"Matrjoschkas" sind russische Holzpuppen - "Babuschka" hingegen ist das Wort für "Großmütterchen". - © picture alliance / blickwinkel/McPHOTO
"Matrjoschkas" sind russische Holzpuppen - "Babuschka" hingegen ist das Wort für "Großmütterchen". | © picture alliance / blickwinkel/McPHOTO

Lifestyle Wodka aus dem Wasserglas: 15 Wahrheiten über russische Stereotypen

Typische Klischees über Russen sind: trinkfest, gastfreundlich und abergläubisch. Was ist dran an den Vorurteilen?

Victoria Star

Bielefeld. Zu jedem Land kursieren Klischees und Vorurteile. Manche Sachen stimmen, manche sind aber so skurril dass es schon wieder lustig ist. Über Russen wird zum Beispiel oft gesagt, sie seien trinkfest und gastfreundlich. Und nachdem ein Kollege der festen Überzeugung war, dass Wodka bei uns aus Wassergläsern getrunken wird, hat die Autorin dieser Zeilen die interessantesten Stereotype über meine Landsleute zusammengetragen - und kommentiert sie augenzwinkernd. 1. Russen trinken gerne… Alkohol ist wirklich gern gesehen auf unseren Tischen. Aber: Wir haben gute Gründe dafür! Denn bei uns wird stets auf etwas getrunken: Auf die Gesundheit, die Liebe oder die Freundschaft. Und weil jemand Geburtstag hat. Oder der internationale Tag des Kosmonauten ist. Genug Anlässe hat man ja. Aber eigentlich trinken wir den Schnaps nicht aus Wassergläsern – Pinnchen reichen uns auch. 2. … vor allem Wodka. Es muss nicht immer Wodka sein, Cognac wird ebenfalls gern getrunken. Oder Bier. Oder selbstgemachter Likör von Tante Olga. Natürlich gibt es auch Russischstämmige, die gar keinen Alkohol trinken, aber in der Regel sind die meisten tatsächlich ziemlich trinkfest. Das liegt aber wiederum daran, dass wir nach dem Trinken eine „Zakuska" essen – sozusagen ein russisches hors d'oeuvre. Überhaupt haben wir neben dem vielen Trinken auch Unmengen an Essen auf dem Tisch stehen. 3. Pelmeni sind unser Hauptnahrungsmittel. Und wo wir schon beim Essen sind: Russische Küche besteht nicht nur aus Teigtaschen! Die gibt es tatsächlich in allen Formen und Farben: Pelmeni, Vareniki, Piroggen, Manti, Beljaschi, Tschebureki… Aber es gibt noch mehr, was die russische Küche ausmacht: Schaschlik, deftige Suppen mit Kohl oder roter Bete, Ragoutvariationen aus Fleisch und Gemüse… Beliebt sind auch verschiedene Varianten von Kascha: Breie aus Getreiden wie Buchweizen, Grieß oder Graupen. 4. Wir sind die Gastfreundlichkeit in Person. Ja! Wir freuen uns, wenn wir dem Gast den größtmöglichen Komfort bieten können. Dazu gehört ein brechend voller Tisch und viel Herzlichkeit, mit der wir unsere Gäste begrüßen. Aber zieht bitte die Schuhe aus, wenn ihr reinkommt! Denn alles andere ist für Russen äußerst unhöflich. 5. In Russland ist es immer kalt. Von wegen. Russland ist ein riesiges Land – es erstreckt sich über alle Klimazonen. Naja, bis auf die Tropen. Aber am Schwarzen Meer wachsen neben einheimischen Früchten auch Orangen! In Sibirien hingegen sind die Winter tatsächlich sehr kalt – das kälteste, was ich erlebt habe, waren Minus 53 Grad. Dafür sind die Sommer auch dort recht warm – in den heißen Monaten knackt die Anzeige auch schon mal die 30-Grad-Marke. 