Die Defensivqualitäten von Stopper Schulz haben sich so tief in die Arminen-Seele eingegraben, dass er stets als einer der Besten im DSC-Trikot genannt wird. - © FOTO: ANDREAS ZOBE
Die Defensivqualitäten von Stopper Schulz haben sich so tief in die Arminen-Seele eingegraben, dass er stets als einer der Besten im DSC-Trikot genannt wird. | © FOTO: ANDREAS ZOBE

Ein Stopper namens Schulz

Ex-Armine feiert heute seinen 75. Geburtstag – ganz defensiv im kleinen Kreis

VON HANS-JOACHIM KASPERS

Bielefeld. Der Name Schulz bürgte im deutschen Fußball der 1960er-Jahre für defensive Qualitäten. Nicht nur Willi Schulz, der legendäre "World-Cup-Willi" von 1966, leistete als letzter Mann Außerordentliches. Auch Dieter Schulz, langjähriger Abwehrchef von Arminia Bielefeld, war für sein kompromissloses Einschreiten berühmt. Und die Fähigkeit, gegnerische Angreifer aufzuhalten, prägte den Kicker so sehr, dass ihn kaum jemand Dieter, sondern die meisten nur "Stopper" nannten. Heute wird der Mann, der für die Blauen auch eine Handvoll Bundesligaspiele bestritt, 75 Jahre alt.

Die obligatorische Frage nach seiner Gesundheit beantwortet der Stopper diplomatisch mit dem Satz: "Für mein Alter bin ich ganz zufrieden." Eine Arthrose im Fußgelenk verhindert allerdings den Waldlauf, den das Geburtstagskind bis vor anderthalb Jahren noch täglich absolvierte. "Jetzt kann ich nur noch dem Rasen beim Wachsen zuschauen – mehr geht nicht", sagt Schulz, dessen fußballerische Wiege beim VfB 03 stand. Die Geschichte, dass ihm die Arminen 1959 ein Mofa schenkten, um ihn damit auf die Alm zu locken, klingt zu schön, um wahr zu sein. "So war das aber", grinst Schulz, "das kann sich heute niemand mehr vorstellen."

Als seine schönste Zeit im DSC-Trikot bezeichnet Schulz die Jahre, in denen Trainer Hellmut Meidt das Sagen hatte: "Das war ein feiner Kerl, der auch Wert auf eine gute Kameradschaft legte", sagt der Abwehrstratege. Auch sportlich ging es für die Arminen (und Schulz) unter Meidts Regie aufwärts: Zunächst gelang in der Saison 1962/63 die Qualifikation für die Regionalliga – Meidts Zuruf an seine Frau nach dem 4:1 gegen den Dortmunder SC: "Mutti, jetzt haben wir es geschafft!" ist legendär. Und in der neuen Klasse mischten die Arminen dann kräftig mit, so etwa beim 3:0 gegen Ex-Meister RW Essen vor mehr als 20.000 Zuschauern.

Eine ganze Dekade lang war "Stopper" Schulz nicht aus dem Abwehrzentrum der Arminia wegzudenken. Er räumte weg, was es wegzuräumen gab, und sah ansonsten zu, dass er den Ball schnell wieder los wurde. "Das Spiel von hinten heraus zu machen – das gab es damals noch nicht. Ich durfte höchstens mal die Mittellinie überschreiten, dann musste ich aber schon abspielen", erinnert sich Schulz. Wer nie in der gegnerischen Hälfte auftaucht, kann natürlich auch keine Tore schießen. "Ich kann mich nicht erinnern, einen Treffer für Arminia erzielt zu haben – außer vielleicht bei irgendeinem Freundschaftskick auf dem Land", meint der Stopper. Er war halt ausschließlich fürs Toreverhindern zuständig. Und tat das trotz seiner berühmten "Blutgrätsche" so fair, dass er nur eine Rote Karte gezeigt bekam.

Dieser Karton war aber folgenschwer, denn Schulz kassierte ihn in Arminias erster Bundesliga-Saison 1970/71. "Das zog eine vierwöchige Sperre nach sich, anschließend bin ich nicht mehr so richtig in die Mannschaft reingekommen", erinnert er sich. Was zum großen Teil an Trainer Egon Piechaczek lag, der laut Schulz "zwar kein Schlechter war, aber immer so seine Leute hatte, die er bevorzugte". Der langjährige Abwehrchef war also auf einmal außen vor, angesichts des aufziehenden Gewitters namens Bundesliga-Skandal war das aber gar nicht so schlecht. "Die ganzen Schiebereien und die tollen Geschichten mit den Geldkoffern kenne ich nur vom Hörensagen", berichtet Schulz, dessen Vertrag im Sommer 1971 nicht verlängert wurde. Er blieb den Arminen als Amateurtrainer bis 1974 erhalten, coachte dann noch ein paar Jährchen den TuS Dornberg, SuS Lage und den SV Avenwedde – und das war’s mit dem Fußball.

Anschließend betrieb Schulz eine Zeit lang eine Tankstelle und versuchte sich anschließend in verschiedenen Lokalitäten, unter anderen im "Zum Stopper", als Kneipier. Zuletzt führte er das Gartenlokal "Im Heeper Felde" in der Kleingartenkolonie an der Radrennbahn, das sich zu einem Treffpunkt vieler älterer Arminen entwickelte. Nach Schließung der Gaststätte ("Schulz: "Das lief nicht mehr so richtig!") verlor er weitgehend den Kontakt zu seinen früheren Teamkollegen. "Das war aber meine Schuld, ich wollte einfach mal ein bisschen Ruhe haben", gesteht Schulz, dessen Verhältnis zu seinem Ex-Verein mittlerweile aber wieder intakt ist: "Natürlich halte ich den Arminen die Daumen, dass sie in der 2. Liga bleiben." Seinen Geburtstag wird der Stopper jedoch ganz defensiv im kleinen Kreis feiern: "Da bleibt der Fußball außen vor!"

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