Der Chef-Sanierer: Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek r.) und Präsident Hans-Jürgen Laufer geben Auskunft. FOTO: WOLFGANG RUDOLF - © Wolfgang Rudolf
Der Chef-Sanierer: Finanz-Geschäftsführer Markus Rejek r.) und Präsident Hans-Jürgen Laufer geben Auskunft. FOTO: WOLFGANG RUDOLF | © Wolfgang Rudolf

Arminia Bielefeld Arminias Sanierung: Aufbruch in eine neue Zeit

Arminia: Geschäftsführung stellt das Sanierungskonzept vor. Unternehmer Weber knüpft die entscheidenden Fäden und zieht sich zurück. Lob zum Abschied für Rejek. Schuldenfrei in fünf Jahren

Jörg Fritz
Martin Krause

Bielefeld. Während draußen Schneeregen zu einer sich unangenehm anfühlenden Wetterlage führte, herrschte im Presseraum der Schüco-Arena in Bielefeld eitel Sonnenschein. Wichtige Nachrichten sollten verkündet werden. Deshalb standen mit Arminia Bielefelds Präsident Hans-Jürgen Laufer sowie den beiden Geschäftsführer Markus Rejek (Finanzen) und Samir Arabi (Sport) die wichtigsten Entscheidungsträger des Fußball-Zweitligisten bereit, Einzelheiten über den propagierten Neustart zu verkünden. Die erste gute Nachricht des Tages kam allerdings aus dem Munde von Pressesprecher Tim Santen, der in einem kurzen Satz bestätigte, "Wir haben die Auflagen zur Nachlizenzierung von der Deutschen Fußballliga erfüllt." Das hat zur Folge, dass Arminia erfolgreich den Nachweis erbracht hat, dass der Spielbetrieb bis zum Saisonende gesichert ist. Punktabzüge sind damit vom Tisch. 22,4 Millionen Euro Verbindlichkeiten Dann übernahm Markus Rejek das Kommando. Seine Ankündigung: Der Klub strebe die komplette Entschuldung an. Das erarbeitete Sanierungskonzept unter Beteiligung von Gläubigern, Banken, dem "Bündnis Ostwestfalen" - einem Zusammenschluss ostwestfälischer Unternehmer - sowie des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Bielefeld hat zum Inhalt, die Verbindlichkeiten in Höhe von 22,4 Millionen Euro auf einen Betrag von unter vier Millionen Euro zu senken. Innerhalb von fünf Jahren soll auch diese Summe abgetragen sein, "so dass Arminia Bielefeld dann schuldenfrei ist", sagte Markus Rejek. Arminias Chefsanierer verdiente sich mit dem erfolgreich Abschluss übrigens das höchste Lob von Gerhard Weber. "Rejek, der mich zwei Tage auf Mallorca besucht hat und alle Hilfspläne mit mir besprochen hat, hat Ahnung. Einen solchen Finanzfachmann hatten wir bei Arminia noch nie." Drohende Zahlungsunfähigkeit im Dezember Im Spätherbst hatten alarmierende Finanzzahlen Arminias Geschäftsführung aufgeschreckt. Eine Finanzlücke in Höhe von 4,6 Millionen Euro für das laufende Geschäftsjahr sorgte für die lebensbedrohliche Situation, dass Arminia Bielefeld Ende 2017 zahlungsunfähig gewesen wäre. "Zum 1. Juli 2018 wären weitere 4,5 Millionen Euro abseits des operativen Geschäfts hinzu gekommen", sagte Rejek. Gerhard Weber reagierte nach Bekanntwerden dieser bedrohlichen Situation umgehend, rief viele seiner Unternehmerfreunde zur Hilfe - immer unter Mithilfe von Markus Rejek, der als Erfinder des Begriffs "Bündnis OWL" gilt. Rejeks Idee: Das Bündnis übernimmt als Investorengruppe den Job von Gerhard Weber. Bareinlagen mindern die größten Sorgen. Das Bündnis bringt vier Millionen Euro sofort in die Spielbetriebsgesellschaft ein, "die liquide Mittel und kein Darlehen sind", bestätigte Finanz-Geschäftsführer Rejek. Weber selbst spielte bei diesem einmaligen Hilfsprojekt die entscheidende Rolle. Der Haller Unternehmer zieht sich zurück. "Durch seine langjährige Sponsortätigkeit und seine persönlichen Einlagen hat er uns sehr geholfen", lautete die Laudatio von Präsident Hans-Jürgen Laufer. "Wenn es Herrn Weber nicht gegeben hätte, gäbe es Arminia nicht mehr." Weber verkauft seinen Anteil an der Spielbetriebsgesellschaft KGaA - Aktien im Nominalwert von einer Million Euro - an den Verein Arminia Bielefeld e. V. Ob der Haller Modeunternehmer einen Teil der Summe vielleicht spendet, ist noch offen. Starkes Signal für Neustart Weber wollte sich im Gespräch mit dieser Zeitung nicht zu seinen Plänen äußern. Zudem darf er sich darauf freuen, dass seine Einlage von rund 2,5 Millionen bei der Stadiongesellschaft ALM KG - Weber hatte neben einem zweiten Bielefelder Topunternehmen Darlehensforderungen in Stadionanteile gewandelt - nicht verloren geht, "da die ALM KG nicht aufgelöst wird", sagte Laufer. "Sie bekommen ihr Geld zurück." Während draußen noch der Schneeregen tobte, dankte Präsident Hans-Jürgen Laufer vor allem den Sponsoren. Es gebe "aber keinen Grund, jetzt die Sektkorken knallen zu lassen". Rejeks Schlusswort war von Demut geprägt: "Wir sind dankbar für das Vertrauen und wollen es zurückzahlen. Dies ist ein sehr starkes Signal und ein Neustart für uns, den wir mit großer Energie betreiben müssen."

realisiert durch evolver group