0
Nur Obst und Gemüse statt Fleisch, Milch und Fisch - das ist leichter gesagt als getan. - © picture alliance/Bildagentur-online
Nur Obst und Gemüse statt Fleisch, Milch und Fisch - das ist leichter gesagt als getan. | © picture alliance/Bildagentur-online

Anders essen Vegan leben im Alltag - wie macht man das?

Serie "Anders essen": Auf Fleisch und tierische Produkte zu verzichten, ist eine Herausforderung – was den Einkauf betrifft, aber auch moralisch gesehen. Wie sie ihren ganz eigenen Umgang damit gefunden hat, berichtet diese Löhnerin.

Angelina Kuhlmann
28.12.2018 | Stand 26.01.2019, 14:00 Uhr

Löhne. Mit 24 Jahren ist Mone Hagemeier Vegetarierin geworden. Später stieg sie dann auf eine vegane Ernährungsweise um. Wobei das mit den Bezeichnungen „Vegetarierin" und „Veganerin" gar nicht so leicht ist. Folgte man ihnen streng, dann müsste man komplett auf Fleischprodukte verzichten und – bei Letzterem – auch auf alles verzichten, was einen tierischen Ursprung hat. Und das sei gar nicht so leicht, sagt die heute 50-jährige Hagemeier. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen wohnt sie in Löhne. Hinter dem Haus gibt es einen großen Garten – und den teilt sich die Familie nicht nur mit einem Bienenvolk. Seit kurzer Zeit gehört auch eine Schar Lauf
enten dazu. Wie das mit der Lebensweise einer Veganerin zusammen passt, erzählt Mone Hagemeier im Gespräch mit der NW. Frau Hagemeier, wie sind Sie Veganerin geworden? Mone Hagemeier: Ich versuche, mich vegan zu ernähren. So würde ich das eher nennen. Aber das klappt nicht immer. Ich mochte noch nie Fleisch. Von dem Geruch wurde mir schlecht. Meinem Vater und meinem Bruder ging es ähnlich. Irgendwann bin ich dann vegetarisch geworden, so mit 24. Freunde von uns sind später aus gesundheitlichen Gründen Veganer geworden. Die haben das toll erklärt und gesagt, dass es möglich ist, das gut in den Alltag zu integrieren. Ich habe vorher immer gedacht, dass ich dann richtig viel schnibbeln muss (lacht). Dann gab es aber immer mehr vegane Produkte und ich habe mich weiter informiert. Sie sagen selber, dass das nicht immer klappt. Wieso nicht? Hagemeier: Ich kann gar nicht so straight sein. Wenn ich richtig Lust darauf habe, dann hole ich mir auch Gambas. Aber ich glaube, dass wir Menschen kein Fleisch benötigen. Da bin ich schon spirituell. Mutter Erde hat uns so viele Möglichkeiten gegeben. Ich glaube, wir brauchen Tiere nicht für unsere Ernährung. Sie haben bei sich im Garten Bienen und auch Laufenten untergebracht. Verwerten Sie den Honig und die Eier? Hagemeier: Den Honig nur, wenn ich gemerkt habe, dass das Volk weg ist. Also fast nie. Alle drei, vier Jahre vielleicht. Ich freue mich einfach, auf einer Bank zu sitzen und den Bienen zuzuschauen. Mit den Eiern backe ich zum Beispiel Kuchen. Da habe ich kein schlechtes Gewissen. Die kommen ja von glücklichen Enten. Was sagt Ihre Familie denn zu Ihrer Ernährungsweise? Hagemeier: Ich habe Männer zu Hause. Meinen Mann und zwei Söhne. Ich kriege da schon Sprüche gedrückt (lacht). Da mache ich dann auch mal Fleisch zum Essen. Ich lebe meinen Kindern das lieber vor, als sie zu etwas zu zwingen, was sie nicht wollen. Wie sieht es bei Ihnen mit Ersatzprodukten aus? Brauchen Sie zum Beispiel Soja? Hagemeier: Nein, Soja finde ich nicht gut. Wegen des Anbaus von Sojabohnen und auch für die Gewinnung von Palmöl werden Regenwälder gerodet. Ich glaube, das mit dem Ersatz ist ein Ammenmärchen. Das hält sich bei den Medizinern die Waage – die einen sagen: „Ja, du musst das ausgleichen", die anderen sagen „Nein". Ich hole mir zum Beispiel Kurkuma und Braunhirse. Achten Sie beim Kleidungskauf auch darauf, dass nichts Tierisches drin ist? Hagemeier: Ich habe jetzt so spezielle Schuhe aus angeblich wiederverwertetem Leder. Dann habe ich mal eine Jacke für 200 Euro gekauft. Das ist schon viel. Und sonst gehe ich nicht in Discountläden und versuche, auf Fair-Siegel zu achten und auf die Herstellung in Deutschland. Ist es unehrlich zu sagen: „Ich bin Veganer", wenn man den Verzicht nicht ständig durchhält? Hagemeier: Ich finde, dass da jeder seinen eigenen Weg finden muss. Oft neigen Menschen, die sich selbst zu etwas zwingen, dazu, extrem zu werden. Für mich selber kann ich sagen, dass meine Lebensweise für mich gesund ist und ich Tiere unterstütze. Auch wenn meine Söhne trotzdem sagen, dass ich manchmal peinlich bin (lacht). Ich habe da meinen eigenen Weg gefunden. Wünschen würde ich mir, dass Menschen neben einer bewussteren Ernährungsweise auch auf 


andere Dinge achten. Wie zum Beispiel darauf, bei Spaziergängen auch mal Müll aufzuheben, selbst wenn es nicht der eigene ist. Und ganz wichtig: dass Menschen respektvoller mit sich und ihrem Umfeld umgehen. Da gehören Menschen, Tiere und die Natur zu.

realisiert durch evolver group