Schweigend: Protestmarsch in Rahden. - © Foto: Heike von Schulz
Schweigend: Protestmarsch in Rahden. | © Foto: Heike von Schulz

Rahden Demonstranten fordern bessere Haltungsbedingungen für Nerze

Protestmarsch: Laut Tierschützern vegetieren 5.000 Pelztiere in Rahden in viel zu kleinen Käfigen vor sich hin. Sie wünschen sich größere Gehege mit festen Böden, Klettermöglichkeiten und einem Schwimmbecken

Heike von Schulz

Rahden. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass an dem trendigen Pelzbesatz an der Kapuze, dem modischen Bommel an der Strickmütze oder der plüschigen Fellkugel am Schlüsselanhänger Blut klebt, weil diese Applikationen aus Echtpelz gemacht sind. Dass das Tierleid in der Nerzfarm in Rahden-Varl, einer der letzten in Deutschland, endlich ein Ende hat, forderten an die hundert Tierschützer bei einem Protestmarsch vom Rahdener Bahnhof zu der gut sechs Kilometer entfernten Pelztierfarm in Varl. Tanja Behring und ihre Mitstreiter von der seit Ende 2016 bestehenden Initiative "Runder Tisch - Tierschutz / Tierrechte im Altkreis Lübbecke" hatten den Protest organisiert. "Wir fordern die Schließung der Farm und ein deutschlandweites Pelztierzuchtverbot", so Behring. Unter Polizeibegleitung bewegte sich der Zug schweigend an der Farm vorbei, weil man die scheuen Nerzmütter und ihre Jungtiere nicht noch mehr in Panik versetzten wollte. Bei der Kundgebung machte Konrad Eckstein von der "Offensive gegen die Pelzindustrie" mit Sitz in Berlin deutlich: "Aktuell gibt es noch fünf Nerzfarmen in Deutschland, drei haben ihre Schließung noch für dieses Jahr angekündigt." 5.000 Nerze sollen in Varl unter tierquälerischen Bedingungen in viel zu kleinen Käfigen dahin vegetieren. Im Spätherbst, wenn ihnen das bei Pelztierfarmern begehrte Winterfell gewachsen ist, werden sie im Alter von rund sieben Monaten "geerntet", dass heißt vergast und gehäutet. Der Betreiber in Varl verstößt laut der Tierrechtsorganisation PETA gegen die seit 2011 und im zweiten Schritt seit 2016 geltenden Vorschriften zu den Haltungsbedingungen. Danach müssen die Tiere größere Käfige mit festen Böden, Klettermöglichkeiten und Schwimmbecken haben. Selbst nach fünf Jahren der Übergangsphase sollen in der Nerzfarm in Varl die Lebensbedingungen der Tiere nicht verbessert worden sein.

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