Auf diesem Bild von 1962 ist die Frauenmannschaft des VfB 03 Bielefeld mit Trainer Hartmut Neumeyer (r.) zu sehen. Links steht Gisela Kott, die das Team managte. Der Coach sucht nach fast 50 Jahren jetzt Namen und Kontakte der Spielerinnen. - © FOTO: NW
Auf diesem Bild von 1962 ist die Frauenmannschaft des VfB 03 Bielefeld mit Trainer Hartmut Neumeyer (r.) zu sehen. Links steht Gisela Kott, die das Team managte. Der Coach sucht nach fast 50 Jahren jetzt Namen und Kontakte der Spielerinnen. | © FOTO: NW

Trainer sucht seine Schützlinge

Die Damen des VfB 03 waren eins der erfolgreichsten Bielefelder Handballteams

VON GREGOR WINKLER

Bielefeld. Briefe, oder in der heutiger Zeit eher E-Mails, erreichen unsere Redaktion täglich. Häufig enthalten sie Hinweise auf Sportereignisse oder Einladungen zu Pressekonferenzen - die sind wichtig. Beschwerden werden ebenfalls ernst genommen und ausgiebig geprüft. Leider entpuppen diese sich häufig als aus einem ganz großen Glashaus geworfene Steine, die dann lediglich zur Erheiterung führen - gutes Betriebsklima ist aber auch wichtig. Und ganz selten erreicht uns Post, die einfach nur neugierig macht.

So einen Brief schrieb uns kürzlich Hartmut Neumeyer. Um den journalistischen Instinkt zusätzlich anzustacheln, legte er ein Foto bei, welches auf den ersten Blick erkennen lässt, dass wir einer Story auf der Spur sind, die langsam vom Mantel der Geschichte umhüllt wird.

Rückblende: Im Jahr 1961, also vor rund 50 Jahren übernahm ein junger Trainer die Frauenhandballmannschaft des VfB 03 Bielefeld. Sein Name: natürlich Hartmut Neumeyer. Der damals 19-Jährige war der jüngste Coach im ganzen Handballverband. Doch er und sein Team wurden zu einer der erfolgreichsten Bielefelder Frauenmannschaften aller Zeiten. Zweimal holten sie die Westdeutsche Vizemeisterschaft. In den sechziger Jahren, vor Einführung der Bundesliga, war der Regionale Titel der zweithöchste, den es zu erreichen gab. Es gab Serien auf dem Groß- und dem Kleinfeld. "Ein Team war im Westen immer besser als wir. Aber es war ein riesen Erfolg, zum Endspiel nach Hagen zu reisen", erinnert sich Neumeyer. Auch der Ehrenvorsitzende des Handballkreises Bielefeld/Herford, Gunther Wollmann, weiß noch: "Die waren top. Ihre Heimspiele haben sie auf der Radrennbahn ausgetragen."

Nach nur drei erfolgreichen Jahren endete die Zusammenarbeit jedoch. Neumeyer ging als Trainer nach Bünde. Zwei seiner Spielerinnen folgten ihm. Als es den Coach dann aber beruflich und privat nach Celle verschlug, rissen alle Kontakte ab. "Nach all den Jahren fiel mir beim Aufräumen das alte Bild in die Hände und ich habe mich gefragt, was meine Spielerinnen von damals wohl jetzt machen." Namen hat Neumeyer nach fast einen halben Jahrhundert kaum noch parat. "Gisela Kott war so etwas wie eine Managerin", erzählt er. "Sie hat Spielerinnen geholt, die nicht nur aus Bielefeld kamen, sondern auch zum Beispiel aus Rheda." Eine Nationalspielerin, mehrere Westdeutsche Auswahlspielerinnen und sogar zwei Akteurinnen die nebenbei noch in der höchsten Basketball-Liga spielten hatte Neumeyer im Team. Über zwei seiner Frauen weiß er: "Die eine war als Haushälterin beim damaligen Landrat beschäftigt. Eine andere hat mit mir zusammen bei den Anker-Werken gelernt."

Neumeyer möchte versuchen, sein Team noch einmal zusammen zu bekommen. Die Handball-Redaktion ist ihm behilflich, denn erfolgreiche Vorbilder beleuchten wir immer gerne. Vielleicht lassen sich auch die aktuellen Damen-Teams durch diese Geschichte motivieren. Der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck hat immerhin den Aufstieg in die Verbandsliga vor Augen. Und die TuRa 06 Bielefeld kann für den Abstiegskampf aus der Landesliga sicher ein paar Idole gebrauchen. Wer also Hinweise auf den Verbleib einer der erfolgreichsten Bielefelder Frauenmannschaften hat, darf sich gerne an die Redaktion wenden - egal ob per Brief oder per Mail.

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