Handwerkskunst: Ein Insektenhotel kann man auch selber bauen. - © Christine Krieger
Handwerkskunst: Ein Insektenhotel kann man auch selber bauen. | © Christine Krieger

Bielefeld Warum Insektenhotels in Wahrheit kaum helfen

Guter Insektensommer: Trockenheit sorgt für viele Krabbeltiere. Pensionen aus dem Baumarkt bieten ihnen kaum Unterschlupf und können sogar zu einem Problem werden

Jemima Wittig

Bielefeld. Das Insektensterben ist gerade in aller Munde. Viele wollen etwas dagegen tun. Dafür legen sie Naturgärten an oder stellen Insektenhotels auf. Doch wenn diese Hotels in der falschen Umgebung aufgestellt werden, nutzen sie nichts. "Viele Insektenhotels aus dem Baumarkt sind nicht von Profis gebaut", sagt Birgit Königs, Sprecherin vom Naturschutz Bund (Nabu) NRW. "Daher bieten sie den Insekten oft nicht genügend Platz und diese können dann stecken bleiben." Es sei wahrscheinlich, dass die Insekten diese Löcher dann gar nicht erst ausprobieren würden. "Sie gehen ja in der Natur auch nicht in alle Spalten und Löcher." Nur 200 Wildbienen nutzen Insektenhotels Der Meinung ist auch Philipp Unterweger, Biologe bei Insect Respect. "Wenn die Löcher unsauber gebohrt sind, verletzen die Wildbienen ihre Flügel. Daher ist es wahrscheinlich, dass sie in die Löcher gar nicht erst gehen." Wenn man ein eigenes Insektenhotel bauen will, müsse man daher die korrekte Herstellung beachten.  "Allerdings nützt so ein Hotel nur wenigen Insekten", sagt Unterweger, der die Bezeichnung Insektenhotel schwierig findet. "Von 3.000 möglichen Insektenarten in Deutschland, nutzen es überwiegend Wildbienen. Von denen gibt es etwa 680 Arten." Davon würde vielleicht ein Drittel seine Brut in dem Hotel ablegen. Auch der Ausdruck Hotel gefällt ihm nicht. "Die Bienen zahlen nicht und putzen selber", sagt er. "Außerdem übernachten sie nicht dort." "Marketinggag" in Baumärkten Die Angabe von Baumärkten, dass ein Insektenhotel gegen das Insektensterben helfen würde, hält Unterweger daher für einen Marketinggag. "Die Vielfalt der Insekten ist viel größer." Wenn man aber eines aufstellt, sei auch die Umgebung wichtig. "Ein Insektenhotel in einem Steingarten bringt nichts." Viel sinnvoller sei es, artenreiche Blumenwiesen und einen naturnahen Gartenteich anzulegen und Totholzhaufen liegen zu lassen. Dürre sorgt für guten Insektensommer In diesem Sommer gibt es viele Insekten. Denn im Gegensatz zur übrigen Natur, bekommt ihnen die Trockenheit sehr gut. "Wenn es feucht ist, verschimmeln die Puppen", so Königs. "Allerdings besteht die Gefahr, dass die Nester zu warm werden, da das Wasser zum Kühlen fehlt." Wespen etwa würde sich Wasser in die Nester holen. Durch die Verdunstung würde sich das Nest abkühlen. Der gute Insektensommer zeigte sich jetzt auch bei der Zählaktion vom Nabu. Vom 3. bis 12. August hatte die Organisation dazu aufgerufen, eine Stunde lang alle Krabbeltiere in der Umgebung zu zählen. Mit der Aktion will der Nabu auf die Bedeutung von Insekten aufmerksam machen. "Diese Tiergruppe ist stark gefährdet und am wenigsten erforscht", heißt es in der Pressemitteilung mit der Auswertung der Zählungen. Deutschlandweit führt demnach die Ackerhummel die Liste der am häufigsten gemeldeten Insekten an, gefolgt vom Kleinen Kohlweißling, Honigbiene, Gemeiner Wespe und Erdhummel. In Nordrhein-Westfalen gaben Naturfreunde 562 Meldungen ab. Mit 400 Meldungen kam auch in NRW die Ackerhummel am häufigsten vor - ganze 2.458 Mal. 320 Mal wurde die Gemeine Wespe verzeichnet, die damit auf Rang zwei rückt. Gefolgt von dem Kleinen Kohlweißling, der Honigbiene und dem Großen Kohlweißling.

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