Gestorben: Elfriede Eilers, hier bei ihrem 90. Geburtstag. - © Barbara Franke (Archivfoto)
Gestorben: Elfriede Eilers, hier bei ihrem 90. Geburtstag. | © Barbara Franke (Archivfoto)

Bielefeld/Herford Bielefelder SPD-Politikerin Elfriede Eilers ist tot

Die Grande Dame wurde 95 Jahre alt

Ulf Hanke
Christian Lund

Bielefeld/Herford. Sie gilt in Bielefeld als die Grande Dame der SPD: Elfriede Eilers. Auf der AWO-Bezirkskonferenz am Samstag in Herford wurde nun bekannt, dass sie am Samstagmittag im Alter von 95 Jahren gestorben ist. NRW-Familienministerin Christina Kampmann reagierte mit Trauer auf den Tod von Elfriede Eilers. "Als ich Anfang 2014 als noch frisch gewählte Bundestagsabgeordnete einen Tag und eine Nacht im Pflegeheim mitarbeitete, war sie meine Zimmernachbarin und nordete mich auf ihre eigene, liebenswerte Art ein", so Kampmann. Eilers habe viel Erfahrung mit dem Amt gehabt, gehörte von 1957 bis 1980 als eine der zunächst noch wenigen Frauen dem Deutschen Bundestag an. Eilers sei ein Mensch gewesen, "bei dem man sofort wusste, woran man war". Die Politikerin habe stets eine fundierte Meinung gehabt und sei bis ins hohe Alter über das Weltgeschehen informiert gewesen. Christina Kampmann weiter: "Sie wird fehlen. Als Grande Dame der Bielefelder Sozialdemokratie, als Ratgeberin, vor allem aber als wunderbarer Mensch. Mach's gut, Elfriede, und danke fürs Wegweisen!" Traurige Nachricht für AWO-Delegierte Mit tiefer Trauer reagierte die AWO Ostwestfalen-Lippe auf die Nachricht vom Tod ihrer Ehrenvorsitzenden.Norbert Wellmann, Vorsitzender des AWO-Präsidiums, sagte: "Die AWO verliert eine engagierte Mitstreiterin und gute Freundin. Den Schwächsten in unserer Gesellschaft, den Kindern und älteren Menschen zu helfen, das war bis zuletzt ihr Anliegen. Wir verdanken Elfriede Eilers viel." Im Herforder Schützenhof ging die AWO-Bezirkskonferenz ihrem Ende zu, als der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler seine Worte an die Delegierten richtete und die traurige Nachricht überbrachte: Am Samstagmittag sei Elfriede Eilers gestorben, das Urgestein der Bielefelder SPD. Stadler ist zugleich im Vorstand der von Eilers gegründeten Elfriede-Eilers-Stiftung und wichtigster Ansprechpartner gewesen von Elfriede Eilers. Am Vormittag habe er Eilers noch im Wilhelm-Augusta-Stift in Bielefeld besucht, weil er gehört habe, dass es ihr sehr schlecht ginge. "Was soll ich den Delegierten mit auf den Weg geben?", habe er Eilers gefragt. Und Elfriede Eilers habe geantwortet: "Nicht aufhören, weitermachen!" Um 12 Uhr sei Eilers gestorben, sagte Stadler. Eilers war zeitlebens eine engagierte Frau. Sie war nicht nur bei den Falken und der SPD aktiv, sondern auch in der AWO und gründete die Elfriede-Eilers-Stiftung mit Sitz in Bielefeld, die Modellprojekte in der Kinder- und Seniorenarbeit fördert. Ihr Thema war stets die Jugend-, Familien- und Gesundheitspolitik. Eilers, am 17. Januar 1921 in Bielefeld geboren, arbeitete zunächst ab 1941 als Bilanzbuchhalterin bei den Stadtwerken Bielefeld. Ab 1954 war sie dann Jugendfürsorgerin bei der Stadt Bielefeld. Von 1972 bis 1990 war sie stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, der sie schon seit 1950 angehört hatte. Politisch aktiv war Eilers nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in der Jugendarbeit der Falken (Sozialistische Jugend Deutschlands), trat aber auch schon 1945 der SPD bei. Von 1966 bis 1977 war sie Mitglied des Bundesvorstandes der SPD, seit 1973 auch des Präsidiums. Ebenfalls von 1973 bis 1977 war sie die erste demokratisch gewählte Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF). Von 1979 bis 1993 war sie Mitglied der SPD-Kontrollkommission und von 1978 bis 1991 Bundesbeauftragte für Seniorenarbeit des SPD-Parteivorstandes. Im November 2005 wurde Elfriede Eilers zur Ehrenvorsitzenden des SPD-Unterbezirks Ostwestfalen-Lippe ernannt. Eilers gehörte dem Deutschen Bundestag von 1957 bis 1980 an. 1969 wurde sie in den Fraktionsvorstand gewählt und vom 15. Dezember 1977 bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Parlament war sie Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion.

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