Mitarbeiter von Volkswagen do Brasil,einem Filialunternehmen von Volkswagen, fertigen das Modell Sedan (Käfer) in einer Fabrik in Sao Paulo an. - © picture alliance / VW do Brasil
Mitarbeiter von Volkswagen do Brasil,einem Filialunternehmen von Volkswagen, fertigen das Modell Sedan (Käfer) in einer Fabrik in Sao Paulo an. | © picture alliance / VW do Brasil

Hamburg Neue Erkenntnisse zu VW Brasilien: Bielefelder Historiker soll befragt werden

Christopher Kopper erstellte im Auftrag von VW ein wissenschaftliches Gutachten

Hamburg. Die brasilianische Tochterfirma des Volkswagen-Konzerns wird durch einen neuen Untersuchungsbericht schwer belastet. Das berichtet der Norddeutsche Rundfunk und beruft sich dabei auf ein Gutachten, das die Bundesstaatsanwaltschaft São Paulo in Auftrag gegeben hatte. Demnach soll die VW-Tochter in Brasilien die eigenen Mitarbeiter und deren politische Gesinnung in der Zeit der Militärdiktatur 1964 bis 1985 ausgespäht und Ergebnisse dokumentiert haben. Die Informationen sollen bei der Politischen Polizei gelandet sein, die Regimegegner folterte und tötete. Aus Sicht des brasilianischen Bundesstaatsanwaltes Pedro Machado, der die Ermittlungen gegen VW Brasilien leitet, zeige der Bericht "reichliche Belege" für eine systematische Zusammenarbeit von VW mit der brasilianischen Militärdiktatur. In dem zivilrechtlichen Ermittlungsverfahren sei aufgrund der neuen Qualität der Belege nun die Eröffnung eines Gerichtsverfahrens nicht mehr ausgeschlossen. Derzeit setze man aber noch auf einen Vergleich. Bielefelder Historiker untersuchte das Verhalten von VW während der Diktatur VW will sich bislang zu den Vorwürfen inhaltlich nicht äußern, kündigt aber für Dezember eine Veranstaltung in Brasilien an, bei der das Unternehmen auf Betroffene zugehen wolle. Nach Informationen des NDR stehen die Ermittlungen  in Brasilien nun kurz vor dem Abschluss. Die Ermittler hätten 2017 ein internationales Ermittlungsgesuch gestellt, mit dem der Volkswagen-Konzern in Wolfsburg zur Herausgabe von Dokumenten aufgefordert worden sei. Zudem wollen die brasilianischen Ermittler unter anderem den von VW beauftragten Bielefelder Historiker Christopher Kopper befragen. Kopper untersuchte das Verhalten des Unternehmens während der Diktatur in Brasilien. Er forschte für sein  Gutachten in Brasilien und Wolfsburg. Für den Historiker war diese Arbeit "die größte Herausforderung, der ich je begegnet bin". Kopper selbst teilte nw.de mit, er könne sich nicht vorstellen, dass er noch einmal befragt werde. Sein Bericht für VW werde in einigen Wochen veröffentlicht.

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