Symbolbild Prostitution - © picture alliance / Andreas Arnold/dpa
Symbolbild Prostitution | © picture alliance / Andreas Arnold/dpa

Bielefeld Bordelle müssen seit 1. Juli bei der Stadt Bielefeld ein Gewerbe anmelden

Ein neues Gesetz schafft Legalität für Frauen, die in Bielefeld dem ältesten Gewerbe der Welt nachgehen. Die Pflicht zur amtlichen Anmeldung wird die Szene aber wohl kaum verändern

Christine Panhorst

Bielefeld. Insgesamt geht die Polizei von 130 Prostituierten in Bielefeld aus. Die ersten wollen jetzt den Weg in die Legalität gehen. Erster Anlaufpunkt ist eine neue Beratungsstelle im Gesundheitsamt. Auch ein Bordellbetreiber hat sich zur Anmeldung seines Gewerbes bereits an die Stadt gewandt. Mit dem Prostituiertenschutzgesetz, das am 1. Juli 2017 bundesweit in Kraft getreten ist, ändern sich auch in Bielefeld die Vorzeichen, unter denen das älteste Gewerbe der Welt ausgeübt wird. Ob die neue Erlaubnis- und Anmeldepflichten die Szene verändern wird, ist fraglich. Frauen, die mit Prostitution ihr Geld verdienen, sind ab sofort dazu verpflichtet, sich durch das Gesundheitsamt zu Sozial- und Gesundheitsthemen beraten zu lassen – als Voraussetzung, um sich anschließend beim Ordnungsamt im neuen Rathaus anmelden zu können. Keine Gewerbeanmeldung, eine Registrierung, die jetzt Pflicht ist. Am Ende stehen ein Ausweis, der auf den eigenen Namen oder unter einem Pseudonym ausgestellt ist, und die Legalität in der Prostitution. Restriktiv ist das neue Gesetz dagegen für Betreiber von Bordellen und Clubs. Sie müssen seit 1. Juli eine Gewerbeerlaubnis beantragen. Und sie müssen sich mit allen steuerrechtlichen Konsequenzen offiziell anmelden. Mehrheitlich in Bordellen statt auf der Straße Stadtbekannt und davon betroffen ist unter anderem das Eros-Center an der Eckendorfer Straße 29, laut Polizei das größte Bielefelder Bordell. Weitere Angaben zu Stadtteilen und Örtlichkeiten von sogenannten „Wohnungsbordellen", die dem Kriminalkommissariat 22 für Rotlichtkriminalität bekannt seien, wolle man nicht machen. Auf einschlägigen Internetseiten bieten Frauen jedenfalls ihre Dienste auch in einem Saunaclub in Altenhagen und einem wenige Straßen weiter gelegenen Bordell an, sowie in einem Relaxclub in Heepen und einem „Wellness"-Club in Brackwede. „Die Mehrzahl der Frauen geht in Bielefeld in Bordellen der Prostitution nach und nicht etwa auf der Straße", sagt Polizeipressesprecherin Sonja Rehmert. „Veränderungen der Szene gab es nach Ansicht der Ermittler dahingehend, dass in den letzten Jahren Prostitution vermehrt in Wohnungsbordellen angeboten wird." Heepen, Dornberg und Jöllenbeck sind vom Sperrbezirk ausgenommen Diese haben sich in der Regel in Heepen, Dornberg und Jöllenbeck angesiedelt. Denn die drei Stadtteile sind vom Sperrbezirk ausgenommen – dem städtischen Gebiet, in dem weder Prostitution noch eine Kontaktaufnahme mit Prostituierten stattfinden darf. Auch außerhalb des Sperrbezirks ist das älteste Gewerbe nur unter bestimmten Voraussetzungen „grundsätzlich zulässig", erklärt Ina Hempelmann vom Ordnungsamt der Stadt. Unter anderem müssten Wohnungen für diese Form der gewerblichen Nutzung zugelassen sein. Bei einem Mehrfamilienhaus in Heepen war das zuletzt nicht der Fall. Seit 30. Juni ist hier Schluss für das heimliche, horizontale Gewerbe, allen Frauen des Wohnungsbordells wurde gekündigt. An der Situation der Prostituierten wird sich kaum etwas ändern Die Adresse des Eros-Centers und die Duisburger Straße sind als Sonderfälle ebenfalls kein Sperrbezirk sowie ein Seitenarm der Oldentruper Straße. Hier ist ein Teil des Straßenstrichs angesiedelt. An der Situation der Frauen in Prostitution und vor allem Armutsprostitution in Bielefeld wird das Gesetz kaum etwas ändern können, dessen ist sich die für das Gesundheitsamt zuständige Dezernentin Anja Ritschel bewusst. Bestenfalls bringe es mehr Kontrolle, mehr Kontakt und belastbare Zahlen zur Szene. Hier sorgt es laut Ritschel schon jetzt für „Unruhe".

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