Bielefeld-Hillegossen Kurt Vogelsang mit 90 Jahren gestorben

Gedenken: Früherer SPD-Bundestagsabgeordneter und Erster Bevollmächtigter der IG Metall

Arno Ley

Bielefeld-Hillegossen. Im Alter von 90 Jahren ist der frühere Bundestagsabgeordnete Kurt Vogelsang gestorben. Von 1963 bis 1981 war er Erster Bevollmächtigter der Industriegewerkschaft Metall in Bielefeld. Von 1972 bis 1987 gehörte der Sozialdemokrat dem Deutschen Bundestag an. "Nach dem Krieg wusste ich, dass sich so etwas niemals mehr wiederholen darf", begründete Vogelsang sein politisches Engagement. Geboren in Gadderbaum, lernte er ab 1940 Werkzeugmacher bei Kochs Adler, musste 1943 Soldat werden. Als er 1950 nach Bielefeld zurückkehrte, wurde er bei Kochs Adler wieder eingestellt. Er trat der Gewerkschaft und der SPD bei. Am 1. November 1952 wurde er hauptberuflich Sekretär der IG Metall, elf Jahre darauf deren "Erster Bevollmächtigter" und damit Vorsitzender der größten und einflussreichsten Gewerkschaft in Bielefeld. 1965 wurde er darüber hinaus ehrenamtliches Mitglied im Bundesvorstand der IG Metall, dem er bis 1976 angehörte. Vogelsang galt als Linker in seiner Partei, als geradlinig, dem Winkelzüge Unbehagen bereiten, nicht erst seit er sich bei einem Parteitreffen 1960 in Haus Neuland heftig mit Herbert Wehner gestritten hatte. "Der hatte kurz zuvor im Bundestag eine Kehrtwende der SPD begründet, unter anderem der Bundeswehr zugestimmt." Vogelsang war empört. Als die Bielefelder SPD ihn 1972 in den Bundestag schickte, war Wehner Vorsitzender der Fraktion. "Wir hatten beide dazugelernt", beschrieb Vogelsang später die Zusammenarbeit vieldeutig. Freunde wurden sie nie. Der Gewerkschafter engagierte sich im Bundestag für Arbeitnehmerrechte, für die Mitbestimmung in den Betrieben, forderte 1984 "wer nicht ausbildet, soll zahlen". Da war er Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Wissenschaft. Vogelsang gehörte zu den Mitgründern des Beruflichen Weiterbildungsverbundes Bielefeld (BWB), in dem unter anderem Arbeitgeberbund und Gewerkschaften zusammenarbeiten. 1978 war er Gründer und bis 1996 Vorsitzender des "Vereins zur Förderung des Berufsausbildung", einer Stiftung aus dem Vermächtnis von Dr. Heinz Potthoff, Bielefelder Mitglied in der Hohen Kommission der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, die in den 50er Jahren Vorläuferin der heutigen Europäischen Union war. Kurt Vogelsang gehörte von 1977 bis 1992 der Universitätsgesellschaft an, war von 1980 bis 1987 Vorsitzender des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Bielefeld, von 1973 bis 1989 Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft und gehörte von 1987 bis 1991 dem Bundesvorstand des Deutschen Kinderschutzbundes an. 1995 zeichnete die Stadt ihn mit dem Ehrenring aus. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden des SPD-Ortsvereins Hillegossen berufen und zum Ehrenvorsitzenden des Freibadvereins Hillegossen. Vogelsang wird am Freitag, 9. Oktober, auf dem Friedhof in Ubbedissen beigesetzt. Die Trauerfeier für ihn beginnt um 12 Uhr in der Evangelischen Kirche.

realisiert durch evolver group