Für verschiedene Stiftungen waren Dr. Robert Münscher, Matthias Steinhauer, Tobias Karow, Ralph van Kerkom, Christph Weber, Marc Krzewinski und Marcus Mies im Forum anwesend. - © FOTO: BARBARA FRANKE
Für verschiedene Stiftungen waren Dr. Robert Münscher, Matthias Steinhauer, Tobias Karow, Ralph van Kerkom, Christph Weber, Marc Krzewinski und Marcus Mies im Forum anwesend. | © FOTO: BARBARA FRANKE

Erstes Stiftungsforum Westfalen in der Bielefelder Ravensberger Spinnerei bietet Erfahrungsaustausch

Niedrigzinsen bedrohen Stiftungen

VON JESSICA KLEINEHELFTEWES

Bielefeld. In Deutschland gibt es mehr als 19.500 Stiftungen – 3.780 davon in NRW –, die meist gemeinnützige Projekte fördern. Doch ihre Arbeit wird gegenwärtig vor allem durch das Niedrigzinsniveau erschwert. Für viele Einrichtungen bedeutet das, ihr Konzept zu überdenken.

"Die Inflation zehrt die Rendite auf", sagt Matthias Steinhauer, geschäftsführender Gesellschafter des Bielefelder Unternehmens Concept-Vermögensmanagement. Ein großes Thema beim ersten Stiftungsforum Westfalen in der Bielefelder Ravensberger Spinnerei, organisiert von Concept-Vermögensmanagement und dem Magazin Die Stiftung, war daher auch der Umgang mit dem Niedrigzinsniveau. Das beeinflusst die Arbeit vieler Stiftungen: "Natürlich leiden darunter auch die Projekte." Die Größe einer Stiftung sei dabei nicht ausschlaggebend.

Information

Zahlen und Fakten

  • Aktuell gibt es hierzulande 19.551 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts.
  • Rund zwei Drittel der Stifter in Deutschland sind Privatpersonen.
  • Alle rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts verfügen zusammen über ein Vermögen von etwa 100 Milliarden Euro.
  • Sie geben jährlich Milliarden Euro für gemeinnützige Zwecke aus, traditionell vor allem für soziale Zwecke.

Deutlich besser gehe es Stiftungen, die nicht ausschließlich von ihren Kapitalerträgen abhängig sind. "Stiftungen, die zusätzlich Fundraising betreiben, haben weniger Probleme", weiß Steinhauer. Das kann Jens Garlichs von den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel bestätigen. "Wir finanzieren unsere Projekte zum größten Teil aus Spenden", sagt er. "Unsere großen Projekte sind daher nicht durch die Lage am Finanzmarkt gefährdet", so Garlichs weiter. Natürlich habe man auch Geld "auf der hohen Kante liegen", auf das sich die niedrigen Zinsen auswirkten, das beeinträchtige die Arbeit jedoch nicht. Auch Stiftungsunternehmen können weitgehend unabhängig von kurzfristigen Zwängen der Kapitalmärkte planen und langfristige Strategien verfolgen.

Wege, die bei der Bewältigung der Krise helfen könnten, gebe es viele, so Vermögensberater Steinhauer. "Möglichkeiten sind zum Beispiel die Investition in Aktien oder in Sachanlagen." Robert Münscher, Leiter der Abteilung Beratung am Centrum für soziale Investitionen und Innovationen der Universität Heidelberg, hatte noch einen weiteren Vorschlag parat. "Die Vergabe von Mikrokrediten kann ebenfalls eine Möglichkeit darstellen, das Kapital gewinnbringend anzulegen."

Interesse an der Veranstaltung zeigten neben zahlreichen Bürgerstiftungen auch die Andreas-Mohn- und die Goldbeck-Stiftung sowie die Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Im Mittelpunkt stand der Austausch zwischen Stiftern, Stiftungsvorständen, Stiftungsgründern und Dienstleistern.

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