Bielefeld Boxer Alischa Islek und Samir Talo bereiten sich auf Titelkämpfe vor

Nach Silber und Bronze im vergangenen Jahr wollen sie jetzt ganz nach oben

Gregor Winkler

Bielefeld. Diese Szenerie kennt man spätestens seit den "Rocky"-Filmen: Eine Sporthalle mit Dämmerlicht, die ihre besten Tage lange hinter sich hat. Alles wirkt leicht angestaubt und improvisiert. Aber zwischen dem dunklen Parkett und den abgenutzten Tauen, an denen die Boxsäcke befestigt sind, wird gearbeitet - hart gearbeitet. Der Schweiß fließt in Strömen, wenn sich rund 20 Amateurboxer in der Luisenschule II für ihre Kämpfe fit machen. Mittendrin tänzeln auch Alischa Islek und Samir Talo. Die haben schon ganz andere Bedingungen erlebt. Eine Woche lang trainierten sie in der Sportschule Hennef, einem Bundesleistungszentrum. Im vergangenen Jahr war das. "Dort stehen zwei fest installierte Ringe", schwärmt Talo. Die beiden Bielefelder Talente hatten sich den Platz im Lehrgang durch ihre guten Leistungen bei den Deutschen U-18-Meisterschaften verdient. Talo hatte die Bronzemedaille geholt, Alischa Islek war sogar Vizemeisterin geworden. Jetzt wollen die Nachwuchsboxer vom BC Vorwärts nachlegen: Vom 7. bis 11. Juni kämpfen sie in Velbert um die Deutsche Meisterschaft der U19. Für Halbweltergewichtlerin Islek setzt sich ein steiler Aufstieg fort. Die 16-Jährige kam erst vor zwei Jahren in den Klub: "Ich bin mit meiner jüngeren Schwester mitgegangen", erzählt sie. Wie ihre Schwester Chenielle holte auch Alischa in diesem Jahr den NRW-Meistertitel, die Fahrkarte zur DM. Samir Talo ist schon seit vier Jahren dabei, steht seit 2014 regelmäßig zu Kämpfen im Ring. "Ich war als Kind ein bisschen dick", erinnert er sich, "also hat mein Vater gesagt, dass ich mal Sport machen soll." Der Papa hat einen guten Riecher bewiesen, denn sein Sohn ist seitdem boxverrückt, trainierte sich auf Mittelgewicht (75 kg) runter. Die drei wöchentlichen Übungseinheiten im Verein reichen schon lange nicht mehr. Zu Hause werden Liegestütz gepumpt, und es geht zum Joggen. Viel Zeit bleibt neben Schule und Training nicht mehr. "Musik hören geht aber immer", sagt Talo. Er könnte sich später einen Weg ins Profilager vorstellen. Ausreichend Vorbilder hat er im eigenen Klub erlebt, oder zumindest von ihnen gehört. "Marco Huck, Emin Atra oder Besar Nimani haben es durchgezogen und zeigen jetzt bei den Profis, dass sie es können." Alischa will zunächst ihr Abitur an der Gesamtschule Stieghorst machen. "Danach würde ich schon gerne in Bielefeld bleiben. Aber Köln wäre auch toll", erzählt sie. Zunächst liegt der Focus aber auf der DM. Bis Juni wird in der kleinen Halle an der Walter-Rathenau-Straße ordentlich weiter geschwitzt. "Wir haben härter trainiert als im vergangenen Jahr", sagt Talo. Beide wollen den Titel, ihre Trainer Alexander Bich und Detlef Berning trauen es ihnen zu: "Wir schauen mal. Sie sind auf jeden Fall beide sehr gut drauf", sagt Berning.

realisiert durch evolver group