Bekommt der SCP das Geld zusammen? Wilfried Finke macht "seit drei Wochen nichts anderes, als die Lücke zu schließen". - © Marc Köppelmann
Bekommt der SCP das Geld zusammen? Wilfried Finke macht "seit drei Wochen nichts anderes, als die Lücke zu schließen". | © Marc Köppelmann

SC Paderborn SC Paderborn kämpft noch um die 3. Liga

Es wird noch an der Etatlücke gearbeitet – das Chaos bei 1860 München könnte eine Hintertür zum Klassenerhalt werden. Klubs müssen am Freitag ihre nachgebesserten Lizenzunterlagen einreichen

Frank Beineke

Paderborn. „Entscheidend is auf’m Platz", hatte Trainerlegende Alfred „Adi" Preißler einst erklärt. Doch manchmal fallen die Entscheidungen dann doch nicht auf dem grünen Rasen, sondern beispielsweise in der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Denn der wird in den nächsten Tagen darüber beraten, welche Vereine die Lizenz für die 3. Liga erhalten – und wem diese unter Umständen verweigert wird. Und so darf sich der SC Paderborn als sportlicher Absteiger doch noch Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen, da Konkurrenten wie der Chaos-Klub TSV 1860 München oder der Chemnitzer FC in argen Finanznöten stecken. Allerdings zählt auch der SCP bekanntlich zu den Vereinen, die richtig ranklotzen müssen, um die Bedingungen des DFB zu erfüllen. Das Ergebnis dieser Arbeit muss am Freitag um 15.30 Uhr in der DFB-Zentrale vorliegen. Dann endet die Abgabefrist. Der SC Paderborn wird wohl erst kurz vorher eine Mail mit allen erforderlichen Unterlagen Richtung Frankfurt senden. Finke: "Wir sind noch nicht am Ziel" Denn auch am Donnerstag wurde noch mit Hochdruck daran gearbeitet, die Lücke im Etat für die Drittliga-Spielzeit 2017/18 zu schließen. Diese betrug vor gut zwei Wochen zwei Millionen Euro. Mittlerweile dürfte diese Summe um rund die Hälfte reduziert worden sein. Wie viel Geld noch fehlte, wollte SCP-Präsident Wilfried Finke nicht verraten. „Zu Zahlen äußere ich mich nicht. Aber ich mache seit drei Wochen nichts anderes, als diese Lücke zu schließen. Wir waren nicht unerfolgreich, aber wir sind noch nicht am Ziel", erklärte der Vereinsboss am Donnerstag der NW. „Wir führen noch ganz entscheidende Gespräche mit Sponsoren, die möglicherweise noch die ganze Nacht über andauern", sagte Finke und fügte an: „Wir werden alles dafür tun, um die Auflagen zu erfüllen. Es bleibt dabei: Ich kämpfe bis zur letzten Patrone." Blick auf die Konkurrenz Alle Unterlagen werden vom Bielefelder Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG testiert, um nichts dem Zufall zu überlassen. Ob die Zahlen ausreichen, um die Drittliga-Lizenz zu erlangen, wird sich spätestens bis zum 12. Juni entscheiden. Dies hat der DFB bereits zugesichert. „Voraussichtlich werden die Lizenzentscheidungen aber vorher fallen", sagt SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger. Gerade Markus Krösche dürfte hoffen, dass der DFB so schnell wie möglich handelt. Denn dem Sport-Geschäftsführer sind die Hände derzeit weitgehend gebunden. Aktuell haben zwar nur drei SCP-Akteure einen Vertrag für die Regionalliga. Doch bei einem Verbleib in der 3. Liga würden die Arbeitspapiere von 18 weiteren Spielern ihre Gültigkeit behalten. Immerhin: Die SCP-Talente Semir Saric, Tim Mannek und Fatih Ufuk werden wohl in Kürze einen Vertrag für beide Ligen unterschreiben. „Wir sind in finalen Gesprächen", so Krösche. Nun aber bleibt abzuwarten, was die Konkurrenz macht. Die Klubs aus Erfurt, Osnabrück, Zwickau, Rostock und Aalen, die ebenfalls Bedingungen erfüllen müssen, dürften aus dem Schneider sein. Doch Chemnitz und Zweitliga-Absteiger 1860 München müssen vermutlich um die Drittliga-Lizenz bangen. So klafft wohl immer noch eine Lücke von 2,5 Millionen Euro im Chemnitzer Etat. Insolvenz für 1860 München? Bei 1860 München kommt es darauf an, ob Investor Hasan Ismaik die dringend benötigten elf Millionen Euro überweist. Allerdings habe der 39-Jährige Jordanier „sein weiteres finanzielles Engagement an Bedingungen geknüpft, die der Verein aus rechtlichen und organisatorischen Gründen nicht erfüllen kann", heißt es in einer schriftlichen Erklärung der 1860-Vizepräsidenten Heinz Schmidt und Hans Sitzberger. Und so liebäugeln die Löwen durchaus mit einer Insolvenz und dem Rückzug in die Regionalliga, um sich von Ismaik befreien zu können. „Zu anderen Vereinen kann ich nichts sagen, denn dafür weiß ich zu wenig. Aber ich glaube, dass alle einen ähnlichen Kampf kämpfen wie wir", betont Wilfried Finke. Es ist ein Kampf, der einem Adi Preißler nicht gefallen hätte.

realisiert durch evolver group