Wie früher: Kai (l.) und Thorsten Wingenfelder, Ex-„Fury in the Slaughterhouse", bei ihrem Clubkonzert im Forum.
Wie früher: Kai (l.) und Thorsten Wingenfelder, Ex-„Fury in the Slaughterhouse", bei ihrem Clubkonzert im Forum.

Kultur Wingenfelder - perfekte Musik für eine unperfekte Welt

Die Band ist mit neuer Platte auf Tour durch die Clubs und begeistert im Forum Bielefeld mit alten und neuen Songs

Christina Falke

Bielefeld. „Ohne diesen Titel würden wir hier nicht stehen – und ihr wahrscheinlich auch nicht", sagte Kai Wingenfelder, stimmte den Song „Time To Wonder" an und 500 Besucher sangen lauthals Textzeile für Textzeile im Forum mit. Denn auch wenn Kai und sein Bruder Thorsten als „Wingenfelder" seit sieben Studioalben deutschsprachig unterwegs sind, darf auf keinem ihrer Konzerte der eine und andere „Fury in the Slaughterhouse"-Song fehlen. Ihre im Sommer erschiene Platte „Sieben Himmel Hoch" im Gepäck, begeisterten die Hannoveraner am Freitagabend im Forum und gaben sich dabei ganz publikumsnah. Der vor dem Forum geparkte schwarze VW-Bulli mit der Aufschrift „Wingenfelder" verriet den Besuchern bereits bei deren Ankunft, dass die Brüder sich nicht nur in puncto Bühnen kleiner gesetzt haben. Mit ihrem Projekt „Wingenfelder" scheinen sie auch bewusst die kleineren Clubs anzusteuern. Denn die großen Konzerthallen des Landes sind ihnen durchaus nicht fremd. Vor allem in den 1980er und 90er Jahren feierten Kai und Thorsten Wingenfelder zusammen mit Rainer Schumann, Christof Stein-Schneider und Hannes Schäfer als die Band „Fury in the Slaughterhouse" Erfolg um Erfolg. 2008 dann löste sich die Band auf, um 2016 zu ihrem 30-jährigen Band-Jubiläum zurückzukehren. Dabei war es, als wären sie niemals weg gewesen. Der Zauber von einst, der einer ganzen Generation seine Musik schenkte, war wieder da. Seit 2010 bereits tragen die Wingenfelder-Jungs gemeinsam mit Fabian Schulz (Gitarre), Volker Rechin (Bass), Benny Glass (Schlagzeug) und Robbie Schuller (Keyboards) den „Fury"-Sound weiter – nur jetzt halt auf Deutsch. Markante Stimme, eingängiger Sound Mit dem Namensgeber des Albums „Sieben Himmel Hoch" eröffneten Wingenfelder das Konzert in Bielefeld, gefolgt von „Verlieb’ dich nicht in mich". Und spätestens mit dieser aktuellen Single-Auskopplung hatten sie das Publikum auf ihrer Seite. Dabei fiel einmal mehr auf, dass es schwer ist, sich dem eingängigen Sound und der markante Stimme von Kai Wingenfelder, die auch „Fury in the Slaughterhouse" so einzigartig machte, zu entziehen. Und so war es wenig verwunderlich, dass die Zuhörer auch alle bis zum Verklingen des allerletzten Akkords blieben, textsicher Titel für Titel von „World weit weg" über „Irgendwo ist immer Sommer", „Bis nach Berlin" und „Perfekt" bis zum Final-Song „Winterkind" mitsangen. Als Höhepunkt des zweistündigen Konzerts war dabei sicherlich die Neil-Young-Hymne „Rockin’ in a Free World", die Wingenfelder mit eigenem, deutschsprachigem Text im Zugabeteil sangen sowie die Fury-Tracks „When I’m Dead and Gone" und „Time to Wonder". Dabei ließ es sich Kai Wingenfelder auch nicht nehmen, von der Bühne hinab ins Publikum zu steigen und ein Bad in der Menschenmenge zu nehmen. 21 Songs haben es auf die aktuelle Platte geschafft, von denen die meisten an diesem Abend auch live gespielt wurden. „Die Plattenfirma wollte eigentlich nur elf Titel haben, aber wir hatten einiges zu sagen", erklärte Kai Wingenfelder. Und so entstand ein Doppel-Album, das im Hinblick auf Einwanderungspolitik in Deutschland oder den amerikanischen Präsidenten auch auf politische Belange eingeht.

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