Fast vergessen: Heiko Söhlmann fand den Gedenkstein aus dem Jahr 1956 in einem Gebüsch wieder. In unmittelbarer Nähe befand sich früher der Sportplatz des SV Grün-Weiß Schwenningdorf, den der Schalke-Fan aus seiner Kindheit kannte. - © Thorsten Mailänder
Fast vergessen: Heiko Söhlmann fand den Gedenkstein aus dem Jahr 1956 in einem Gebüsch wieder. In unmittelbarer Nähe befand sich früher der Sportplatz des SV Grün-Weiß Schwenningdorf, den der Schalke-Fan aus seiner Kindheit kannte. | © Thorsten Mailänder

Rödinghausen Wie alles beim SV Rödinghausen begann

Der SV Rödinghausen entstand 1970 aus der Fusion des VfR Bieren und des SV Grün-Weiß Schwenningdorf

Thorsten Mailänder

Rödinghausen. Der SV Rödinghausen ist im Kreis Herford seit geraumer Zeit sportlich unangefochten im Fußball das Maß aller Dinge. In der Saison 2009/10 wurde die Mannschaft unter dem damaligen Trainer Karl-Friedrich Wessel erstmalig Meister der Kreisliga A und stieg in die Bezirksliga auf. Es folgte eine fast beispiellose Serie von Aufstiegen, die bekanntlich aktuell bis in die Regionalliga führte. Aus einem Dorfverein wurde ein Club mit professionellen Strukturen. Doch welche Vergangenheit hat der SV Rödinghausen? Die Chronik nach der Fusion 1970 zwischen dem SV Grün-Weiß Schwenningdorf und dem VfR Bieren ist schnell erzählt. Die erste Mannschaft spielte in der Kreisliga B und in der Kreisliga A. "Leider hat es bis 2010 nie ganz für die Bezirksliga gereicht, andere hatten immer die Nase vorn", berichtet Heino Tiemann, langjähriger erster Vorsitzender des SVR. Der SV Rödinghausen nennt als sein Gründungsjahr 1970, was für einen Fusionsverein eine nicht häufig gängige Praxis ist. In der Regel wird das Gründungsjahr des älteren Clubs, der an der Fusion beteiligt ist, auch als Gründungsjahr übernommen. "Der VfR Bieren wurde am 25. Juni 1948 aus der Taufe gehoben, fünf Tage nach der Währungsreform, bei der jeder Deutsche 40 D-Mark erhielt. Die Gründungsmitglieder spendeten zur Vereinsgründung fünf D-Mark und somit ein Achtel ihres neuen Geldes", erinnert sich Hermann Maschmann (89), der 1970 der erste erste Vorsitzende des SVR nach der Fusion war. Über die Geschichte des SV Grün-Weiß Schwenningdorf ist eher wenig bekannt. Auch Hermann Maschmann kann sich kein Gründungsdatum ins Gedächtnis rufen. "Dieser Verein ist jedenfalls vor 1933 entstanden", sagt Maschmann. Durch Aufzeichnungen des Schwenningdorfers Helmut Beinke konnte schließlich ermittelt werden, dass der SV GW Schwennigdorf 1932 gegründet wurde. Der Sportplatz von Grün-Weiß Schwenningdorf befand sich an der Wehmerhorststraße. Hier gibt sich heute einen Spiel- und Bolzplatz. Etwas weiter, versteckt im Gebüsch, an der Grenze zu einem Privatgrundstück findet man einen Gedenkstein mit Inschrift: "Zur Erinnerung an unsere tapferen toten Sportkameraden. SV Grün-Weiß Schwenningdorf". An diesen Stein erinnerte sich kürzlich Heiko Söhlmann, ein überzeugter Schalke-Fan, der seine Kindheit in der Nähe des alten Sportplatzes in Schwenningdorf verbracht hat. Söhlmann lebt heute mit seiner Frau Irina in Bünde. "Ich wollte wissen, ob es diesen Stein noch gibt und ich habe ihn gefunden", so Söhlmann, der nun klären wollte,welche "Geschichte" der Stein hat. Nach einigen Gesprächen mit ehemaligen Aktiven aus Bieren und Schwenningdorf konnte Karl-Heinz (Heini) Windmöller das Rätsel um Gedenkstein auflösen. " Die Mitglieder von Grün-Weiß Schwenningdorf hatten auf einer Mitgliederversammlung beschlossen, aus Findlingen einen Gedenkstein zu errichten. 1956 gab es auf dem alten Sportplatz in Schwenningdorf vor über 2.000 Zuschauern ein Freundschaftsspiel zwischen dem FC Schalke 04 und Preußen Münster. Die Schalker waren mit ihrer besten Elf angetreten und hatten mit Berni Klodt auch einen Spieler aus dem WM-Kader von 1954 dabei", erzählt Windmöller. Er selbst war Kicker für GW Schwenningdorf und den VfR Bieren gewesen. Es war also die Zeit um 1955, als Bundeskanzler Konrad Adenauer die letzten Kriegsgefangenen aus Russland holte oder manche Familie die traurige Gewissheit hatte, dass der Angehörige nicht mehr zurückkommen würde. "In der Halbzeit des Spiels wurden die ersten drei Strophen des Soldatenliedes ?Ich hatte einen Kameraden? zu Ehren der Kriegstoten gesungen, unterstützt von einigen Posaunen ", weiß Windmöller noch genau. Er war an jenem Tag Mitglied der Kreisjugendauswahl Herford, die gegen die Kreisjugendauswahl Lübbecke das Vorspiel bestritte hatte. Der heutige erste Vorsitzende des SV Rödinghausen, Bürgermeister Ernst-Wilhelm Vortmeyer, nahm gern die Anregung auf, dass der Gedenkstein bald einen Platz im modernen Häcker-Wiehen-Stadion bekommt. "Es wäre eine schöne Sache, wenn wir die Geschichte des SV Rödinghausen noch präsenter machen könnten", sagte er. Und vielleicht könnte auch der FC Schalke 04 nochmals zu Gast sein, wenn der Stein im Häcker-Wiehenstadion seinen Platz gefunden hat. Vortmeyer und Windmöller hätten dagegen jedenfalls nichts einzuwenden.

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