Torfrau Carina Schlüter versperrt der Kutenhausenerin Vanessa Wiehe den Weg zum Tor. - © FOTO: REIMAR OTT
Torfrau Carina Schlüter versperrt der Kutenhausenerin Vanessa Wiehe den Weg zum Tor. | © FOTO: REIMAR OTT

Ein Riesentalent im Arminen-Tor

FRAUENFUSSBALL: Carina Schlüter sieht die U 19 als Durchgangsstation zur A-Nationalmannschaft

VON LINUS BUSCH

Bielefeld. Fast wäre es gar nichts geworden, mit der Fußballkarriere: "Mein Vater hat mich zuerst zum Ballett geschickt", erinnert sich Carina Schlüter. Seit dieser Saison hütet die Sechzehnjährige bei den Arminia-Frauen in der Westfalenliga das Tor – die erste Nationalspielerin des DSC, hat sie doch schon mit 14 für die U 16 des DFB gespielt.

Mit der Ballettkarriere war’s schnell wieder vorbei: "Das hat mir gar nicht gefallen", sagt Carina. Da mit dem älteren Bruder zu Hause immer nur gekickt wurde, durfte sie mit vier Jahren zum Fußball. Angefangen hat Carina in ihrer Heimatstadt Minden beim SV Weser Leteln. Bis 2011 spielte sie dort. Erst als Feldspielerin, relativ schnell ging's dann aber ins Tor – freiwillig: "Das hat mir irgendwie immer am meisten Spaß gemacht", sagt Carina. "Mir gefällt vor allem der Druck, den man hat. Man darf einfach keine Fehler machen. Und wenn ich doch einen Fehler mache, spornt mich das an, weiter zu trainieren."

2011 wechselte Carina nach Bielefeld zur Arminia: "Hier habe ich die Chance, in einer höheren Klasse zu spielen." In ihrem Heimatverein hat Carina noch lange bei den Jungs mitgespielt – dank einer Sondergenehmigung sogar ein Jahr länger als eigentlich erlaubt.

Über die Kreis- und die Westfalenauswahl wurde die junge Frau schließlich vom DFB entdeckt. Im August 2011 durfte sie für die U-16-Nationalmannschaft im Testspiel gegen Österreich ran. "Das war eine ganz tolle Erfahrung", erinnert sich Carina, "im Nationaltrikot zu spielen, mit Einlaufkindern an der Hand auf den Platz zu gehen und vor dem Spiel die Hymne zu hören." Mittlerweile gehört sie altersmäßig in die U-19-Nationalmannschaft, die von Ex-Nationalspielerin Maren Meinert trainiert wird. Immer zwei Jahrgänge bilden eine Altersgruppe. Mit 16 ist Carina im jüngeren Jahrgang: "Da ist es natürlich nicht einfach sich durchzusetzen. Ich weiß aber schon, dass ich in nächster Zeit bei einigen Lehrgängen mitmachen darf", erzählt sie. Sich da ganz besonders reinzuhängen, lohnt sich auf jeden Fall: Immerhin steht im nächsten Jahr die U-19-WM an. Langfristig gibt es für Carina aber nur ein Ziel: "Ich will in die A-Nationalmannschaft."

Doch alles auf die Karte Fußball setzen? Das geht im Frauenfußball einfach nicht. "Die Nationalspielerinnen können sich vielleicht während ihrer aktiven Zeit nur mit Fußball über Wasser halten", sagt Carina. "Aber es kann eine Verletzung kommen – und dann ist alles vorbei."

Um Schule und Fußball besser vereinbaren zu können, besucht Carina ab dem kommenden Schuljahr ein Fußballinternat in Kamen. In der Woche geht sie dann dort zum Städtischen Gymnasium und trainiert am Nachmittag in der Sportschule Kaiserau. Angst, dass das zu viel Fußball sein könnte, hat sie nicht: "Ich sehe auch jetzt schon zu, dass ich jeden Tag irgendwie am Ball bin." Am Wochenende geht’s dann jeweils zurück nach Bielefeld zu den Spielen des DSC.

Dass Carina ein sehr guter Rückhalt für ihr Team ist, hat sie im Auftaktspiel am vergangenen Wochenende bewiesen. In der spannenden Schlussphase sicherte sie der Arminia mit mehreren tollen Paraden den 2:1-Sieg gegen den SV Kutenhausen-Todtenhausen. Und obwohl sie im Team zu den Jüngeren zählt, gibt sie ihren Mitspielerinnen während des Spiels Kommandos: "Von hinten habe ich einfach die beste Sicht."

Vorbilder? Hat Carina eigentlich nicht: "Czech, Casillas und Neuer, die sind schon ganz gut. Aber wenn man Vorbilder hat, macht man die nur nach. Dann hat man keine Chance, besser zu werden."

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