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Ein Anschieber bei der Kufenpflege: Joshua Bluhm hofft, dass das Material an diesem Wochenende passt. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Winterberg will er dann den Bob von Pilot Johannes Lochner auf Touren bringen. - © dpa
Ein Anschieber bei der Kufenpflege: Joshua Bluhm hofft, dass das Material an diesem Wochenende passt. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Winterberg will er dann den Bob von Pilot Johannes Lochner auf Touren bringen. | © dpa

Paderborn Vom Krankenbett zurück in den Bob

Bobsport: Anschieber Joshua Bluhm vom LC Paderborn hat noch mit den Folgen eines schweren Motorradunfalls zu kämpfen, nimmt bei der Junioren-WM in Winterberg aber eine Medaille ins Visier

Frank Beineke
21.01.2016 | Stand 20.01.2016, 19:35 Uhr

Paderborn. Joshua Bluhm ist an diesem Wochenende in Winterberg im Einsatz. Damit kehrt der 21-jährige Bob-Anschieber vom LC Paderborn an die Stätte seines bislang größten Triumphes zurück. Denn in Winterberg war Bluhm vor einem Jahr zusammen mit Pilot Johannes Lochner (Berchtesgarden) überraschend Vizeweltmeister im Zweierbob geworden. Nun ist die Eisarena des Sauerland-Städtchens Schauplatz der Junioren-WM. Und das Duo Lochner/Bluhm dürfte erneut prima Medaillenchancen haben. Dass Joshua Bluhm aber überhaupt mit dabei sein kann, grenzt an ein kleines Wunder. Denn im Sommer hing nicht nur die sportliche Karriere, sondern zwischenzeitlich sogar das Leben des gebürtigen Kielers am seidenen Faden. Am 27. Juli hatte der Polizeibeamte zusammen mit zwei Kollegen einen privaten Motorradtrip ins Berchtesgardener Land unternommen. Auf einer Serpentinenstrecke verlor Bluhm die Kontrolle über seine Maschine. "An alles, was dann passierte, kann ich mich nicht mehr erinnern", berichtet der 21-Jährige. Bluhm geriet jedenfalls in den Gegenverkehr und wurde von einem Auto überrollt. Folgen waren unter anderem zwei gebrochene Rippen, ein Schädel-Hirn-Trauma, eine Lungenverletzung und ein komplizierter Schlüsselbeinbruch. "Ich hatte großes Glück, dass mich der Rettungshubschrauber so schnell ins Krankenhaus gebracht hat", erklärt der 1,87 Meter große Modellathlet. Dennoch bestand zunächst akute Lebensgefahr. Bluhm erholte sich aber erstaunlich schnell von den Unfallfolgen und nahm umgehend das Comeback in Angriff. Sein Weg führte und führt ihn dabei immer wieder zur Paderborner Physiotherapeutin Renate Peters. Auch in dieser Woche machte Bluhm einen Abstecher in die Praxis. Zudem trainierte er mit seinem bewährten Coach Thomas Prange vom LC Paderborn im Ahorn-Sportpark. Nicht zuletzt dank deren Hilfe kehrte der Anschieber nahezu in Rekordzeit zurück in den Bob. Kurz vor Weihnachten gewann der Olympia-Teilnehmer von 2014 sogar schon wieder einen Anschubtest des Deutschen Bob- und Schlittenverbandes. Bei den internen Selektionsrennen des Verbandes lief es dagegen nicht so gut. "Da haben wir leider ein wenig gepatzt", übt Bluhm Selbstkritik. Konsequenz: Pilot Lochner ergatterte kein Weltcup-Ticket und musste daher bislang mit dem Europacup Vorlieb nehmen. Dort dominiert der Berchtesgardener die Konkurrenz im Zweier- und Viererbob nach Belieben. In zwölf Rennen gab es zwölf Siege. Vergangene Woche triumphierten Lochner/Bluhm beim Rennen in Innsbruck-Igls. "Johannes gehört eigentlich nicht in den Europacup", sagt Bluhm. Doch im Gegensatz zur vergangenen Saison trumpfen die deutschen Weltcup-Piloten derzeit stark auf. Maximilian Arndt, Francesco Friedrich und Nico Walther heimsten allesamt schon Siege ein. Dennoch darf der 25-jährige Lochner auf einen Start beim Weltcup im St. Moritz (1. bis 7. Februar) hoffen. Ein Podestplatz bei der Junioren-WM wäre ein prima Bewerbungsschreiben. An diesem Freitag werden dabei die Medaillen im Zweier vergeben. Am Samstag folgt die Viererbob-Konkurrenz. Joshua Bluhm wird dann wieder auf die Zähne beißen. Denn die Unfallfolgen machen sich weiterhin bemerkbar, so dass er in dieser Saison auch das ein oder andere Rennen ausgelassen hat. "Gerade meine Rippenverletzung spüre ich im Bob noch immer. Und ich habe an Mobilität in den Armen verloren", erklärt der ehemalige Leichtathlet, der die Fahrten im Eiskanal dennoch genießen wird. Und wenn es in Winterberg wieder so läuft wie im Vorjahr, ist ohnehin jeder Schmerz vergessen.

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