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Rentenpaket | © picture alliance / dpa (Symbolfoto)

Bielefeld Fragen und Antworten zum Finanz-Check für den Ruhestand

Bielefeld. Nähert man sich dem Ruhestand, ist es ratsam, sich mit seinen Finanzen zu beschäftigen: Mit welcher Rente ist zu rechnen? Was bringen betriebliche Altersversorgung und private Anlagen? Muss man eventuell noch etwas tun, um den angestrebten Lebensstandard verwirklichen zu können? Aber wie macht man das in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen? Unsere Experten haben während einer Telefonaktion Fragen der NW-Leser beantwortet: Michael Graff, unabhängiger Vermögensverwalter, Tanja Mahel von der Deutschen Rentenversicherung Bund sowie Peter Klipp von der Stiftung Warentest/Finanztest. Frage: Ich habe gehört, dass man sich die Abschläge, die bei einem vorzeitigen Rentenbeginn erhoben werden, zurückkaufen kann. Wie teuer wäre das denn? Antwort: Das ist abhängig vom Durchschnittsverdienst des jeweiligen Jahres – 2016 rund 36.300 Euro – dem Beitragssatz zur Rentenversicherung – derzeit 18,7 Prozent – und dem Prozentsatz Ihrer Rentenminderung. Nach einer festgelegten Formel wird daraus errechnet, was Sie zahlen müssten. Zwei Beispiele für 2016: Bei einer Bruttomonatsrente von 750 Euro und einem Jahr vorzeitigem Rentenbeginn – das bedeutet Abschlag von 3,6 Prozent oder 27 Euro – müssten etwa 6.500 Euro gezahlt werden. Bei 1.250 Euro monatlich und drei Jahren früher in Rente – das sind 10,8 Prozent oder 135 Euro Minderung – wären es etwa 35.100 Euro. Ob sich das für Sie lohnt, können Sie nur aus Ihrer ganz persönlichen Situation heraus entscheiden. Laut Überschlagsrechnungen hat sich das Ganze nach 20 Jahren amortisiert. Vielleicht lassen Sie sich dazu von Ihrem Rentenversicherer beraten. Frage: Wer kann eigentlich noch mit 63 abschlagsfrei in Altersrente gehen? Antwort: Das gilt nur für so genannte besonders langjährig Versicherte. Diese müssen 45 Jahre Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Und es gilt nur für Jahrgänge bis 1952. Danach geht es schrittweise auf die Rente mit 67 zu – das heißt, könnte Jahrgang 1953 die 45 Pflichtjahre vorweisen, müsste er bereits einen Monat länger warten und könnte erst mit 63 Jahren und einem Monat in die abschlagsfreie Rente gehen. Frage: Ich habe als Handwerker jahrelang freiwillig eingezahlt. Kommt für mich die abschlagsfreie Altersrente mit 63 infrage? Antwort: Voraussetzung wären 45 Pflichtversicherungsjahre. Zeiten der freiwilligen Versicherungen, ebenso wie solche der Wehr- oder Zivildienstpflicht, zählen normalerweise nicht mit. Für Handwerker lässt das Gesetz allerdings eine Ausnahme zu: Freiwillige Beitragszeiten werden berücksichtiget, wenn mindestens 18 Pflichtbeitragsjahre vorzuweisen sind. Diese Zeit ist bei vielen Handwerksberufen vorgeschrieben. Ist das bei Ihnen der Fall, gelten Ihre freiwilligen Jahre für die Rentenberechnung. Frage: Ich habe eine größere Summe zur Verfügung. Wie kann ich die am besten anlegen? Antwort: Das Problem derzeit ist, dass es auf Sparanlagen oder Termingelder kaum noch Zinsen gibt. Ich empfehle Ihnen festverzinsliche Wertpapiere. Lassen Sie sich beraten und gehen Sie nur in wirklich gute Anleihen, die Sie auch noch breit streuen sollten. Wenn Sie etwa zwei Prozent Rendite erreichen wollen, müssen Sie etwa 50 Prozent Aktien dazu nehmen. Dann müssen