Bernd Schulenkorf ist der beste Torschütze des Bünder SV. Der Stürmer war an großen Spielen des BSV maßgeblich beteiligt und immer mit Herzblut bei der Sache. - © FOTO: THORSTEN MAILÄNDER
Bernd Schulenkorf ist der beste Torschütze des Bünder SV. Der Stürmer war an großen Spielen des BSV maßgeblich beteiligt und immer mit Herzblut bei der Sache. | © FOTO: THORSTEN MAILÄNDER

Deutschlands schnellster Friseur

FUSSBALL: Bernd Schulenkorf bestreitet über 1.000 Spiele im Trikot des Bünder SV

VON THORSTEN MAILÄNDER

Bünde. "Mich kennen die meisten im eigenen Verein nicht mehr", sagt Bernd Schulenkorf. Vielleicht übertreibt er damit ein wenig. Denn es gab Zeiten, da kannte man ihn als den "schnellsten Friseurmeister Deutschlands" auch weit über die Elsestadt hinaus.

Schulenkorf war Stürmer beim Bünder SV und hat dem Verein seit fast 60 Jahren ununterbrochen die Treue gehalten. Er ist als Zehnjähriger dem Vorgängerverein SV Ennigloh 09 beigetreten und besitzt seit dem 24. September 1954 eine Spielberechtigung. Wenn man Bernd Schulenkorf heute trifft, mag man nicht glauben, dass der Mann am 5. November diesen Jahres 70 Jahre alt wird. "Ich habe am gleichen Tag, wie Uwe Seeler Geburtstag!", so Schulenkorf. Er hat mit 72 Kilogramm immer noch sein "Kampfgewicht" aus erfolgreichen Zeiten, nur der Lockenkopf ist inzwischen ergraut.

Drei Trainer haben Schulenkorfs sportlichen Werdegang besonders geprägt. Gern erinnert sich "Stippi", wie ihn seine Freunde noch heute nennen, an Kurt Schinkel, der Mitte der 60er Jahre vom SV Minden 05 nach Ennigloh kam und den jungen Stürmer klug an die damalige 1. Mannschaft heranführte. Schinkel starb schon 1979 im Alter von 59 Jahren an einem Tumor. 1975 verpflichtete der Bünder SV den ehemaligen Profi des VfL Osnabrück, Friedhelm Holtgrave als Spielertrainer, der den BSV in seine erfolgreichste Zeit überhaupt führen sollte. Noch unter Holtgraves Vorgänger Horst Reinisch hatte der Verein erstmals für die Spielzeit 1975/76 die Qualifikation für die Hauptrundes des DFB-Pokals mit 128 Vereinen geschafft und traf in der ersten Runde am 1. August 1975 im Elsestadion auf den 1. FC Pforzheim. Das Spiel endete 2:2 nach Verlängerung. Da es zu jener Zeit noch kein Elfmeterschießen gab, wurde die Partie am 14. August in Pforzheim wiederholt, einem Donnerstagabend. "Ein Himmelfahrtskommando, denn fast alle Spieler mussten kurzfristig Urlaub nehmen. Nach dem Schlusspfiff hatten wir eine halbe Stunde Zeit, bis der Zug die über 500 Kilometer nach Bünde zurück fuhr. Eine Verlängerung lag nicht drin und so habe ich in der 90. Minute das 2:1 für den BSV gemacht", schildert Schulenkorf lachend den wohl bekanntesten Moment seiner Karriere.

Schon um 8.30 Uhr des nächsten Tages stand Schulenkorf wie gewohnt am Stuhl seines Friseursalons. Wenige Tage später erfolgte die Auslosung der 2. Hauptrunde, die das "Traumlos" FC Bayern München brachte. Die Bayern waren am 28 Mai Europapokalsieger der Landesmeister (heute     Champions League) geworden. Die Mannschaft von Trainer Dettmar Cramer war gespickt mit Spielern aus der Weltmeistermannschaft von 1974. Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Uli Hoeneß, Georg Schwarzenbeck oder der noch junge Karl-Heinz Rummenigge warteten auf die Bünder. Das Spiel fand am 18. Oktober im Herforder Ludwig-Jahn-Stadion vor 22.000 Zuschauern statt und begann ohne das Bünder Idol Bernd Schulenkorf. "Uwe Eberhart (später unter anderem Trainer beim VfL Holsen, die Red.) hatte in der Vorwoche gegen Paderborn drei Tore gemacht und ich fand mich auf der Ersatzbank wieder", erzählt Schulenkorf nach fast 40 Jahren immer noch mit erster Mine. "Im Vorfeld hatte sich die Mannschaft darauf verständigt, dass die Sieger von Pforzheim vorrangig spielten sollten, Holtgrave wusste von dieser Vereinbarung nichts und wollte nach den letzten Leistungen gehen. Er überließ die Entscheidung aber der Mannschaft, als er von der Übereinkunft hörte. Die Mannschaft kippte ihre eigene Entscheidung und für mich brach fast die Welt zusammen" berichtet Schulenkorf von dramatischen Stunden bei der Spielersitzung zwei Tage vor dem "Bünder Jahrhundertspiel". Zähneknirschend nahm Schulenkorf die Entscheidung hin und die Reservistenrolle an. In der 50. Minute wurde Schulenkorf für den inzwischen verstorbenen Bodo Horstkotte beim Stande von 1:0 für die Bayern eingewechselt. Am Ende siegte München durch Tore von Ludwig Schuster, Franz "Bulle" Roth und Franz Beckenbecker mit 3:0. Nach dem Bayern-Spiel war Bernd Schulenkorf nicht mehr Spielführer und hat die Binde für die 1. Mannschaft des BSV nie wieder getragen. Er war kurz davor, aus der Enttäuschung heraus, dem Verein den Rücken zukehren. In den Jahren zuvor hatte er zahlreiche, lukrative Angebote aus dem Profifußball abgelehnt, nun hielt ihn auch sein Friseursalon in Bünde. Schulenkorf stieg 1978 mit Trainer Holtgrave in die Amateur-Oberliga auf. Mit diesem hatte Schulenkorf lange wieder Frieden geschlossen, ihr Kontakt hält bis heute.

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