Ihr Vater war Kriminalbeamter: Heike Rommel legt viel Wert darauf, dass alles in ihrem Krimi "Nacht aus Eis" stimmig komponiert ist. - © Wolfgang Rudolf
Ihr Vater war Kriminalbeamter: Heike Rommel legt viel Wert darauf, dass alles in ihrem Krimi "Nacht aus Eis" stimmig komponiert ist. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Mord im winterlichen Bielefeld

Tatort Bielefeld: Heike Rommel (52) legt ihren Erstlings-Krimi "Nacht aus Eis" vor

Heike Krüger

Bielefeld. Schreiben, sagt Heike Rommel, sei ihr seit langem ein Bedürfnis. Als Mittdreißigerin hatte sie, damals Mitglied einer Fantasy-Rollenspielgruppe, zunächst minutiös angelegte Charaktere für einen Fantasyroman entwickelt - ausformuliert auf sage und schreibe 1.200 Seiten. Etwas komprimierter kommt jetzt ihr Krimi-Erstling mit rund 400 Seiten daher. Mit dem KBV Verlag fand die diplomierte Psychologin, die seit 20 Jahren in Bethel arbeitet, einen Verlag für "Nacht aus Eis". Im November kam das Buch auf den Markt. Tatort ist das winterliche Bielefeld. Kommissar Dominik Domeyer kann sich über ein ein weitgehend nettes, harmonisches Familienleben mit zwei heranwachsenden Söhnen freuen. Bis in der unwirtlich kalten, verschneiten Stadt in einem verfallenen Bauernhaus am Obersee die Leiche einer jungen Frau gefunden wird. Schon bald wird klar: Dohmeyer ist nicht nur Ermittler im Mordfall - unter seiner Familie, die mysteriöserweise mit der Ermordeten in Kontakt stand, tut sich binnen weniger Tage buchstäblich der Boden auf. Ein böser Verdacht stellt den Alltag des Kripomannes auf den Kopf. Außerdem macht ihm sein neuer Chef das Leben schwer. Bis die spannende Geschichte schließlich mit der Lösung des Falls endet, schickt Rommel ihre Leser über viele Irr- und Umwege - in guter alter, Suspense-Technik.Lesung am 15. Januar Wer mehr wissen will, sollte sich die nächste Lesung von Heike Rommel notieren: Nach einer ersten Präsentation im Café im Bürgerpark im Dezember, liest die 52-Jährige am 15. Januar in Schäfer´s Café/Kunsthalle aus ihrem Werk. Nicht nur das Interesse an den verschlungenen Wegen einer stimmig komponierten Krimihandlung brachte Heike Rommel an den Schreibtisch. Vielleicht habe da auch ein wenig die familiäre Prägung eine Rolle gespielt - Rommels Vater war Kriminalbeamter. Auf jeden Fall hat das Psychologiestudium positiv mit hineingespielt, wenn es um die glaubwürdige Entwicklung der Personen und des Plots geht: "Es kann nicht schaden, wenn man sich mit Persönlichkeitsstörungen auskennt", sagt sie und verweist auf einen ihrer Charaktere im Buch, der schließlich auch unter Mordverdacht gerät. Zunächst arbeitete sie autodidaktisch, später erschloss sie sich das Handwerk via Fachliteratur und Schreib-Workshops. Das Schreiben ist für die Autorin ein schöner Kontrast zu ihrer Arbeit mit behinderten Menschen: "Tagsüber habe ich viele Menschen um mich. Wenn ich später zu Hause schreiben kann, kann ich mich völlig zurückziehen und mit meiner Fantasie arbeiten", schildert sie.Folgekrimi in Arbeit Ihr Personal hat die gebürtige Olpenerin, die im sauerländischen Altena aufwuchs und zum Studium nach Bielefeld kam, in detailreichen Charakterstudien angelegt, überarbeitet, weiterentwickelt. Dazu kam ein immer wieder aktualisierter Szenenplan. "Alles soll möglichst stimmig sein, es muss ja auf der Langstrecke tragen." Sie will Figuren schaffen, die authentisch wirken, nachvollziehbare innere Konflikte und realistische Alltagserfahrungen aufweisen. Schließlich ist ja auch schon ein Folgekrimi in Arbeit. Da müssten die Protagonisten schon eine gewisse Tiefe aufweisen. Dass sie sich in die Reihe der Lokalkrimi-Autoren einreihte, begründet Heike Rommel mit ihrer inzwischen guten Kenntnis der Schauplätze in ihrer Wahlheimat: "Bielefeld ist ein vielfältiger Schauplatz mit verschiedenen Milieus, Stadt und Land liegen dicht beieinander. Das ist eine gute Basis." Ermittlungsdetails im Buch, allesamt auf den aktuellen Stand gültiger Kriminaltechniken gebracht, recherchierte Rommel akribisch. Zusätzlich habe Kriminalhauptkommissar Norbert Horst, ebenfalls als Krimiautor kein Unbekannter, "geduldig und kollegial per Mail alle offenen Fragen beantwortet". Mehrere Test-Leser aus dem Freundeskreis gaben Anregungen, von Verlagsseite machte ein Lektor abschließende Verbesserungsvorschläge. Nach einem recht flotten Start liest sich das Buch süffig weg, die Handlung wirkt nie gestelzt und aufgesetzt, neben der Krimihandlung erfährt der Leser viel vom Leben und den Eigenarten der Charaktere. Skandinavische Krimis, die Rommel sehr schätzt, waren ihr eine Anregung. Allerdings ohne die martialischen Mordmethoden einzubauen und die oft durchweg düstere Atmosphäre: "Spannung kann man auch bei Abstrichen bei der Grausamkeit des Plots erzeugen", ist sie überzeugt.

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