Sportlich lief's ganz gut: Abends ließ es Proschwitz dann auch im Hotel krachen. - © Sarah Jonek
Sportlich lief's ganz gut: Abends ließ es Proschwitz dann auch im Hotel krachen. | © Sarah Jonek

SC Paderborn Proschwitz beim SC Paderborn vor dem Rauswurf

Der Stürmer des Zweitligisten schlägt in Belek mächtig über die Stränge und lässt seine Hose fallen. Präsident Finke kündigt bereits ohne genaue Kenntnis des Sachverhalts Konsequenzen an

Hartmut Kleimann
Ariane Mönikes

Belek. Am Nachmittag noch traf er für den SC Paderborn im Testspiel gegen Ferencváros Budapest das Tor, um Mitternacht aber benahm er sich dann ordentlich daneben: Stürmer Nick Proschwitz (29) hat in der Sportsbar des Fünf-Sterne-Luxushotels "Regnum Carya" vor einer Frau von der Agentur "Match IQ", die für den SC Paderborn und Arminia Bielefeld das Trainingslager in Belek organisiert, seine Männlichkeit entblößt. Einige Zeugen haben das gesehen, darunter Redakteure der Neuen Westfälischen. Gegen 0:30 Uhr am Sonntagmorgen hatte der Stürmer sein Hinterteil und die entsprechende Kehrseite gezeigt. Offenbar alkoholisiert war er bereits zuvor aufgefallen, wie er grölend durch die Hotelbar lief - am Abend vor dem Abflug des Teams von Antalya nach Deutschland. SCP-Sportchef Michael Born sagte nach der Rückkehr aus der Türkei am Sonntag: "Wir haben von dem Vorfall gehört und werden gegebenenfalls Konsequenzen ziehen. Aber zunächst müssen wir die Vorwürfe prüfen und mit Nick Proschwitz sowie anderen Spielern, die angeblich dabei waren, reden. Das war am Sonntag nach der Ankunft in Deutschland nicht mehr möglich, da die Spieler schnell weg waren." Die Mannschaftsverantwortlichen haben erst gestern Mittag nach der Landung in Düsseldorf von den Vorfällen erfahren. Der Präsident selbst hatte sich schon über die Homepage dieser Zeitung informiert. "Ich gehe davon aus, dass der Sachverhalt so stimmt", sagte er. Gespräche mit Manager Sport Michael Born und Trainer Stefan Effenberg schlossen sich an und sollten auch noch am Abend fortgesetzt werden. Nick Proschwitz wird demnach möglicherweise nicht mehr für den SC Paderborn spielen. Erschüttert über das Verhalten seines Spielers Proschwitz im Trainingslager äußerte sich SC Paderborns Präsident Wilfried Finke gegenüber dieser Zeitung: "Jenseits von arbeitsrechtlichen Fragen kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser Spieler noch einmal das Trikot unseres Vereins tragen wird." Es seien in den kommenden Stunden jedoch noch viele Gespräche zu führen, denn in der aktuellen sportlichen Lage des SCP sei so eine Situation viel zu ernst. Das Bild, das der Verein durch solche Geschichten abgebe, sei für ihn nicht nur enttäuschend, sondern extrem erschütternd. Gerade in der aktuellen Situation, in der sich viele Menschen über das Verhalten von Zuwanderern äußerten, sei so ein Auftritt "als Gast in der Türkei" nicht hinzunehmen. Im Laufe des Montags sollen Entscheidungen fallen. "Dann weiß ich eine ganze Menge mehr und werde eine klare Aussage tätigen", kündigte Finke noch am Sonntag an. Am Montag berichtete die Bild-Zeitung, Proschwitz sei bereits am Sonntagabend gefeuert worden. Matthias Hack aber, Pressesprecher des SC Paderborn, wies den Bericht auf Anfrage von nw.de zurück. Klare Worte fand der Vereinschef Finke aber auch schon vorab über den gesamten Verlauf des Trainingslagers. Schon am Mittwoch waren beim Mannschaftsabend Blumenkübel verunstaltet worden, wie das Management bestätigt. Finke: "Wenn bei einem 10-tägigen Trainingslager zwei Abende in Eskapaden enden, spricht das nicht für ein diszipliniertes Verhalten. Das ist die bescheidenste Gesamtsituation, die ich seit meiner Laufbahn bei diesem Verein erlebe." Bereits am Mittwoch sollen einige SCP-Spieler, darunter auch Proschwitz, beim Mannschaftsabend im Hotel mächtig über die Stränge geschlagen haben. Blumenkübel sollen im Hotel-Pool gelandet sein, Spieler hätten auf Hotel-Fluren uriniert. Dies wurde von Born aber vehement bestritten: "Das stimmt nicht, an diesen Vorwürfen ist nichts dran. Das kann ich versichern." Das Hotelmanagement soll von dem Vorfall alles andere als begeistert gewesen sein, heißt es. Zwischen Match IQ, SCP und Hotelmanagement hat es nach Informationen dieser Zeitung am Tag danach ein Krisengespräch im Hotel gegeben. Dabei habe man sich jedoch geeinigt, außer dem Vorfall mit den Blumenkübeln sei nichts weiter geschehen. Noch im November hatte in der Nobel-Herberge an der Riviera der G-20-Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama und anderen Politikern stattgefunden. Das Hotel ist eines der besten in der Türkei. Es verfügt über 538 Zimmer, derzeit sind etwa 850 Mitarbeiter hier beschäftigt, in der Hauptsaison mehr als 1.100. Eröffnet wurde es erst im April 2014. Schon Werder Bremen hatte während des Trainingslagers Anfang Januar hier residiert. Nick Proschwitz spielte bereits in der Saison 2011/12 für den SCP, ging dann nach England. Zur aktuellen Saison kehrte er zurück. Für den SCP lief Proschwitz in dieser Saison in allen Spielen auf und erzielte fünf Tore. Beim SCP hat er noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2017.

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