Nicht mehr auf einer Wellenlänge: Headcoach Willie Robinson, mit dessen Verpflichtung vor einem Jahr große Hoffnungen verknüpft waren, ist aufgrund unüberbrückbarer Differenzen von seiner Aufgabe entbunden worden. - © Andreas Zobe
Nicht mehr auf einer Wellenlänge: Headcoach Willie Robinson, mit dessen Verpflichtung vor einem Jahr große Hoffnungen verknüpft waren, ist aufgrund unüberbrückbarer Differenzen von seiner Aufgabe entbunden worden. | © Andreas Zobe

Bielefeld Interne Differenzen führen zur Entlassung von Bulldogs-Headcoach Robinson

Ein großes Missverständnis

Hans-Joachim Kaspers

Bielefeld. Vor knapp einem Jahr war die Welt der Bielefeld Bulldogs trotz des Abstiegs in die Football-Regionalliga in Ordnung: Mit Willie Robinson schien der Mann gefunden, der als Headcoach für einen geordneten Neuanfang und eine bessere sportliche Zukunft stehen würde. Doch nach einer eigentlich erfolgreichen Drittligasaison - wer hätte schon geglaubt, dass die Bulldogs mit einem ganzen Haufen Rookies Zweiter werden würden - liegt alles in Scherben: Nach Robinsons Entlassung lassen Headcoach und Vereinsvorstand kein gutes Haar aneinander, wollen aber gleichzeitig "in der Öffentlichkeit keine schmutzige Wäsche waschen", wie es Präsident Ulrich Kossiek ausdrückt. »Ich bin für die richtige Sache aufgestanden« In der Sache moniert Robinson, dass eine nachhaltige Unterstützung der gemeinsamen Mission von Seiten der sportlichen Leitung und der Vereinsführung ausgeblieben sei. "Ich habe alles gegeben, um das angestrebte Programm eines Neuanfangs ins Laufen zu bringen", erklärt der US-Amerikaner und verweist darauf, dass er 27 Neuzugänge erfolgreich integriert habe. "Alle Versprechen des Vereins, wie unsere Situation verbessert werden könnte, sind jedoch nicht eingehalten worden", klagt er. Und fügt an, dass er sich "in 34 Jahren, die ich im Football tätig bin, noch nie so betrogen gefühlt" habe. Eine Einschätzung, die er dem Vorstand nach frustrierenden Monaten, in denen er immer wieder auf unüberwindbare Hürden gestoßen sei, auch so unverblümt mitteilte. Diese verbale Attacke brachte laut Ulrich Kossiek "das Fass zum Überlaufen". Man sei in den Monaten zuvor schon zähneknirschend über den einen oder anderen Reibungspunkt hinweggegangen: "Jetzt aber war es genug", erklärt Kossiek, der den entstandenen Dissens als "nicht mehr zu lösen" klassifizierte und deshalb gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen die Reißleine zog. "Von außen ist die Trennung sicherlich schwer nachzuvollziehen, wir haben aber einfach keine andere Möglichkeit gesehen, um Ruhe in den Verein zu bekommen", so Kossiek, der abschließend zu einer bemerkenswerten Erkenntnis kommt: "Vielleicht war Willie mit seinen Ansprüchen auch eine Nummer zu groß für unseren Verein." Sportdirektor Heiko Schreiber weist Robinsons Vorwürfe der mangelnden Unterstützung zurück. "Wir haben getan, was wir konnten, die Dinge gingen Willie aber nie schnell genug - und manchmal hat er einfach nicht richtig zugehört", kritisiert Schreiber den geschassten Coach. So sei es zu Situationen gekommen, in denen Robinson "wie ein HB-Männchen" hochgegangen sei und alles kritisiert habe, ohne aber Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. "Da hat einfach auch der Ton die Musik gemacht. Letztlich funktionierte die Zusammenarbeit aber schon länger nicht mehr richtig", konstatiert Schreiber, der deshalb Handlungsbedarf bei den Bulldogs sah: "Es bestand die Gefahr, dass Willies Unzufriedenheit in den nächsten Wochen weiter wachsen und er uns dann zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, etwa mitten in der Vorbereitung auf die kommende Saison, verlassen würde. Dieses Risiko konnten wir nicht eingehen." Willie Robinson rechtfertigt seine verbalen Attacken in Richtung des Bulldogs-Vorstands damit, dass er seine Autorität nachhaltig untergraben sah. "Die wichtigsten Grundlagen meiner Arbeit sind immer Loyalität und Ehrenhaftigkeit gewesen", sagt der Coach, "und beides habe ich am Ende bei den Bulldogs vermisst." Dass er nun gefeuert worden sei, ficht ihn als "Mann von Ehre" nicht an: "Ich bin für die richtige Sache aufgestanden und habe für meine Mannschaft gekämpft. Das ist eine Sache der persönlichen Integrität, deshalb mache ich mir auch keine Vorwürfe", erklärt er abschließend. So stehen die Bulldogs wieder mal ohne Headcoach da, wollen sich aber mit der Entscheidung über einen Nachfolger von Willie Robinson Zeit nehmen. "Wir beginnen jetzt erst einmal unter der Leitung der Positionstrainer Lars Höcker und Kai Mersch mit dem Wintertraining und sondieren anschließend den Markt", erklärt Heiko Schreiber.

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