Time to say goodbye: Sina Kandra, hier bei den Deutschen Einzelmeisterschaften 2018 in Hamburg, blickt auf eine bewegte Karriere zurück. Nun aber ist Schluss. Eine der erfolgreichsten deutschen Squashspielerinnen aller Zeiten beendet ihre Laufbahn. - © Henning Angerer
Time to say goodbye: Sina Kandra, hier bei den Deutschen Einzelmeisterschaften 2018 in Hamburg, blickt auf eine bewegte Karriere zurück. Nun aber ist Schluss. Eine der erfolgreichsten deutschen Squashspielerinnen aller Zeiten beendet ihre Laufbahn. | © Henning Angerer

Paderborn Sina Kandra vom Paderborner SC beendet ihre Karriere

Ein Grund sind Knieprobleme, aber auch die Motivation hatte zuletzt nachgelassen

Frank Beineke

Paderborn. Aus sportlicher Sicht war das Einzel zwischen Sina Kandra vom Paderborner Squash Club und der Stuttgarterin Katja Leuschner unspektakulär. Kandra war die klare Favoritin und wurde dieser Rolle im Vorrundenspiel der deutschen Mannschaftsmeisterschaften in Böblingen mit einem 11:3, 11:1, 11:7-Sieg vollauf gerecht. Dennoch war diese Partie eine ganze besondere. Denn für Sina Kandra war es wohl das letzte Match. Nachdem die 28-jährige PSC-Akteurin bereits ihre Karriere auf der internationalen Tour beendet hatte, hängt sie nun auch auf nationaler Ebene den Schläger an den Nagel. "Es war extrem emotional", erinnert sich Kandra an die Momente nach dem Spiel, in denen sie vor dem Court in den Armen ihres Ehemannes Raphael und ihrer Mutter Andrea zahlreiche Tränen vergoss. Schon am Abend zuvor hatte die Paderbornerin so manches Tränchen verdrückt. "Mir ging noch einmal die ganze Karriere durch den Kopf", erklärt Sina Kandra. In eben jener Karriere war es bis 2012 stetig steil bergauf gegangen. Mit 13 Jahren spielte die gebürtige Münchenerin unter ihrem Mädchennamen Wall bereits in der Bundesliga. Im Juniorenbereich sahnte sie unzählige Titel ein. So ergatterte Sina Wall unter anderem den Team-Europameistertitel. 2011 folgte die erste von zwei deutschen Einzelmeisterschaften. Und als Nummer 41 der Welt stand sie Ende 2011 vor dem Durchbruch in die absolute Weltspitze. Doch dann begann die Leidenszeit. Im März 2012 erlitt Wall bei einem Turnier in Montreal den ersten Kreuzbandriss im rechten Knie. Das Comeback mündete im nächsten Drama, denn knapp sechs Monate später riss das besagte Kreuzband bei der Deutschen Rangliste in Frankfurt erneut. Inzwischen war sie mit ihrem Lebensgefährten Raphael Kandra zum Paderborner SC gewechselt. Sina kämpfte sich abermals zurück und wurde wieder die beste deutsche Squashspielerin. Doch in die Nähe der Weltspitze sollte sie nicht mehr rücken. "Durch die Verletzungen habe ich fast drei Jahre verloren" "Durch die Verletzungen habe ich fast drei Jahre verloren. Aber sie haben mich in vielen Dingen auch stark gemacht", betont Sina Kandra. Das rechte Knie war nun jedoch einer der Hauptgründe fürs Laufbahnende. "Die Ärzte haben mir dringend empfohlen, lieber aufzuhören. Sonst würde ich mit 40 Jahren ein künstliches Kniegelenk benötigen", sagt die PSC-Akteurin und fügt an: "Ich hatte mir lange genug gesagt, dass es schon geht. Irgendwann muss die Vernunft siegen." Doch auch eine berufliche Veränderung erleichterte ihr den Abschied vom Leistungssport. So arbeitet Sina Kandra seit Januar als Sportausbilderin bei der Bundeswehr in Warendorf. Es ist ein sehr zeitintensiver Job. Die 28-Jährige ist täglich von 5.30 Uhr bis 18 Uhr auf Achse. Daher ist es wenig verwunderlich, dass auch die Motivation fürs Training nicht mehr so ausgeprägt war. Dem Squash aber wird die Sportsoldatin weiter treu bleiben. "Hobbymäßig werde ich sicher ein wenig weiter spielen. Aber ich werde vor allem Krafttraining für mein Knie machen und viel Fahrrad fahren", erklärt Sina Kandra. Ein Kurz-Comeback für den PSC schließt sie nicht aus. "Wenn mal absolute Personalnot herrscht, könnte ich sicher mal in der NRW-Liga aushelfen. Aber eigentlich ist das nicht geplant", sagt die 28-Jährige. Zum zweiten Mal gab's vier DM-Titel in Folge Als Jugendwartin des PSC und als Bundeshonorartrainerin der deutschen U17-Nationalmannschaft aber wird sie auch künftig viel Zeit in Squash-Centern verbringen. Und als Fan will Sina Kandra die PSC-Teams begleiten. Schließlich schlägt ihr Ehemann Raphael, mit dem sie seit Juli 2017 verheiratet ist, für Paderborn auf. Zusammen mit ihrem Gatten konnte Sina Kandra in Böblingen nun auch die deutschen Meistertitel feiern. Für Sina Kandra und die PSC-Damen war es die vierte nationale Mannschaftsmeisterschaft in Folge. Ein solches Kunststück war ihr von 2009 bis 2012 bereits mit Taufkirchen gelungen. Auch deshalb geht die Wahl-Paderbornerin als eine der erfolgreichsten deutschen Spielerinnen in die Squash-Historie ein. "Es war ein perfekter Abschluss", konstatiert Kandra mit Blick auf den jüngsten Triumph in Böblingen. Nun aber beginnt ein neuer Lebensabschnitt - fast ohne Squash.

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