Das Eis ist seine Welt

EISHOCKEY: Ex-Brackweder Aaron Reckers träumt von einem Angebot aus der DEL

VON JOHNNY DÄHNE
Aaron Reckers (l.) ließ es sich nicht nehmen, bei einem Kurzbesuch in Bielefeld bei seinem früheren Trainer Viktor Trippel auf der Oetker-Eisbahn vorbeizuschauen. - © FOTO: DÄHNE
Aaron Reckers (l.) ließ es sich nicht nehmen, bei einem Kurzbesuch in Bielefeld bei seinem früheren Trainer Viktor Trippel auf der Oetker-Eisbahn vorbeizuschauen. | © FOTO: DÄHNE

Bielefeld. Wenn man ihn ließe, würde er immer weiter reden - ohne Punkt und Komma, minutenlang. Die Worte sprudeln förmlich aus Aaron Reckers heraus, wenn es um die große Leidenschaft des Bielefelders geht: das Eishockey-Spielen, das er als kleiner Knirps bei der SV Brackwede erlernte.

In den Eishockeystadien von Passau und Dresden geht der 22-Jährige derzeit seinem zum Beruf gewordenen Hobby nach. Die im Eishockey übliche "Förderlizenz, die nur für Spieler unter 25 Jahren gilt, macht’s möglich, dass er für zwei Vereine gleichzeitig aufläuft. "Mein Stammverein sind die Black Hawks Passau. Wenn sich die Spiele nicht überschneiden, fahre ich nach Dresden", erläutert Aaron Reckers diese Maßnahme, die es ihm ermöglicht, viel Eiszeit zu bekommen und so seine Leistung zu steigern.

Von seinem Wohnort Passau (Oberliga/dritthöchste Spielklasse) bis zum Zweitligisten Dresdner Eislöwen fährt der Verteidiger schlappe 400 Kilometer Ist das nicht ein bisschen viel? "Das sind doch nur fünf Stunden Fahrt. Die fahre ich für die 2. Liga gerne", sagt Reckers, der für die Eislöwen bisher zwei Mal im Einsatz war. Gerade seine erste Partie in der Dresdner Energieverbund-Arena wird er nie vergessen. Vor 3.700 Zuschauern siegte sein Team gegen die Hannover Indians 4:2 - und Reckers, dem Neuling, gelang die Vorlage zum entscheidenden vierten Treffer. "Das war schon eine tolle Erfahrung", sagt Reckers mit leuchtenden Augen.

Den ersten Kontakt mit dem gefrorenen Untergrund hatte der Bielefelder mit zarten sechs Jahren. "Meine Mutter hatte im Winter Eishockeyschuhe im Supermarkt gekauft. Dann sind wir auf den Meierteich - und es machte mir gleich großen Spaß", erinnert sich Reckers lebhaft an seine ersten Schritte auf dem Gewässer an der Jöllenbecker Straße. Als er gefragt wurde, ob er gerne mal die Laufschule der SV Brackwede auf der Oetker-Eisbahn testen würde, musste er nicht lange überlegen. "Natürlich will ich", sagte Aaron Reckers damals und traf so auf seinen großen Förderer Viktor Trippel. Zu dem Jugendtrainer von damals, der heute die Damen der SVB betreut, hat der Ex-Brackweder ein enges Verhältnis. "Ich verfolge natürlich seinen Weg und bin schon ein wenig stolz auf ihn", sagt Trippel, der demnächst unbedingt mal ein Zweitligaspiel seines Schützlings besuchen möchte. "Das Talent", so Trippel, "war bei ihm damals schon zu sehen."

Eben jene Begabung sowie sein Ehrgeiz führten Aaron Reckers über die Jugendstationen Kassel und Iserlohn zunächst nach Halle an der Saale, ehe er eine Saison für die Rostock Piranhas spielte. Ein Leben als Eishockey-Vagabund, das auch abseits des Sports seine Vorteile hatte. "In Sachen Haushaltsführung macht mir keiner was vor. Wenn meine Freunde jetzt ausziehen und von ihren WG-Erfahrungen erzählen, kann ich nur müde lächeln", sagt Reckers mit einem Augenzwinkern. Nun sind also Passau und Dresden seine Stationen, bei denen er sich für seinen ganz großen Traum empfehlen will: "Klar möchte ich gerne in der DEL spielen", so Reckers, der sich in den nächsten zwei Jahren voll auf den Eishockeysport konzentrieren will. Das gilt auch für die Sommermonate, in denen er zuletzt jobbte. "Ich war auf dem Bau unterwegs oder habe in einer Bar gekellnert. Damit ist aber Schluss, weil mir mein jetziger Vertrag eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit gibt", sagt Aaron Reckers, der in der spielfreien Zeit Athletik-Training absolvieren wird.

Die Schattenseite der Professionalisierung bringt es mit sich, dass er seine Eltern dieses Jahr an Weihnachten nur kurz sehen wird, da für ihn am 23. Dezember ein Spiel ansteht und bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag wieder trainiert wird. "Ich werde die Fahrt auf mich nehmen, auch wenn ich nur ein paar Stunden bleiben kann. Ich freue mich auf meine Eltern und meine drei kleinen Geschwister", sagt der ansonsten beinharte Abwehrspieler. Mehr gemeinsame Zeit bleibt der Familie, die durch den einstigen Besuch des Meierteichs nicht ganz unschuldig an der Terminnot ihres Ältesten ist, nicht.

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