Bielefeld Petros holt EM-Bronze im Crosslauf

Der Bielefelder Top-Läufer gewinnt in Hyères im Wettbewerb der U23 die allererste deutsche Einzelmedaille bei den Männern

Claus-Werner Kreft

Bielefeld. Amanal Petros sorgte gestern bei der Crosslauf-EM in Südfrankreich mit dem Gewinn einer Bronzemedaille für eine "große Überraschung". So wertet das Internetportal des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) seinen dritten Platz in der U23; auch das Wort Sensation wäre nicht fehl am Platze. Denn im Unterschied zu weiblichen Erfolgen hat ein deutscher Läufer noch nie eine Einzelmedaille gewonnen, seit diese Titelkämpfe ausgetragen werden. Der 20-Jährige vom TSVE 1890 holte auch die erste Einzelmedaille, die je ein Mitglied eines Bielefelder Leichtathletikvereins auf internationaler Bühne erwarb - Seniorenmeisterschaften hier natürlich ausgeklammert. Staffelsilber hatte sich Sprinter Ingo Todt (LG/PSV) bei der Junioren-WM 1986 gesichert. In Hyères waren die deutschen U23-Hoffnungen eher auf die Teamwertung ausgerichtet; doch konnten Dominik Notz (13.), Marc Steinsberger (30.) und Hendrik Pfeiffer (35.) weit weniger beitragen als Petros: Hinter Spanien, Großbritannien, Frankreich und Italien belegte das DLV-Quartett am Ende nur den fünften Platz. Amanal Petros aber gelang ein perfektes Rennen. Läuferisch, mental und taktisch war er voll auf der Höhe, löste sich zum optimalen Zeitpunkt aus einer Gruppe und hatte am Ende, als es noch mal ganz eng wurde, das Glück des Tüchtigen: Zeitgleich in 23:39 Minuten verdrängte er den mitfavorisierten Briten Marc Scott (5.000-m-Bestzeit 13:36,81 Min.) auf Rang vier. Dessen Landsmann Jonathan Davies (23:32) als Sieger und der Spanier Carlos Mayo (23:35) waren nicht weit voraus. "Amanal hat alles richtig gemacht", lobte auch der zuständige Bundestrainer Jens Boyde. Emotional stark berührt war Heimcoach Thomas Heidbreder, als ihn daheim die Kunde von der unerwarteten Medaille erreichte. "Dieser Erfolg bestätigt, dass wir mit unserem Trainingskonzept ein gutes Maß gefunden haben", freute er sich. "Ich wusste um seine Form. Dass er die aber im bislang wichtigsten Wettkampf umsetzen konnte, ist großartig." Als sich der Bronze-Gewinner telefonisch aus Hyères meldete, war auch ihm die Freude deutlich anzumerken: "Die gerade beendete Siegerehrung hat mich beeindruckt, sie war ja eine neue Erfahrung für mich und motiviert für die Zukunft." In der Juniorenklasse U23 warten bis einschließlich 2017 noch reizvolle internationale Ziele auf ihn. Bei dieser EM waren viele Konkurrenten, unter ihnen auch alle drei deutschen Teamkollegen, zwei Jahre älter als er. Vor dem Start, berichtet Petros, habe er zur Lockerheit gefunden: "Es bringt ja nichts, wenn man zu nervös ist. Als dann die Briten und Spanier für das Tempo sorgten, konnte ich mitgehen und zwischen den Plätzen sieben und zehn Kontakt zur Spitze halten. In der Schlussphase habe ich zulegen können und meine Chance genutzt, noch weiter nach vorn laufen."

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