Ein echter Bielefelder: Andreas Bothe, neuer Staatssekretär im Familien- und Integrationsministerium. - © Henning Severin/mkffi
Ein echter Bielefelder: Andreas Bothe, neuer Staatssekretär im Familien- und Integrationsministerium. | © Henning Severin/mkffi

Bielefeld Der einzige Ostwestfale in der neuen Landesregierung

Andreas Bothe war einst FDP-Kommunalpolitiker in Bielefeld, dann wechselte er ins Justizministerium nach Berlin / Jetzt ist er Staatssekretär im Düsseldorfer Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration

Lothar Schmalen

Düsseldorf. Und es gibt ihn doch, den Vertreter aus Ostwestfalen-Lippe in der neuen Landesregierung in Düsseldorf. Zwar findet sich in der Riege der Minister und Ministerinnen keiner, der aus dem Landstrich zwischen Minden und Paderborn, Gütersloh und Höxter stammt, aber unter den Staatssekretären ist tatsächlich ein waschechter Bielefelder. Andreas Bothe (FDP), aus den Bundesjustizministerium in Berlin an den Rhein gewechselt, ist einer von zwei Staatssekretären bei Integrations- und Familienminister Joachim Stamp (FDP). Nein, als der Botschafter von Ostwestfalen-Lippe in der schwarz-gelben Landesregierung fühlt der 49-Jährige sich nicht, aber sein Herz schlage immer noch für Bielefeld und OWL. Aber natürlich habe er die Interessen der Region im Auge. Und er rechnet auch damit, dass OWL-Vertreter ihn ansprechen werden. Doch seine Hauptaufgabe liege im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration. Staatssekretär Bothe fungiert hier als Verwaltungschef im Ministerium. „Immerhin hat mein Dienstwagen ein Bielefelder Kennzeichen", berichtet er schmunzelnd – ein Erbe der vorherigen Familienministerin, der Bielefelderin Christina Kampmann (SPD). Dass unter den Ministern niemand aus OWL sei, halte er nicht für weiter tragisch. Regionalproporz – das sei doch ein überholtes Denken. Und fügt hinzu: „Früher wurde auch mal gezählt, wie viele Katholiken und wie viele Protestanten in einer Regierung vertreten waren". 1999 Oberbürgermeisterkandidat in Bielefeld Bevor Bothe 2003 nach Berlin ins Justizministerium wechselte, war er kommunalpolitisch für die Bielefelder FDP tätig, saß einige Jahre im Stadtrat und war 1999 sogar Oberbürgermeisterkandidat seiner Partei. Das sollte er auch 2004 wieder werden, doch dann kam der Wechsel nach Berlin, und die FDP verzichtete auf einen OB-Kandidaten bei der Wahl 2004. Mitglied der Bielefelder FDP sei er übrigens bis heute, so Bothe. Bothe, der auf dem Bielefelder Max-Planck-Gymnasium Abitur machte, stammt aus einer bekannten Bielefelder Familie. Sein Vater, Eberhard Bothe, war technischer Direktor der Städtischen Bühnen in Bielefeld, bevor er nach Hamburg zum Deutschen Schauspielhaus und dann zu den Münchener Kammerspielen wechselte. Heute leben die Bothes wieder in Bielefeld. Sohn Andreas Bothe lernte zunächst die Berufe Bankkaufmann und Rechtsanwalt. Seine Ehefrau Sabina ist Deutsch-Kroatin, gebürtig aus Zagreb. In Berlin übrigens ist Sabina Bothe für den katholischen Caritasverband als Abschiebungsbeoachterin tätig, kümmert sich also eher um die Interessen von Flüchtlingen, die abgeschoben werden. Ihr Mann ist als Staatssekretär im NRW-Flüchtlingsministerium dagegen genau für diese Abschiebungen zuständig. Von 2009 bis 2013 war Andreas Bothe Amtsleiter bei Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Zuletzt leitete er in dem Berliner Ministerium, das unter Minister Heiko Maas (SPD) jetzt auch für Verbraucherschutz zuständig ist, die Unterabteilung Verbraucherpolitik, Digitale Gesellschaft und Verkehr. Leutheusser-Schnarrenberger, die aus Minden stammt und deren Schwester lange das Bielefelder Gymnasium am Waldhof leitete, war es auch, die Bothe nach Düsseldorf empfahl. Hier im Hochhaus an der Haroldstraße, direkt neben der künftigen Staatskanzlei, ist es seine erste Aufgabe, das Ministerium, das unter dem neuen Minister Joachim Stamp einen völlig neue Zuschnitt bekommen hat, zu formen.

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