Spielerinnen, Trainer und Betreuer der TSVE Crocodiles. - © FOTO: NW
Spielerinnen, Trainer und Betreuer der TSVE Crocodiles. | © FOTO: NW

Kein Chance für den Tatort

EISHOCKEY: Zur besten Sendezeit starten die TSVE-Damen am Sonntag in die Serie

VON JOHNNY DÄHNE

Bielefeld. Die Tagesschau und den Tatort von der kuscheligen Couch aus auf dem heimischen Fernseher verfolgen – oder doch bei Wind und Wetter auf der Oetker-Eisbahn die Eishockey-Damen des TSVE Bielefeld anfeuern?

Letzteres wäre definitiv eine Premiere, denn die weiblichen TSVE Crocodiles – so lautet der Kampfname des heimischen NRW-Bezirksligisten – nehmen am Sonntag um 20 Uhr gegen EF Netphen zum ersten Mal an einem geregelten Spielbetrieb teil. "Das wird für uns eine echte Standortbestimmung. Wir wollen in dieser Saison Erfahrung sammeln und dann nächstes Jahr richtig angreifen", sagt Stefan Schwieger. Der Teammanager gerät in der Schiedsrichterkabine der Oetker-Eisbahn – dem einzigen halbwegs ruhigen Rückzugsort zwischen dicht bevölkerter Eisfläche und der taubenschlagähnlich frequentierten Umkleidekabine – regelrecht ins Schwärmen, wenn es um die neue und nach dem Rückzug der SV Brackwede gleichzeitig einzige Damenmannschaft im Bielefelder Kufensport geht. "Eishockey ist die schnellste Mannschaftssportart der Welt. Da gibt es keine großen Pausen, es passiert immer etwas – und zwar im Sekundentakt. Dagegen ist ein Tatort absolut langweilig", erklärt Schwieger der beliebtesten deutschen Krimiserie eine klare Absage.

Eine Abfuhr soll es für seine Damen gegen den Vorjahresmeister EF Netphen bei der sonntäglichen Welturaufführung nicht geben, wobei insbesondere fünf ehemalige Zweitligaspielerinnen der SV Brackwede dafür sorgen sollen, dass die Partie in geregelten Bahnen verläuft. "Die Mannschaft ist in den vergangenen Wochen zusammengewachsen, was nicht zuletzt am Trainingslager in Braunlage gelegen hat. Dort hatten wir drei Tage perfekte Bedingungen, konnten einige Eis- und Trockeneinheiten durchführen", erläutert Schwieger. Nicole Borgmann, Inka Schlüter, Melanie Schwieger (weder verwandt noch verschwägert mit dem Teammanager) sowie Sabine und Christin Conrad heißen die fünf Damen, die von der SVB zum TSVE gekommen sind. "Wir wollen die jungen Mädels unterstützen und ihnen möglichst viel beibringen", sagt Verteidigerin Sabine Conrad. Die 50-Jährige freut sich auf den Saisonstart und das Zusammenspiel mit ihrer 20-jährigen Tochter Christin (Sturm), "mit der ich schon immer strenger bin als mit den anderen. Trotzdem macht es uns beiden total viel Spaß."

Dass dieser Spaß mit den vielen Ausrüstungsgegenständen (500 Euro pro Spielerin) und den weiten Fahrten bis nach Düsseldorf, Köln oder Troisdorf finanziert werden kann – dafür ist unter anderem Dirk Werner zuständig. Während Tochter Jasmin bei zwei Trainingseinheiten pro Woche und Spielen gegen sieben gegnerische Teams alles gibt, legt der Betriebsleiter einer Lackierer- und Karosserietechnikfirma außerhalb der Eisfläche Grundlagen. "Im Trainingslager haben wir den Mädels neue Trikots präsentiert. Das war schon ein toller Moment", sagt Dirk Werner zur 2.500-Euro-Investition. Normalerweise sei es so, dass ausrangierte Trikots über mehrere Jahre von weiteren Teams aus dem Verein getragen werden, erklärt Stefan Schwieger.

Bleibt nur zu hoffen, dass den TSVE-Damen in den brandneuen Jerseys nicht allzu viele Blackouts unterlaufen. Wer am Sonntag zumindest einen Aussetzer erleben möchte, muss daheim bleiben: "Blackout" heißt der Filmtitel des Tatorts.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group