"Pastewka" ist zurück. Diesmal nicht bei Sat.1, sondern bei Amazon. - obs/Amazon.de/© 2017 Amazon Inc
"Pastewka" ist zurück. Diesmal nicht bei Sat.1, sondern bei Amazon. | obs/Amazon.de/© 2017 Amazon Inc

Start von Staffel 8: Pastewka, wo willst du eigentlich hin?

Die ehemalige Gag-Serie aus dem "Sat.1 Fun-Freitag" ist erwachsen geworden und zu Amazon umgezogen. Das freut Fans, hat aber nicht nur Vorteile.

Matthias Schwarzer

Köln. 2005 flackerte die erste Staffel "Pastewka" über die Bildschirme. Seinerzeit noch eingebettet in eine feste Institution: Den "Fun-Freitag in Sat.1". Die Serie: Hoch selbstreferentiell, mit vielen Seitenhieben aufs Privatfernsehen. Mit dabei: Comedy-Größen wie Bastian Pastewka, Annette Frier und die großen TV-Stars der 2000er. Zum Beispiel, ja richtig gelesen: Jeanette Biedermann. Auf dem Sendeplatz, auf dem einst Anke Enkelges "Ladykracher" oder auch "Genial daneben" große Erfolge feierten, läuft heute die Casting-Show "The Voice". Und auch die Sitcom rund um Bastian Pastewka verschwand von der Bildfläche und wart, zum Unmut vieler Fans, nie wieder gesehen. Doch Zeiten ändern sich - zum Glück. Bietet das Privatfernsehen heute kaum noch Innovationen, so sprießen die Eigenproduktionen bei den Streaminganbietern gerade so aus dem Boden. Im vergangenen Jahr gab Amazon bekannt: Es wird eine achte Staffel "Pastewka" geben - und zwar bei uns. Seit Freitag stehen alle zehn neuen Folgen zum Abruf bereit. Doch wer auf ein Comeback der kuschelig-witzigen Familien-Show gehofft hatte, dürfte beim Einschalten ein wenig verwundert gewesen sein. Die Sitcom hat sich mit dem Umzug zu Amazon deutlich weiterentwickelt - und das nicht immer zum Vorteil. Mehr Zeit Waren die Pastewka-Folgen seinerzeit auf exakt 30 Minuten (TV-Werbung mit eingerechnet) getrimmt, scheinen die Autoren der Serie ihre grenzenlose Freiheit beim Streaming-Anbieter richtig zu genießen. Bereits die Auftakt-Folge hat Längen, die im Privatfernsehen so nie möglich gewesen wären. Lange Musikstrecken, ausführlichere Dialoge. Wer "Pastewka" aus dem Fernsehen kennt, fühlt sich beim Ansehen merkwürdig entschleunigt. Das Konzept wirkt zumindest in der Auftaktfolge ein wenig befremdlich. Im weiteren Verlauf gewinnt die Serie wieder an Tempo. Lesen Sie auch: 10 kuriose Fakten über Pastewka, die nur echte Nerds kennen Mehr Sex Seit dem Ende der siebten Staffel sind vier Jahre vergangen. Das gilt auch für die fiktiven Charaktere der Serie: Sie alle haben sich weiterentwickelt. Aus Rotzgöre Kim wurde eine bodenständige 25-Jährige, Nachbarin Frau Bruck ist noch böser als je zu vor - und Bastian Pastewka steckt voll in der Midlife-Krise. Die Entwicklung der Charaktere dürfte auf Fans der Serie jedoch etwas befremdlich wirken. So gibt es mit Bastian Pastewka gleich mehrere wilde Bett-Szenen, die so gar nicht zur sonst eher prüden Hauptfigur passen wollen. Interessant: Mit nackter Haut scheint Amazon generell kein Problem zu haben - fast schon ungewöhnlich für ein US-Unternehmen. In der Folge "Der Camper" sieht man mehr Brüste und Genitalien als in jeder Privatfernsehen-Produktion der Neunzigerjahre. Mehr Tragik War "Pastewka" bislang eher als kuschelige Wohlfühl-Familienserie bekannt, haben die neuen Folgen erstaunlich viele tragische Momente. Familie Pastewka, wie wir sie einst kannten, existiert nicht mehr. Einsamkeit und Frust halten Einzug ins Drehbuch. Wer sich auf eine Serie gefreut hatte, die nur von Gag zu Gag rennt, wird mit Staffel 8 enttäuscht. Mehr Product-Placement Wer jetzt dringend einen Fernseher bei Mediamarkt oder Kondome bei LIDL kaufen muss, den haben die Werbebotschaften in Staffel 8 erfolgreich erreicht. Pastewka Staffel 8 strotzt nur so vor Produktplatzierungen. Zeitweise gibt es kaum eine Szene, in denen Bastian Pastewka nicht irgendein Produkt trinkt oder auslöffelt, damit durch die Gegend fährt oder zufälligerweise daran vorbei läuft. Grundsätzlich ist gegen Product-Placement nichts einzuwenden - schließlich sichert dieses auch die Finanzierung einer guten Serie. Nervig wird es dann, wenn es penetrant wird und von der Handlung der Serie ablenkt - oder sie gar bestimmt. Pastewka, wo willst du hin? Was von "Pastewka" bleibt, ist ein gemischtes Gefühl. Keine Frage: Die Produzenten der Serie haben mit Staffel 8 großartige Arbeit geleistet - sie scheinen allerdings noch nicht genau zu wissen, wohin sie eigentlich wollen. Die neue Freiheit bei Amazon bietet die Möglichkeit, lange Geschichten zu erzählen - auch über mehrere Folgen hinweg. Genau das tut "Pastewka" in Staffel 8. Allerdings streut die Staffel auch immer wieder Folgen ein, die von der Handlung völlig losgelöst sind und eher an die Anfangszeiten in Sat.1 erinnern. Auf viele alte Running-Gags ("Du Dödel") wird in Staffel 8 nahezu gänzlich verzichtet. Am Ende ist nicht ganz klar, wohin die Reise gehen wird. Die komplizierte Situation von Familie Pastewka würde genug Anhaltspunkte bieten, eine Geschichte durchgängig in zehn Folgen zu erzählen. Aktuell wirkt "Pastewka" Staffel 8 eher wie ein Kompromiss - nichts Halbes und nichts Ganzes. Zwar will man sich von den starren Vorgaben des Privatfernsehens lösen, allerdings hängt man auch zu sehr an den alten Fans von früher. Eine verzwickte Situation, die eine mögliche Staffel 9 umso spannender macht.

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