Ein schwerer Gang in Liga 2

BASKETBALL: Paderborns Erstligateam ist nicht mehr zu retten

VON JOCHEM SCHULZE
DeAndre Haynes marschiert nach der Niederlage in Weißenfels enttäuscht in die Kabine. Das Anfeuerungsplakat der Fans bietet ihm in dieser Situation keinen Trost. - © FOTO: MATTHIAS KUCH
DeAndre Haynes marschiert nach der Niederlage in Weißenfels enttäuscht in die Kabine. Das Anfeuerungsplakat der Fans bietet ihm in dieser Situation keinen Trost. | © FOTO: MATTHIAS KUCH

Weißenfels. Im Jahr 1632 ist in Weißenfels Weltgeschichte geschrieben worden. Nach seinem Tod in der Schlacht im nahen Lützen wurde Schwedenkönig Gustav Adolph in der Saalestadt aufgebahrt und einbalsamiert. 378 Jahre später geht die Residenzstadt in die Paderborner Basketballhistorie ein. Mit der 84:88-Niederlage beim Mitteldeutschen BC verspielten die Paderborn Baskets die letzte ernsthafte Chance auf den Erstliga-Klassenerhalt.

"Hier war mehr drin. Es ist schon frustrierend", sagte Dirk Happe nach Spielende. Der Paderborner Trainer hatte "zu viele kleine Fehler" gesehen. Zudem hätten die Gastgeber ihre körperliche Überlegenheit besonders bei den Rebounds (38:19) ausgespielt. Happe lobte die insgesamt aufmerksame Zonenverteidigung, an der sich die Weißenfelser besonders im dritten Viertel, als ihnen nur elf Zähler gelangen, die Zähne ausgebissen hatten. "Dass der MBC dann irgendwann trifft, war aber auch klar", zeigte sich der Baskets-Trainer von der Spielwende mit einem Pilcevic-Dreier zum 75:71 (38.) nicht überrascht.

Der Abstieg selbst kommt für Happe nicht mehr überraschend. "Als ich das Amt annahm, wusste ich, wie schwer es wird. Wir haben uns ja praktisch nur an einen Strohhalm geklammert", erklärte der Sportwissenschaftler. Der wird in dieser Woche zum entscheidenden Faktor der Baskets-Zukunftsplanung. Denn von einer möglichen Weiterverpflichtung des Stolz-Nachfolgers hängen auch die Planungen der Akteure ab. "Zunächst warte ich die Entwicklung in der Trainerfrage ab. Dann werde ich mich im Mai entscheiden", gab Daniel Lieneke zu Protokoll. Der gebürtige Salzkottener war froh, dass das Team sich in den letzten drei Partien so ordentlich präsentiert habe: "Die Zeit der richtigen Klatschen ist vorbei."

Auch DeAndre Haynes hat sich über die kommenden Serie schon Gedanken gemacht. "Ich möchte gerne in Deutschland bleiben", sagte der Playmaker, dem die Baskets ein Angebot für die 2. Liga unterbreiten werden. Ein weiteres Jahr in Paderborn schloss der Mann aus Detroit nichts aus. "Ich werde die Entwicklung hier abwarten", erklärte Haynes und brachte auch seinen Agenten ("Der redet immer mit" ) ins Spiel.

Nach Gustav Adolphs Tod dauerte das blutige Ringen im Religionskrieg noch weitere 16 Jahre. Ob der Paderborner Basketball bis zu seinem dritten Erstliga-Aufstieg länger braucht, ist völlig ungewiss.

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