6. Aberglauben sind weit verbreitet. Das ist etwas, was ich tatsächlich bestätigen kann – zumindest zum Teil. Viele Aberglauben haben sich einfach „festgesetzt" und werden aus Tradition fortgeführt. Wer Salz im Haus verschüttet, dem droht Kummer – es sei denn, man streut jedem, der zu Hause ist, eine Prise auf den Kopf. Pfeifen soll man zu Hause auch nicht, denn so „verpfeift" man sein Geld. 7. Für alles gibt’s ein Hausmittelchen. Schuldig! Neben handelsüblichen Medikamenten greifen viele gern zu Omas Geheimrezepten: Zwiebelsaft gegen Schnupfen, Tee mit Himbeeren gegen Fieber und Honig gegen Halsschmerzen. Und Knoblauch ist sowieso ein Allzweckheilmittel gegen alles. 8. Arbeit ist für uns wichtig. Zugegeben, diese Eigenschaft lässt sich vielen Menschen auf der ganzen Welt zuschreiben. Aber tatsächlich können Russischstämmige nicht einfach zu Hause rumsitzen – vielleicht gelten Russen in Deutschland gerade deswegen ja auch als so gut integriert. 9. Russen protzen gern. Irgendwie logisch – wer viel arbeitet, kann auch zeigen was er hat. Wichtig ist in jedem Fall ein gutes Auto. An dieser Stelle großer Applaus für die deutsche Automobilindustrie, denn hiesige Autos schätzen die Russen am meisten. 10. Russische Frauen sind die schönsten. Das ist ja bekanntlich Geschmackssache. Ich würde dieses Klischee eher anders betiteln: Russische Frauen machen sich besonders gern zurecht. Make-up und Haare sitzen nahezu immer perfekt, und selbst beim Müll raustragen wird gern das schönste Outfit angezogen. Naja, so oder so ähnlich. Jeder hat bekanntlich mal einen schlechten Tag! 11. „Babuschka" und „Matrjoschka" ist doch das gleiche. Das macht mich immer wahnsinnig! „Babuschka" ist eine Verniedlichungsform von „Baba", was auf Russisch „Oma" bedeutet. Wer in Zukunft mit guten Russischkenntnissen glänzen will, sollte die traditionelle Holzpuppe „Matrjoschka" nennen. 12. Russen hocken gern. Ja, wer kennt sie nicht, die „Russenhocke". Woher dieses Phänomen kommt, ist nicht ganz klar. Ein bisschen hat es etwas mit den Gopniki zu tun, einer Working-Class-Subkultur in Russland. Dazu gehören klischeehaft natürlich gute Trainingshosen, denn in Jeans hockt es sich wenig bequem. Die Jogginghose sollte am besten Markenware sein (siehe Punkt 8: Russen protzen gern). Weitere obligatorische Attribute wie Halsketten, Alkohol und Sonnenblumenkerne sind auch gern gesehen. 13. Sonnenblumenkerne... Apropos: Ja, die sind auch sehr beliebt bei uns. Aber man muss auch zugeben, dass die Dinger einfach süchtig machen! Wer einmal anfängt, der hört nicht auf, bis die Packung leer ist. 14. Bären laufen frei auf der Straße herum. Kommt auf die Straßen an. Auf den gut beflasterten rund um Moskau herum fühlen die sich nicht besonders wohl. Irgendwo mitten in der Taiga hingegen kann das schon mal vorkommen… 15. Puschkin ist doch eine Wodkamarke. Es ist ein bisschen schade, dass die russische Kultur auf Wodkanamen reduziert wird. Gerade im Bereich der Literatur hat das Land viele wunderschöne Werke zu bieten. Neben Puschkin sind auch Autoren wie Esenin, Bulgakov, Zwetajeva, Gogol, Tolstoi, Dostojewski und viele, viele mehr empfehlenswert! Aber auch das russische Ballett oder der Zirkus sind weltberühmt, ebenso wie Komponisten wie Glinka oder Schostakowitsch.

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