Sie allerdings auch die Kursschwankungen aushalten. Frage: Ich bin Ende vierzig, wohne im eigenen Haus und bekomme voraussichtlich eine gesetzliche Rente von 1.200 Euro. Wird das ausreichen? Antwort: Das hängt von Ihren individuellen Bedürfnissen und Vorstellungen ab. Über den Daumen gepeilt, wären 1.000 Euro mehr schon günstig. Um anzusparen, wäre eine Mischung aus Renten- und Aktienfonds zu empfehlen. Achten Sie auf die Kosten, fünf Prozent sind auf alle Fälle zu viel. Frage: Eignet sich die eigene Immobilie als Altersvorsorge? Antwort: Grundsätzlich ist das eine gute Idee, wenn das Objekt bis zur Altersrente abgezahlt ist. Dann wohnen Sie mietfrei in den eigenen vier Wänden und haben darüber hinaus Ihre Familie abgesichert. Eine Immobilie stellt außerdem immer einen Wert dar. Frage: Ich habe meine Lebensversicherung mit einem Garantiezins von über vier Prozent abgeschlossen. Jetzt liegt er aber nur noch bei 1,25 Prozent. Wirkt sich das auch auf meinen Vertrag aus? Antwort: Zunächst einmal gilt der Garantiezins, der bei Vertragsabschluss vereinbart wurde . Der neue Wert von 1,25 Prozent gilt lediglich für Neuverträge. Wissen sollten Sie, dass sich der Garantiezins auf den so genannten Sparanteil bezieht - das ist der Anteil, der nach Abzug aller Kosten verbleibt. Die Ihnen hierfür zugesagten Leistungen bleiben unverändert. Allerdings kann sich die aktuelle Zinsentwicklung auf die Überschüsse, die über die garantierten Leistungen hinausgehen, auswirken. Diese können geringer ausfallen als vor Jahren prognostiziert Frage: Eignen sich Aktienfonds für die Altersvorsorge? Antwort: Im Prinzip ja. Aktien zählen als Anteile an Unternehmen zu den realen Werten. Wächst die Wirtschaft, wachsen die Unternehmen und die Kurse steigen. Allerdings müssen Sie Kosten und Kursschwankungen im Blick haben. Daher raten wir bei Aktien zu einem größeren Zeithorizont. Dann können Aktienfonds durchaus eine ordentliche Rendite bringen. Sollten Sie jedoch zu einem bestimmten Zeitpunkt das Geld benötigen, sind auch Verluste möglich. Daher ist eine aktive Betreuung unerlässlich. Frage: Ich bin letztes Jahr mit 63 in die vorgezogene Altersrente gegangen. Ich könnte jetzt einen Nebenjob annehmen. Muss ich Einkommensgrenzen beachten? Antwort: Bis zum Erreichen Ihrer regulären Altersgrenze - ja. Sie können derzeit 450 Euro monatlich hinzuverdienen, zweimal im Kalenderjahr dürfen es 900 Euro im Monat sein. Verdienen Sie mehr, wird Ihre Rente als Teilrente oder gar nicht mehr gezahlt. Das müssten Sie bei Ihrem zuständigen Versicherungsträger erfragen. Haben Sie die Regelaltersrente erreicht, können Sie unbegrenzt hinzuverdienen. Frage: Ich habe wegen der Kinder nicht gearbeitet, also auch nicht eingezahlt. Ist es richtig, dass es sich im Zusammenhang mit der Mütterrente lohnt, Beiträge nachzuzahlen, um auf die fünf Jahre Mindestversicherung zu kommen? Antwort: Das stimmt. Sie können Beiträge für die Rentenversicherung freiwillig nachzahlen, um mit den nun besser bewerteten Kindererziehungszeiten auf die fünf Jahre Mindestversicherung zu kommen. Da Frauen durchschnittlich 21 Jahre Rente beziehen, lohnt es sich fast immer. Am besten, Sie machen einen Termin bei einer Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung und lassen sich das Ganze durchrechnen Frage: Ich bin Jahrgang 55 und schwerbehindert. Kann ich mit 60 in Rente gehen? Antwort: Voraussetzung