Ralf Bruelheide bei seinem Comeback am vergangenen Samstag gegen Brake. - © FOTO: JÜRGEN KRÜGER
Ralf Bruelheide bei seinem Comeback am vergangenen Samstag gegen Brake. | © FOTO: JÜRGEN KRÜGER

Auch mit 44 Jahren noch eine Attraktion

HANDBALL-UMSCHAU: Der Ur-Jöllenbecker Ralf Bruelheide hilft Landesliga-Schlusslicht HSG Löhne/Obernbeck im Abstiegskampf

VON MATTHIAS FOEDE

Bielefeld. Nach dem ersten Training in der vergangenen Woche hatte Ralf Bruelheide mal wieder so richtig Muskelkater. "Ich war diese Art von Bewegung überhaupt nicht mehr gewohnt", gesteht der 44-Jährige. Bruelheide, die Jöllenbecker Handball-Ikone, hatte sich fast genau auf den Tag vor einem Jahr vom aktiven Sport zurückgezogen und das runde Leder tief im Keller vergraben. Jetzt ist "Tüdden", wie Ralf Bruelheide von aller Welt genannt wird, zurück auf dem Parkett. Er hilft Landesligist HSG Löhne/Obernbeck im Abstiegskampf.

In den zurückliegenden zwölf Monaten hielt er sich mit Waldläufen und Krafttraining fit. "Doch wenn ich ehrlich bin, der Wettkampf Mann gegen Mann ist viel attraktiver als der Wettkampf gegen Gewichte oder die Uhr", sagt Bruelheide. Da kam ihm der Anruf von Eckhard Jungmann, der in Löhne als sportlicher Leiter fungiert, kurz vor Weihnachten gerade recht. Mit Jungmann ist Bruelheide seit Jahren verbandelt, weil der Löhner "Tüddens" Orthopäde ist. Außerdem trat die HSG schon vor zwei Jahren an den Jöllenbecker heran, um ihn als Spielertrainer zu verpflichten.

Information

Tüdden

Name: Ralf Bruelheide

Spitzname: "Tüdden"

Geburtstag: 6.10.1967

Größe: 1,90 Meter

Position: Rückraum

Stationen: TuS Jöllenbeck, TBV Lemgo, TuS Nettelstedt, SC Bielefeld, HC 93 Bad Salzuflen, Augustdorf/Hövelhof, TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck.

Sportliche Erfolge: Oberliga-Torschützenkönig in der Saison 2006/07 (246/72 Tore) und zweimal Zweiter in den Spielzeiten 2007/08 (186/67 Tore) und 2008/09 (220/73 Tore); weitere Trefferquoten: 124/39 Tore Saison 2009/10 (Oberliga) und 179/47 Tore (Verbandsliga 2005/06); Aufstieg mit dem TuS 97 in die Oberliga (2006), Aufstieg mit dem TuS Nettelstedt in die 1. Bundesliga (1994) und Aufstieg mit der HSG Augustdorf/Hövelhof in die 2. Bundesliga (2002).

Nachdem sich Bruelheide bei der Familie rückversichert hatte, sagte er in Löhne zu, wo er aus seiner aktiven Zeit aus der aktuellen Mannschaft noch Torwart Michel Michalik kennt. Alle anderen Spieler hingegen seien noch viel zu jung. Trotz seiner Erfahrung (siehe Kasten) war Bruelheide vor seinem Comeback in der Landesliga gegen den TuS Brake (32:32) nervös. "Ich habe mich gefühlt wie vor meinem ersten Handballspiel vor 40 Jahren", erzählt er. Es sei schon ungewohnt gewesen, mal wieder vor Zuschauern Sport zu treiben. Das letzte offizielle Spiel hatte Bruelheide am 20. Dezember 2010 für den Oberligisten TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck absolviert. Dennoch avancierte der Rückraumspieler sofort zu der erhofften Verstärkung, indem er neun Treffer (davon drei Siebenmeter) zum Unentschieden beisteuerte.

Im vergangenen Jahr hatte sich der Routinier rar gemacht in den heimischen Hallen. Nur punktuell tauchte er mal bei einem Handballspiel in Jöllenbeck, Hildesheim oder Lübbecke auf. Ansonsten genoss er die freien Wochenenden mit seiner Frau und den beiden Jungs. "Diesen Luxus, Samstag und Sonntag keine Termine zu haben, lernt man schon schätzen", sagt Bruelheide. Deshalb sind seine in der Vergangenheit gehegten Ambitionen auf einen Trainerjob auch erst mal auf Eis gelegt.

Sein Engagement in Löhne geht zunächst einmal bis zum 12. Mai ("Über die Zeit danach haben wir noch nicht nachgedacht"). Bis dahin konzentrieren sich "Tüdden" und die HSG voll und ganz auf die "Mission Klassenerhalt". Dass dieses Unterfangen keineswegs ein Spaziergang wird, erfuhr Bruelheide gleich bei seinem ersten Auftritt. "Brake hat einen schönen und schnellen Ball gespielt", analysiert er: "Das ist für mich mit 44 genauso anstrengend gewesen wie damals mit 30 in der Regionalliga oder vorher mit 20 in der Bundesliga."

Für das Tabellen-Schlusslicht HSG Löhne/Obernbeck ist "Tüdden" auf jeden Fall ein Gewinn. "Mit ihm haben wir uns nicht nur sportlich verstärkt, sondern wir bieten unseren Fans auch eine gewisse Attraktivität", sagt der Mannschaftsverantwortliche Andreas Sander. Bruelheides Coach Walter Schubert (TuS 97) charakterisierte seienen ehemaligen Schützling einst so: "Ralf hat keine Starallüren. Er hat sich immer ins Mannschaftsgefüge eingepasst. Und er ist keiner, der quer treibt." Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Klassenerhalt.

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