RHEDA-WIEDENBRÜCK Familienstreit bei Tönnies lähmt Schlachtkonzern

Machtkampf im Unternehmen belastet Mitarbeiter

Konzernchef Clemens Tönnies, seine Neffen Robert und Clemens sowie Geschäftsführer Josef Tillmann (v. r.) vor dem Modell des neuen Verwaltungsgebäudes. - © FOTO:MARIONPOKORRA-BROCKSCHMID
Konzernchef Clemens Tönnies, seine Neffen Robert und Clemens sowie Geschäftsführer Josef Tillmann (v. r.) vor dem Modell des neuen Verwaltungsgebäudes. | © FOTO:MARIONPOKORRA-BROCKSCHMID
Familienstreit lähmt Schlachtkonzern - © RHEDA
Familienstreit lähmt Schlachtkonzern | © RHEDA

Rheda-Wiedenbrück. Nervosität macht sich im inneren Führungszirkel der Tönnies-Gruppe breit. Einige der "Top 40", wie sich die hartgesottenen Schlachthof-Manager selbst nennen, fürchten, dass Robert Tönnies (35) den Machtkampf mit seinem Onkel Clemens (56) für sich entscheiden könnte.

Die Angst vor einer Teilung des größten Schlachtkonzerns der Republik geht in Rheda und in den Standorten in Weißenfels und Sögel um. Die Spitzenkräfte des Unternehmens mutmaßen, dass Finanzinvestoren hinter Robert Tönnies schon parat stehen, um sich das "leckere Teilchen" zu sichern. Die Verunsicherung werde verstärkt, weil "CT", wie sie ihren Chef Clemens Tönnies nennen, gegenüber seinem aufbegehrenden Neffen eine ungeahnte Rücksicht an den Tag lege.

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Das Urteil des Managements über den Filius des 1994 verstorbenen Unternehmensgründers Bernd Tönnies fällt wenig schmeichelhaft für den studierten Betriebswirt aus. "Vermessen" sei es gewesen, dass er sich in einem Artikel des Internet-Lexikons Wikipedia als "erfolgreicher Sanierer" und "Geschäftsführer" habe feiern lassen. Mittlerweile ist diese Hommage an Robert Tönnies aus den Weiten des Internets wieder verschwunden.

Information

Unternehmerfamilie

  • 1971: Gründung des Unternehmens durch Bernd Tönnies.
  • 1982: Bernd Tönnies’ Bruder Clemens beteiligt sich mit 40 Prozent am Unternehmen.
  • 1990: Tönnies erwirbt einen Schlachthof in Weißenfels.
  • 1992: Start am neuen Firmensitz in Rheda, nachdem das Unternehmen kurzzeitig nach Herzebrock ausgewichen war.
  • 1994: Bernd Tönnies stirbt an den Folgen einer Nierentransplantation. Er hinterlässt zwei Söhne, Robert und Clemens.
  • Bis 2012: Bernd Tönnies’ Bruder Clemens vervielfacht in den Folgejahren den Umsatz des Konzerns.

Es sei eine "Schmierenkomödie", die Robert Tönnies mit seinem in Familienstreitigkeiten erfahrenen Rechtsbeistand Mark Binz aufführe, um Clemens Tönnies aus dem Unternehmen zu drängen, urteilt eine Führungskraft. Seine Manager mögen den unankratzbar wirkenden "ostwestfälischen Dickschädel" Clemens Tönnies (Süddeutsche Zeitung), hat die Tönnies-Gruppe doch unter seiner Führung ihren Umsatz seit 1992 auf rund 4,6 Milliarden Euro (2011) vervielfacht. Dieser Erfolg schafft Loyalität.

Das Unternehmen war in großer Gefahr

Die fehlt Clemens’ Neffen anscheinend. Der 35-Jährige habe immer alles besser gewusst und nicht lernen wollen, wie man den Laden führe. Sein Umgang mit Mitarbeitern habe absolutistische Züge, berichten Konzern-insider. Abmahnungen und Kündigungen habe der Tönnies-Erbe nach Gutdünken als Geschäftsführer unterzeichnet, obwohl er als Gesellschafter diesen Posten nie innegehabt habe. Mitarbeiter, die Robert Tönnies am Morgen gefeuert habe, seien mittags wieder eingestellt worden, weil der "sehr impulsive Mensch" wohl wisse, wie man ein Schwein zerlege, aber nicht, wie ein Milliardenkonzern zu führen sei.

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