dafür sind einerseits 35 Versicherungsjahre und andererseits eine Schwerbehinderung von mindestens 50 Prozent zu Rentenbeginn, Auch diese Altersrente wird schrittweise angehoben. Sie können also frühestens mit 60 Jahren und neun Monaten diese Rente beziehen – mit maximal 10,8 Prozent Abschlag. Jeder Monat späterer Renteneintritt verringert den Abschlag um 0,3 Prozent. Frage: Welche sicheren Geldanlagen können Sie mir empfehlen? Ich habe bereits in Aktien investiert. Antwort: Wenn Sie Aktienerfahrungen haben und an Kursschwankungen gewöhnt sind, bleiben Sie dabei. Leider bringt alles, was bisher als sichere Anlage galt, wie beispielsweise Termingelder, keine Zinsen mehr. Frage: Raten Sie zu Gold für die Altersvorsorge? Antwort: Als begrenzte Beimischung von fünf bis zehn Prozent ist Gold im Sinne einer Absicherung gegen Krisen und einer breiten Streuung durchaus sinnvoll. Dies gilt vor allem angesichts der enormen Zunahme der Staatsverschuldungen. Frage: Sollte man statt der Riester-Rente lieber eine Rürup-Rente abschließen? Antwort: Das sind zwei verschiedene Dinge. Die Rürup- oder Basis-Rente ist vor allem für Selbstständige gedacht, da sie meist für die Riester-Rente nicht förderberechtigt sind. Während Riester in erster Linie über Zulagen funktioniert, erfolgt die Rürup-Förderung ausschließlich über Steuervorteile. Daher ist steuerliche Beratung vor Vertragsabschluss unbedingt erforderlich. 2016 könnten 82 Prozent der Beiträge zur Rürup-Rente steuerlich geltend gemacht werden - bis zur Höchstgrenze von 22.767 Euro. Das sind 18.668,94 Euro. Für Verheiratete gelten die doppelten Beträge. Aber was man absetzen will, muss man zuvor verdient haben: Nur bei entsprechendem Gewinn lohnt sich die Rürup-Rente. Frage: Ist eine Pflegetagegeldversicherung zu empfehlen? Antwort: Eine Pflegetagegeldversicherung sollte man, wenn man möchte, spätestens mit 40 abschließen, danach werden die Beiträge einfach zu teuer. Sie müssen die Beitragszahlung durchhalten können. Da es sich um eine Risiko-Versicherung handelt, sind bei einer Kündigung die Beiträge futsch. Frage: Ich habe 2004 eine Direktversicherung als betriebliche Altersversorgung abgeschlossen, die pauschal beteuert wurde. Kann ich mir das Kapital schon vor der Regelaltersrente auszahlen lassen? Antwort: Zugriff auf Leistungen der betrieblichen Alterversorgung haben Sie ab dem 60. Lebensjahr. Fragen Sie den Anbieter, um welche Art von Versicherung es sich genau handelt. Bei Verträgen zu Direktversicherungen, deren Beiträge noch pauschal versteuert wurden, ist es möglich, sich das Kapital steuerfrei auszahlen zu lassen. Frage: Welche Altersvorsorge ist eigentlich sicher bei Hartz-IV? Antwort: Alle staatlich geförderten Varianten sind hartz-IV-sicher: betriebliche Altersversorgung, Riester- und Rürup-Renten. Alle anderen Vorsorgearten werden bei der Bedürftigkeitsprüfung herangezogen. Frage: Als Erwerbsminderungsrentner überlege ich, ob ich die staatlichen Zuschüsse eines Riester-Vertrages mitnehmen sollte. Wie viel Beitrag müsste ich zahlen? Antwort: Für die maximale Förderung müssten Sie wie alle Förderberechtigten vier Prozent Ihres Vorjahresbruttoverdienstes zahlen. Davon werden noch die Ihnen zustehenden Zulagen abgezogen. Diese Summe ist Ihr Eigenbeitrag. Mindestens jedoch ist der Sockelbetrag von 60 Euro im Jahr zu zahlen...

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