0
Ein Monat ohne tierische Produkte: Wie gesund ist eine vegane Ernährung? - © dpa
Ein Monat ohne tierische Produkte: Wie gesund ist eine vegane Ernährung? | © dpa

Gesünder essen Veganuary: Was steckt hinter dem Trend und wie gesund ist er wirklich?

Eine vegane Ernährung wird häufig mit Verzicht verbunden. Doch stimmt das? Eine Organisation will Vorurteile abbauen und wirbt aktuell für einen Testmonat.

Wiebke Wellnitz
14.01.2023 | Stand 14.01.2023, 18:10 Uhr

"Veganuary 2023: Probier´s vegan!" - mit diesem oder ähnlichen Slogans werben seit Jahresbeginn nicht nur Influencer in den sozialen Netzwerken, sondern auch Supermärkte wie Edeka, Discounter wie Penny oder Drogerieketten wie dm. Doch was steckt hinter dem Trend und was verändert ein veganer Januar im Körper?

Worum geht es bei der Aktion?

Hinter "Veganuary" steckt nicht nur eine Kampagne, sondern auch eine gemeinnützige Organisation. Ziel ist es, mehr Menschen an eine rein pflanzliche Ernährung heranzuführen und Hemmschwellen zu senken. Der Januar eignet sich für eine solche Aktion am ehesten - schließlich sind dann die Neujahrsvorsätze noch frisch. Prominente Unterstützer der Aktion sind unter anderem der Arzt Eckart von Hirschhausen oder Schauspieler Hannes Jaenicke.

Was ist der Vorteil einer veganen Ernährung?

Laut der "Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V." (DGE) ist eine vegane Ernährung dann gesund, wenn die Mahlzeiten aus einer vielfältigen Auswahl an Gemüsen, Hülsenfrüchten, Obst, Getreide- und Vollkornprodukten, Nüssen, Samen und Pflanzenölen bestehen.

Das Verbrauchermagazin "Ökotest" hat zudem ermittelt, wie sich der Verzicht auf tierische Produkte auf den eigenen CO2-Abdruck auswirkt. Laut den Ergebnissen kann dieser um bis zu 73 Prozent gesenkt werden, wenn auf Fleisch und Milchprodukte verzichtet wird. Wichtig ist dabei jedoch, auf die Herkunft von Ersatzprodukten, wie beispielsweise Soja, zu achten. Durch den Verzicht auf tierische Produkte wird gleichzeitig auch das Tierleid gemindert, das immer noch in der Ernährungsindustrie allgegenwärtig ist.

Nützt ein Monat bereits etwas?

Für den Klimaschutz lohnt es sich auf jeden Fall: Laut "Ökotest" haben mehr als 600.000 Menschen aus über 220 Ländern und Territorien im vergangenen Jahr am Veganuary teilgenommen. Dadurch seien knapp 207.680 Tonnen CO2-Äquivalente, ungefähr 810 Tonnen Phosphat-Äquivalente in Gewässern und circa 12,4 Millionen Liter Wasser eingespart sowie der Tod von geschätzten 6,7 Millionen Tieren vermieden worden.

Und für die eigene Gesundheit? „Eine Ernährung, die einen hohen Gehalt an Ballaststoffen hat, macht lange satt. Das vermeidet Blutzuckerspitzen, Heißhungerattacken, stabilisiert den Zucker- und Fettstoffwechsel in der Leber und senkt den Cholesterinspiegel“, erläutert Birgit Terjung, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Eine bereits bestehende Fettleber könne sich regenerieren. Da sich der Darm jedoch auf die neue Ernährungsform umstellen müsse, sei es wichtig, viel zu trinken, um Verstopfungen zu vermeiden.

Laut "Veganuary" macht der Aktionsmonat auch langfristig einen Unterschied. Denn viele Teilnehmende haben nicht nur einen Monat lang, sondern auch im restlichen Jahr ihre Ernährung angepasst und sich gesünder ernährt - unabhängig davon, ob sie sich nach dem Testmonat für eine rein vegane Ernährung entschieden hätten.

Welche Nachteile gibt es?

Kritiker warnen vor einem Nährstoffmangel bei einer rein veganen Ernährung. Die DGE hat einen Leitfaden zusammengestellt, auf was Veganerinnen und Veganer achten sollten. Denn laut Studien des "Bundesinstituts für Risikobewertung" wirken sich fehlende Nährstoffe und Vitamine beispielsweise negativ auf die Knochengesundheit aus.

Lösen lässt sich dieses Problem jedoch: Wer sich vegan ernährt, muss besonders darauf achten, die Vitamine und Nährstoffe, die mittels tierischer Produkte aufgenommen werden, adäquat und in ausreichender Menge zu ersetzen. Zentral ist laut der DGE vor allem eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12. Aber auch Eisen, Jod und Vitamin D seien potenziell kritische Nährstoffe.

Wichtig ist laut der DGE zudem, sich kritisch mit Fertig- und Ersatzprodukten auseinanderzusetzen. "Dabei handelt es sich einerseits teilweise um hoch verarbeitete Produkte mit einem hohen Gehalt an Zucker, Speisesalz oder Fett, die mit vielen Zusatzstoffen versehen sind. Solche Lebensmittel können ernährungsphysiologisch ungünstig und daher nicht unbedingt gesundheitsfördernd sein", so die Einschätzung.

Mehr zum Thema

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken