - sehr beliebt. Auch zeigten viele Mangas für Mädchen sehr starke Frauencharaktere, die nach dem Motto "Alles ist möglich" oder "Nicht aufgeben" sehr positiv besetzt seien. Zudem bedeute nicht jede Sexszene gleich, dass man einen Porno in Comicform lese. "Das ist doch bei Hollywoodfilmen genauso." Allerdings werden die Comics in Japan strikt nach Alterseignung (siehe Infokasten) getrennt, erklärt Jasmin. In dieser Hinsicht gebe sie der Kritikerin Recht: "Das Manga-Regal bei Thalia steht wirklich direkt neben den Kinderbüchern. Zudem seien die Bände schlecht sortiert und durcheinander. Die neuesten liegen unten griffbereit - egal für welche Altersgruppe." Thalia-Sprecherin Claudia Bachhausen-Dewart bedankt sich auf Nachfrage für den wichtigen und guten Hinweis: "Wir besprechen den geschilderten Fall und schauen, ob wir bei der Präsentation der Manga-Titel oder durch eine spezielle Schulung optimieren können." Ihr zufolge sprechen die Verlage eine freiwillige Leseempfehlung für ihre Produkte aus. Bände ab 16 und ab 18 Jahren werden stets eingeschweißt geliefert und ins Regal gestellt. "Damit die Altersempfehlung eingehalten wird, werden Mitarbeiter beim Einscannen an der Kasse aufgefordert, nach dem Ausweis zu fragen. Trotzdem wollen wir prüfen, ob wir die Trennung der Mangas deutlicher machen können."

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