Bielefeld Maja Oetker: Eine starke Persönlichkeit

Maja Oetker, die heute 80 Jahre alt wird, lebt seit 51 Jahren in Bielefeld

Wilfried Massmann

Bielefeld. Witwe des letzten Firmen-Patriarchen Rudolf August Oetker, Mutter von drei Kindern, Hausfrau, ausgebildete Schul-Assessorin, Kommunalpolitikerin und vielfältig kulturell und sozial engagierte Bürgerin. Das ist, kurz gefasst, das Leben der Maja Oetker, die seit 51 Jahren in Bielefeld wohnt. Heute wird sie, bei ordentlicher Gesundheit, 80 Jahre alt. Sie ist eine Dame von erstaunlicher Präsenz. Hoch gewachsen, immer schlank geblieben, hat sie ihr von Natur aus gutes Aussehen stets pfleglich befördert. Sie spricht artikuliert, ist auf vielen Gebieten der Wirtschafts-, Kultur- und Gesellschaftspolitik ebenso informiert wie sie auf großer, internationaler Bühne eine gute Figur macht. Maja Oetker, das unterscheidet sie von vielen in der High Society, ist nicht nur am Small Talk gelegen. Sie kann zuhören, parlieren und parieren. Dabei bewahrt sie Charme, bleibt eine Lady - noblesse oblige. Wahrlich, keine Frau ohne Fehl und Tadel, ohne Schwächen und Pardon. Sie kann kühl und abweisend erscheinen, unnahbar und tadelnd. Doch nicht ohne Respekt. Sie ist eine engagierte Persönlichkeit, die ihrerseits von ihrer Heirat profitiert hat, so wie sie andererseits von ihrem Einfluss und an ihrem Geschmack, von ihrem Können und Wissen wiederum sehr viele Bielefelder teilnehmen ließ. Auf kulturellem, sozialem, ökologischem und gesellschaftlichem Terrain.In den Niederungen der Kommunalpolitik In der Firmengruppe der Familie trug sie keine Verantwortung. Eine kluge Ehefrau verzichtet aber nie auf Einfluss. Und wenn er sich innenarchitektonisch oder in der Gartenkunst ausdrückt. Gern hebt sie ihren Status als Hausfrau hervor. Eine Kategorie, die viel zu sehr vernachlässigt wird im öffentlichen Ansehen. Die Unternehmergattin scheute sich nicht, von 1989 bis 2004 in die Niederungen der Bielefelder Kommunalpolitik hinabzusteigen. Wiederholt mahnte sie, dass sich "die Söhne dieser Stadt" politisch mehr engagieren sollten. Die Töchter waren ebenso gemeint. Die ewige Verschuldung der öffentlichen Hand, das Leben auf Kosten künftiger Generationen, hat die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse immer verurteilt. Sie geißelte die einst von Rot-Grün beschlossene Baumschutzsatzung als "unerträgliche Bevormundung des Bürgers". Und Bielefeld ist seit Abschaffung dieser Satzung nicht weniger grün geworden - im Gegenteil. Kaum ein Thema, über das sie sich nicht selbst eine eigene Meinung gebildet hat. Manchmal recht unkonventionell. Traditionsbewusst und konservativ-liberal in ihrer Grundhaltung, zeigt sich Maja Oetker aufgeschlossen gegenüber allen demokratischen Richtungen. Ihre Reden, ihre Worte sorgten oft für Resonanz, für lebhafte Diskussionen.RAOs unberührter Schreibtisch Der gläubigen Katholikin ist die wert- und bewusstseinsstärkende Kraft der Religion sehr wichtig. Die vier Kardinalstugenden nach Augustinus - Gerechtigkeit, Mäßigung, Klugheit und Tapferkeit - sind ihr Maßstab. Tugenden, die immer wieder eingeübt werden wollen und bereits in der Jugend beginnen. Von ihrem 18 Jahre älteren Mann, dessen Andenken sie tapfer bewahrt, lernte sie in 44 Ehejahren ebenfalls unendlich viel. Auch, dass man immer arbeitet, leisten muss, zum eigenen und zum Nutzen anderer. RAO?s Schreibtisch in der großen, von Maja Oetker geschmackvoll mitgestalteten Bibliothek im Haus in der Senne ist fast unberührt geblieben. Die Großmutter von fünf Enkelkindern ist auch künftig gut beschäftigt. Sie behält ihren ersten Wohnsitz in Bielefeld, bricht aber gern auf zu Reisen, bevorzugt zu Kindern und Enkeln. Und der schlagzeilenträchtige Familienzwist zwischen ihren drei Kindern und den fünf Stiefkindern aus zwei vorherigen Ehen? Dass sie ihren ältesten Sohn an der Spitze der Oetker-Gruppe sehen möchte, ist verständlich. Zumal das auch vom Vater so gedacht war. "Ich bin überhaupt nicht interessiert an diesem Streit", versichert die Jubilarin. Diskussionen darüber finden in der Familie nicht statt. Nicht einmal die Tugend der Klugheit führte bisher weiter. Es herrscht von allen Seiten Stillschweigen. ,,Ich kann nichts bewirken", bedauert die Jubilarin. Aber, falls es Sohn Alfred nicht werden sollte, steht ja Ferdinand, ihr Zweitältester, bereit.

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