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Töne von hoch oben: Das Quartett "Dynamic Brass" spielte aus Anlass der Turmtaufe. - © Tarek Chafik
Töne von hoch oben: Das Quartett "Dynamic Brass" spielte aus Anlass der Turmtaufe. | © Tarek Chafik

Bielefeld Ostmannturm soll für Veranstaltungen genutzt werden

Der Turm erwacht

Tarek Chafik
29.08.2016 | Stand 28.08.2016, 20:21 Uhr

Mitte. Er misst 39 Meter in der Höhe, seine grüne Kuppel ist weithin sichtbar, und ein ganzes Viertel verdankt ihm seinen Namen: Der Ostmannturm ist zweifelsohne eines der markantesten Wahrzeichen Bielefelds, welches jedoch die meisten Bewohner dieser Stadt bislang nur von außen kennen. Das soll bald anders sein: Am Samstag lud das "Sozialwerk Bielefelder Freimaurer", in dessen Besitz sich das Baudenkmal seit Ende der 70er-Jahre befindet, gemeinsam mit dem Ostmannturmverein zur "Turmtaufe". Scheinwerfer sollen Kuppel nachts beleuchten Anlass dafür war der Abschluss eines ersten Sanierungsabschnittes, in dessen Verlauf wesentliche Teile des Gebäudes neu gestaltet wurden. "Wenn alles fertig ist, soll das Gebäude ab Frühjahr 2017 öffentlich genutzt werden können - für Konzerte, Lesungen, Ausstellungen oder private Feiern", sagte Martin Steiner, Vorsitzender des Sozialwerkes, gegenüber der Neuen Westfälischen. Herzstück des Gebäudes ist der Turmraum, dort, wo sich einst das Wasserreservoir befand. Architekt Klemens Gabrysch hat dort die Wände zwischen den von kleinen Fensterzeilen gesäumten Erkern mit großen Fenstern versehen, vier an der Zahl, in jede Himmelsrichtung eines. Das Resultat ist ein von Licht durchfluteter Raum, der gleichzeitig ein wunderbares Panorama über die gesamte Stadt bietet. Auch in den darunterliegenden Geschossen wurde in den vergangenen anderthalb Jahren viel gestrichen, verputzt, umgebaut. Deutlich von außen zu sehen ist eine Rettungsplattform im vierten Obergeschoss. "Um den Turm öffentlich nutzen zu können, ist außer dem Treppenhaus ein zweiter Rettungsweg Vorschrift", sagte Gabrysch. Daher dieser "Rettungsbalkon", an den die Leitern der Feuerwehren noch heranreichen. Die Besucher gelangen zu der Plattform über einen Raum, der durch eine Brandschutzwand vom Treppenhaus getrennt ist und rund 30 Personen Platz bietet. Schöner Nebeneffekt dieser Lösung: Es musste kein langer Rettungsweg über das angrenzende Studentenwohnheim geschaffen werden. Das so gesparte Geld konnte in die Gestaltung des Turmraumes gesteckt werden. Insgesamt werden für die Umbauten 300.000 Euro veranschlagt. In der Summe sind etliche Fördermittel enthalten. Die Raumstruktur in dem Turm ist fertig - inklusive Toiletten und Platz für eine komplette Küche im fünften Geschoss, deren Einbau noch erfolgen wird. Auch in Sachen Licht wird noch einiges passieren: Bereits Ende vergangene Jahres ließ Gabrysch am Turm eine Beleuchtung installieren, die bei Dunkelheit den oberen Teil in ein warmes Licht taucht. Mit Beendigung des nächsten Sanierungsabschnittes ist zudem vorgesehen, Scheinwerfer auf benachbarten Dächern zu platzieren, die dann die Kuppel beleuchten. Durchaus zufrieden mit dem bisherigen Ergebnis zeigte sich auch Andreas Kämper, beim Sozialdezernat der Stadt zuständig für die Quartiersentwicklung. Die Umgestaltung sei "hervorragend gelungen", der Turm sei nach mehr als 30 Jahren, in denen er "tot" gewesen sei, auf dem besten Weg zu einer "quartiersidentitätsstiftenden Gemeinschaftseinrichtung". Will heißen, die Bewohner des Viertels haben bald einen außergewöhnlichen Raum, in dem sie sich begegnen können - bei Kunst, Kultur oder halt bei einer Geburtstagsfeier.

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