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Die Hauptbucht von der Insel Besar ist ein Paradies für Schnorchler. Nur einige Meter entfernt vom Steg schwimmen täglich mehrere riesige Meeresschildkröten. - © Julian Rüter
Die Hauptbucht von der Insel Besar ist ein Paradies für Schnorchler. Nur einige Meter entfernt vom Steg schwimmen täglich mehrere riesige Meeresschildkröten. | © Julian Rüter

Malaysia Die Perhentian Islands in Malaysia sind ein absoluter Geheimtipp

Dort gibt es keine Straßen, aber dafür riesige Meeresschildkröten und fantastische Strände

Julian Rüter
05.03.2016 | Stand 04.03.2016, 14:59 Uhr

Taucherbrille samt Schnorchel aufgesetzt, ein paar Schritte in das glasklare, warme Wasser, Kopf runter und einige Armzüge. Ins Sichtfeld unten kommen die üblichen Verdächtigen im Pazifischen Ozean: Clownfische und bunte Verwandte.

Womit gut 50 Meter vom Strand niemand gerechnet hat, sind riesige Meeresschildkröten, die völlig tiefenentspannt im kristallklaren Wasser ihre Runden drehen und alle paar Minuten zum Luft holen an die Wasseroberfläche kommen. Die Insel war vorher schon so wunderschön einsam und abgelegen. Spätestens mit dieser Begegnung ist sie zu einem Traum geworden.

Pulau Perhentian oder auch die Perhentian Islands sind selbst erfahrenen Fernreisenden oft kein Begriff. Es mag daran liegen, dass Malaysia nicht zum Hauptreiseziel in Südostasien zählt und die Inseln Besar und Kecil nicht nur so wirken, als seien sie noch weit vom europäischen Massentourismus entfernt. Wer nicht mehr als atemberaubendes Wasser, eine einfache Unterkunft und zum Essen ein paar leckere Currys oder frisch gefangenen Fisch braucht, ist hier garantiert im persönlichen Paradies angekommen.

Schon bei der Buchung des Hostels (es gibt auf den beiden Inseln auch Hotels, aber Hostels sind der Standard) merkt man, dass die Perhentian Islands keine ganz normale Inselgruppe sind. Die Frage nach einem freien Zimmer wird mit einem ziemlich ungewohnten „weiß ich nicht, kommt einfach vorbei" beantwortet. Selbst der mit dem Rucksack reisende Backpacker, wird dabei an seinen ganz natürlich ausgeprägten europäischen Ordnungssinn erinnert, stutzt kurz und überlegt sich, ob er sein Ziel wirklich richtig ausgewählt hat. Aber alle, die mit dem Abenteuergen ausgestattet sind, fahren natürlich trotzdem hin und werden von einer ruhigen Oase im sonst so stressigen Arbeitsalltag belohnt.

Mit einem wirklichen kleinen Kutter muss man aus dem Küstenort Besut zur Insel hinüberfahren. Bei gut 20 Menschen und wenig Platz wirkt das wie ein Abenteuer für sich. Auf den schmalen Bänken sitzt man eng gedrängt wie früher im Sportunterricht. Das Gepäck wird vorne ins Boot gelegt – die gut 20 Personen in diesem Mini-Kutter sind das absolute Maximum, das er vertragen kann. Wer doch ein mulmiges Gefühl im Magen hat, der blickt von seinem engen Plätzchen aus zur Ablenkung ins durchgehend türkisblaue Wasser. Dabei ist die Skepsis völlig überflüssig.

Selbstverständlich klappt alles problemlos. Schließlich machen die Malaien diese Fahrten jeden Tag. Im Hostel „Mama’s Chalet" angekommen, wird kräftig durchgeatmet. Es gibt freie Zimmer und ganz nebenbei wird auch klar, warum hier niemand im Voraus sagen kann, ob das auch wirklich so ist. „Ihr könnt so lange bleiben, wie ihr wollt. Sagt nur einen Tag vor der Abreise Bescheid." Eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung für das Paradies gibt es hier also inklusive.

Die Perhentian Islands sind ein Traum für alle, die auf der Suche nach Abgeschiedenheit und Entspannung sind und dabei nicht die Preise eines Luxusressorts auf den Malediven bezahlen wollen. Die Zimmer sind einfach und die Preise niedrig. Vor allem Pulau Besar ist ein Hort der Ruhe. Es gibt nur einen Ort, keine einzige Straße, der Weg zu anderen Stränden und Unterkünften wird entweder über einen Trampelpfad durch das malayische Unterholz oder mit dem Boot zurückgelegt.

Die Menschen sind extrem entspannt und die Strände wunderschön. Wer es gerne ganz abgeschieden mag, lässt sich von einem der Boote zum Turtle Beach bringen. Ein langer Strand mit nur einer einzigen Hütte und wenig Menschen. Mit etwas Glück sieht man dort vor allem im Herbst sogar ein paar Schildkröten direkt am Strand schlüpfen.

Wer dieses Glück nicht hat und das Schauspiel verpasst, wird aber, genau wie vor dem Hauptstrand der Insel, mit fast einhundertprozentiger Wahrscheinlichkeit mit einer der riesigen Meeresschildkröten schwimmen. Für jeden Liebhaber der Unterwasserwelt ist es ein Spektakel, diese erhabenen Tiere zu sehen. Langsam bewegen sie ihre Flossen und gleiten scheinbar schwerelos durchs Wasser.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, hat die malayische Regierung die Insel vor etwas mehr als zehn Jahren unter Naturschutz gestellt. Gebaut wird hier und da trotzdem, nahezu alle gut 2.000 Einwohner der Inseln leben vom Tourismus. Aber dennoch verschandeln keine Mega-Ressorts das Bild. Dafür gibt es viele kleine Hütten als Hostels und Terrassen als Restaurants. Der Naturschutz war ein vorausschauender Blick der Behörden, um das abgeschiedene Paradies so schön wie möglich zu erhalten.

Information

GUT ZU WISSEN

Reisezeit: In den meisten Städten und Dörfern des muslimisch geprägten Malaysias sind während des Ramadans Restaurants bis Sonnenuntergang geschlossen. Ansonsten sollten Reisende vor allem die Regenzeit im Auge behalten. Die kann je nach Lage an der West- oder Ostküste variieren.

Tee und Wandern: Malaysia von einer ganz anderen Seite sieht man in den Cameron Highlands. Während im Großteil des andes ein tropisches Klima herrscht, sind es dort meist um die 18 Grad. Die Region steht für Teeanbau und viele Wanderwege.

Fortbewegung:
Fernverkehr geht in Malaysia ganz problemlos – im Idealfall mit dem Bus. Für Preise, die häufig nicht über zehn Euro liegen, kann man quer durchs Land fahren. Tipp: Vor Ort buchen.

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