Immer da, wenn sie gebraucht wird: Obwohl sie die Trainingsleitung an das Ehepaar Volikov abgegeben hat, steht Heidi Berger der Trampolinabteilung der SV Brackwede nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite. Sie kümmert sich vor allem um die Finanzierung des Bundesligateams. - © Andreas Zobe
Immer da, wenn sie gebraucht wird: Obwohl sie die Trainingsleitung an das Ehepaar Volikov abgegeben hat, steht Heidi Berger der Trampolinabteilung der SV Brackwede nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite. Sie kümmert sich vor allem um die Finanzierung des Bundesligateams. | © Andreas Zobe

Bielefeld Ohne Trampolin fehlt ihr etwas

Sportler im Ehrenamt Heidi Berger ist ihrem Sport seit mehr als 50 Jahren verbunden

Hans-Joachim Kaspers

Bielefeld. Seit kurzem steht in der Wohnung von Heidi Berger ein Minitrampolin. Ihre älteste Tochter Gaby hat es ihr geschenkt, "damit ich immer, wenn ich will, etwas für meine Gesundheit tun kann". Somit ist das Sportgerät, das das Leben der 67-Jährigen seit mehr als 50 Jahren maßgeblich bestimmt hat, nun bei ihr zu Hause angekommen. Gemeinsam mit ihrem im vorigen Jahr viel zu früh verstorbenen Mann Roland gilt Heidi Berger in Bielefeld quasi als Synonym für das Trampolinspringen. "Diesen Sport gibt es bei der SV Brackwede seit 1963 - und so lange bin ich dabei", berichtet die frühere Kunstturnerin, die es in dieser Sportart auf mehrere Gaumeister-Titel brachte. "Eigentlich hat mir die Vielseitigkeit des Turnens immer großen Spaß gemacht, aber der Dynamik, mit der sich das Trampolinturnen bei uns entwickelte, konnte ich mich nicht entziehen", erzählt Berger. Auch als die Familie wuchs, tat das dem Tatendrang der Bielefelder Trampolinpioniere keinen Abbruch. "Gaby, Heiko und Tine kamen immer mit in die Sporthalle und sind auf den Geräten groß geworden", erinnert sich die stolze Mama (und mittlerweile vierfache Oma), deren Sprösslinge natürlich Trampolinturner wurden und später auch international erfolgreich waren. Heiko Berger brachte es 1992 mit der deutschen Nationalmannschaft sogar zu einem Weltmeistertitel, seine Schwestern glänzten beide als Jugend-Europameisterinnen. Auch andere deutsche Spitzenturner wie Vera Nohse und Nancy Gehring oder die aktuelle Nummer eins der SVB, Jochen Redekop, sind durch die Hände der Bergers gegangen. Roland war dabei der entschlossen voran schreitende Frontmann, während Heidi eher im Stillen wirkte, nichtsdestoweniger aber kräftig mit die Fäden zog. "Mein Mann war zwar 13 Jahre lang Bundestrainer, aber diesen Job konnte er nicht allein bewältigen", sagt die gelernte Bankkauffrau, die sich zur Diplom-Sportlehrerin ausbilden ließ und lange am Sennestädter Hans-Ehrenberg-Gymnasium unterrichtete: Als Roland Bergers "rechte Hand" hatte sie großen Einfluss auf die Weiterentwicklung des Trampolinsports. So war es fast selbstverständlich, dass viele- versprechende Talente, die in ihren Heimatvereinen nicht genügend gefördert werden konnten, im Haus der Bergers jahrelang Kost und Logis bekamen. Irmi Erl etwa machte in Bielefeld das Abitur und trainierte gleichzeitig im Bundesleistungsstützpunkt. "Wir mussten das praktisch so machen, um eine schlagkräftige Mannschaft zusammen zu bekommen", erläutert Heidi Berger, die zu vielen ihrer früheren Schutzbefohlenen noch allerbeste Beziehungen unterhält. Heute hat Heidi Berger ihren Trainerjob weitgehend an Vladimir Volikov und Oksana Verbytska abgegeben - schon wieder ein Ehepaar, das sich rührig um die Fortführung der großen SVB-Trampolintradition bemüht. Um die 25 Leistungsturner und die 150 nicht ganz so ambitionierten "Trampoliner" in den allgemeinen Gruppen ab vier Jahren optimal betreuen zu können, ist aber immer wieder Heidi Bergers Anwesenheit für die Organisation und bei der Hilfestellung erforderlich. "Ich komme immer gerne", sagt sie - in den Monaten nach dem Tod ihres Mannes habe ihr die Arbeit mit den Kindern und der Wettkampfmannschaft sehr geholfen, um über diesen großen Verlust hinweg zu kommen. Einfach ist es allerdings nicht, weiter Trampolin auf höchstem nationalen Niveau - die SVB holte vor kurzem erneut Bronze bei der Mannschafts-DM - anzubieten. "Geld ist immer knapp", sagt Berger. Die Abteilung kommt vor allem dank des großzügigen Sponsorings der Sparkasse Bielefeld, der Stadtwerke und eines weiteren Geldgebers gut über die Runden, muss aber alle zwei Jahre neu verhandeln. Diese Aufgabe obliegt nun Heidi Berger, die deshalb überall, wo es nur geht, die Werbetrommel für ihren Sport rührt. "Wir wollen uns gerne häufiger in der Öffentlichkeit präsentieren", sagt sie. Der publikumswirksame Teuto-Cup fiel zuletzt aber wegen zu hoher Mietkosten für die vom Verband geforderten besonders gesicherten Großgeräte und Niedersprungmatten sowie wegen eines zu hohen Personalaufwands aus. Doch seit Heidi Berger gehört hat, dass der DTB die Geräte bei einem Bundesfinale kostenlos zur Verfügung stellt, ist sie fest entschlossen, diese Veranstaltung wieder einmal nach Brackwede zu holen - vielleicht schon 2016. Auch mit 67 Jahren lässt das Trampolin sie also nicht los. Obwohl sie ein bisschen verlegen zugibt, "dass ich mein kleines Gerät zu Hause nicht so oft nutze, wie ich es sollte". Doch das kann sich ja noch ändern.Heidi Berger Alter: 67 Jahre. Familienstand: verwitwet, drei Kinder und vier Enkel. Beruf: gelernte Bankkaufrau, dann Diplom-Sportlehrerin. Verein: früher TV Einigkeit, seit über 50 Jahren bei der SV Brackwede. Ehrenämter: Leiterin des Landesstützpunkts Trampolin, Landestrainerin. Ehrungen: viermal „Trainerin das Jahres“ des Westfälischen Turnerbunds. Motto: Trampolinspringen ist so toll, dass jeder es einmal versuchen sollte.

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