Blick zurück im Zorn: Die Liaison von Jürgen Prüfer und dem Herforder SV endete gestern. - © Noah Wedel
Blick zurück im Zorn: Die Liaison von Jürgen Prüfer und dem Herforder SV endete gestern. | © Noah Wedel

Herford Herforder SV trennt sich vom Trainer

Frauenfußball: Jürgen Prüfer ist beurlaubt. Daniel Hollensteiner soll schon jetzt übernehmen

Dirk Kröger

Herford. Die Pressemitteilung war kurz und knapp. "Aufgrund von unüberbrückbaren Differenzen, sehen wir uns leider gezwungen Herrn Prüfer von seinem Amt als Trainer der ersten Mannschaft bis zu seinem Vertragsende zu beurlauben", teilte der Herforder SV gestern per Mail mit. Damit scheint ein Schlussstrich unter eine Liaison gezogen zu sein, in der es schon lange schwelte. Auf Anfrage fiel es dem Vereinsvorsitzenden Björn Hebbe schwer, eine Begründung für die Beurlaubung des Trainers zu finden: "Uns ist klar geworden, dass es so nicht weitergehen kann", sagte er, "seine Aussagen entsprechen nicht dem Vereinswohl." Ansonsten, so Hebbe, wolle er sich "nicht großartig äußern". Das gestrige Training sollte übrigens bereits Daniel Hollensteiner leiten, der in der kommenden Saison Cheftrainer des HSV wird. Wenn der DFB zustimmen sollte, dann wird Hollensteiner, dem allerdings die nötige Lizenz fehlt, auch für den Rest der Saison die sportliche Verantwortung für das Zweitligateam übernehmen. Die Beurlaubung wurde Jürgen Prüfer gestern vom Schatzmeister des Vereins, Dirk Heitlindemann, telefonisch mitgeteilt. "Nach dem vergangenen Wochenende hatte ich damit gerechnet", zeigte sich der (Ex-)Trainer von der Entscheidung nicht überrascht, obwohl er mit der Mannschaft sportlich zuletzt sehr erfolgreich war und fünf von sechs Spielen gewann. Prüfer, so der Beurlaubte selbst, habe dem Vereinsvorstand lange Zeit Gespräche angeboten, aber daraufhin keine Reaktion erhalten. "Mein einziger Antrieb ist, die Spiele zu gewinnen", sagte er. Mehrfach hatte er moniert, dass Spielerinnen aus dem Zweitligakader ohne Absprache mit ihm in die 2. Mannschaft delegiert wurden. "Es geht schon lange nicht mehr um sportliche Dinge", glaubt er. Zuletzt gab es Probleme, weil Prüfer Leonie Heitlindemann im Spiel gegen Hohen Neuendorf einwechselte, obwohl die das offenbar nicht wollte. "Alternativ hätte ich die Partie mit zehn Spielerinnen oder mit Ersatz-Torhüterin Josefin Plehn als Feldspielerin beenden können", erklärt er, "aber auch das wäre sicherlich als Provokation verstanden worden." Nach eigener Aussage übrigens hatte der jetzt beurlaubte Trainer zuvor per Mail angeboten, dass Heitlindemann in der 2. Mannschaft Spielpraxis sammeln sollte. Aber auch darauf habe es keine Reaktion gegeben. Einwurf Stil geht anders Irgendwie scheint der Vorstand des Herforder SV keine richtige Begründung für die Beurlaubung von Trainer Jürgen Prüfer zu finden. Der hatte zuvor eine mangelhafte Kommunikation mit dem Vereinsvorstand bemängelt – und genau deswegen wird er wohl vor die Tür gesetzt. Das, was der HSV-Vorstand jetzt tat, gibt kein gutes Bild ab, wirkt ziemlich stillos. Wenn der Verein den Trainer schlicht und einfach nicht mehr haben wollte, dann hätte er ihm das sagen sollen. Und zwar früh genug. Kontakt zum Autor

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