Klare Treffer wie dieser gelangen Elina Tissen gegen Fatuma Zarika eher selten. Trotzdem sahen die Kampfrichter die Weltmeisterin weit vorne. - © FOTO: HENRIK MARTINSCHLEDDE
Klare Treffer wie dieser gelangen Elina Tissen gegen Fatuma Zarika eher selten. Trotzdem sahen die Kampfrichter die Weltmeisterin weit vorne. | © FOTO: HENRIK MARTINSCHLEDDE

Offener Kampf mit klarer Siegerin

BOXEN: Elina Tissen verteidigt ihren GBC-Titel im Superbantamgewicht nach Punkten

VON CARSTEN BIERMANN

Rietberg. Als Ringsprecher Dirk Reuter kurz nach Mitternacht das Ergebnis verkündet, mischen sich leise Buh-Rufe unter den Applaus. Nicht alle der rund 600 Zuschauer in der Rietberger Cultura haben den Sieg von Elina Tissen so deutlich gesehen wie die drei Kampfrichter. Herausforderin Fatuma Zarika bot der alten und neuen GBC-Weltmeisterin im Superbantamgewicht zehn Runden lang einen offenen Fight, bei dem sich Vorteile nur schwer erkennen ließen.

Angesichts der leichten Missstimmung sah sich Tissens Trainer Maiki Hundt noch im Ring veranlasst, das Urteil (99:95, 99:94, 99:94) zu erklären – und als korrekt einzuordnen. "Wenn man als Herausforderin gewinnen will, muss man die Gegnerin entweder k.o. schlagen oder das Doppelte machen." Das habe Zarika nicht geleistet. Mit dieser Bewertung lag Hundt zweifelsfrei richtig, bekräftigte gleichzeitig aber ein Vorurteil, mit dem der gesamte Boxsport zu kämpfen hat: Die Siegchancen liegen bei den Kontrahenten nicht unbedingt gleich verteilt.

Dass es knapp zugegangen sein muss, verriet bereits das Verhalten der Boxerinnen nach dem Schlussgong. Weder Tissen noch Zarika zeigten die üblichen Posen, mit denen der vermeintliche Sieger noch vor Urteilsverkündung sich selbst feiert. Die Anspannung hatte sich offenbar noch nicht gelöst, beide waren sich ihrer Sache nicht hundert Prozent sicher.

Von der ersten Runde an standen sich die 25-jährige Warendorferin und die 26-jährige Kenianerin wie zwei Raubkatzen gegenüber, die zum entscheidenden Hieb gegen ihre Beute ausholen wollen, aber immer wieder scheitern. Tissen schlug unzählige Luftlöcher, weil Zarika dank ihrer flinken Reaktionen geschickt auswich. "Elin the Machine", wie sie sich nennt, kam nicht auf Hochtouren. Aber auch Zarika stockte, fand in Tissens Verteidigung keine Lücken. Klare Wirkungstreffer blieben die Ausnahme. In der 8. Runde schienen beide kurzzeitig sogar zu resignieren. Etwa 30 Sekunden standen sie sich mit gesenkten Fäusten gegenüber, wirkten wie erstarrt. Eine Szene, die Hundt in seiner Erklärung aufgriff: "So etwas darf sich eine Herausforderin nicht leisten."

Tissen selbst war sichtlich erleichtert, als sie den goldglitzernden GBC-Gürtel in Empfang nahm. "Das war mein bisher härtester Kampf", sagte sie, nachdem die letzten Töne des ihr zu Ehren gespielten Tina-Turner-Hits "Simply the best" verklungen waren. Ständig habe sie aufpassen müssen, nicht in Zarikas "gefährliche Rechte" zu laufen.

In der abschließenden Pressekonferenz gab ein Blick in die Gesichter der Widersacher einen Hinweis, der die Siegerin bestätigte. Während Tissen kaum größere Spuren offenbarte, präsentierte Zarika eine dicke Beule auf der Stirn. "Auch daran sieht man, dass es an dem Urteil nichts zu rütteln gibt", betonte Hundt. Die kenianische Seite hielt sich in ihrer Meinung seltsam bedeckt. Während Zarika der Frage nach der Richtigkeit mit einem "weiß nicht" auswich, lobte Trainer Kaleba Cuja die "Professionalität der Veranstaltung." Und schloss darin ein, dass alles wohl korrekt zugegangen sei. Ein klares Statement hört sich jedenfalls anders an.

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