Dschihadisten unter einreisenden Flüchtlingen sind laut Ali Al-Zakami ein realistisches Szenario. - © dpa
Dschihadisten unter einreisenden Flüchtlingen sind laut Ali Al-Zakami ein realistisches Szenario. | © dpa

Bielefeld Arzt aus Jemen warnt vor Dschihadisten unter Flüchtlingen

Der  Mediziner hat mit Islamisten in Unterkünften gesprochen, die mit heimischen Salafisten in Kontakt stehenen

Ansgar Mönter

Bielefeld. Ali Al-Zakami ist sehr besorgt. Der Jemenit lebt seit Juni in NRW. Er ist Asylbewerber. Al-Zakami, in der DDR von 1979 bis 1987 zum Arzt ausgebildet, hat zahlreiche andere Flüchtlinge in Unterkünften kennengelernt, als Mitflüchtling, als behandelnder Arzt oder als Übersetzer. „Darunter sind Dschihadisten, die hier in Deutschland nach IS-Gegnern unter den Asylbewerbern suchen", warnt der 51-Jährige. Al-Zakami versteht, was die Menschen in den Unterkünften auf Arabisch untereinander austauschen. So hat er einen Islamisten entdeckt. Der Arzt suchte das Gespräch mit dem Mann; er gab sich ihm gegenüber als Al-Nusra-Front-Mitglied aus. Das ist der syrische Ableger von El Kaida. Der Islamist habe sich ihm daraufhin geöffnet und berichtet, dass alle islamistischen Gruppen in Deutschland einen Pakt geschlossen hätten, um Gegner der eigenen Kämpfer oder Assad-Anhänger ausfindig zu machen. „Wir werden sie alle verfolgen, hat er gesagt." Ali Al-Zakami ist selbst Opfer von Islamisten. Im Jemen bedrohten sie ihn. „,Wir werden dich umbringen, weil du mit Ungläubigen zusammenarbeitest‘, haben sie mir klargemacht." Al-Zakami behandelt für das „Hammer Forum", eine ärztliche Hilfsorganisation aus NRW, kranke Kinder im Jemen, wie einige Ärzte aus OWL auch. "Sie kommen mit dem Koran unter dem Arm in die Unterkünfte" Den jemenitischen Mediziner beunruhigt, dass es in seinem Fluchtland Deutschland dschihadistische Strukturen gibt. „Die Salafisten sind hier sehr aktiv, sie kommen mit dem Koran unter dem Arm in die Unterkünfte, und sie beherbergen Islamisten, die als Flüchtlinge getarnt nach Deutschland eingereist sind." Seine Beobachtungen habe er den Behörden mitgeteilt, allerdings hält er deren Reaktion für zu zurückhaltend. Diesem Eindruck tritt Jörg Rademacher vom Innenministerium NRW mit der Aussage entgegen, dass „alle Hinweise dieser Art ernst genommen werden". Bundesweit habe es mehr als 120 Berichte aus Flüchtlingskreisen über Islamisten und IS-Kämpfer in den Unterkünften an die Behörden gegeben, gut 40 davon NRW betreffend. „Alle sind polizeilich ausermittelt worden", versichert Rademacher. In den meisten Fällen sei festgestellt worden, dass es sich um eine Verwechslung handelte, manchmal habe Rache eine Rolle gespielt. In fünf Fällen wurden tiefere Ermittlungen angestrengt. Bekannt sei auch, dass Salafisten in NRW offensiv Kontakt zu Flüchtlingen suchen. „In der Regel wird aber sofort gegengesteuert", sagt der Sprecher des Innenministeriums. „Das wird in arabischen TV-Sendern offen diskutiert" Rund 2.500 Salafisten stehen im Bundesland unter Beobachtung, gut 20 Moscheen werden ihrer extremistischen Islamauslegung zugerechnet. Herford zählt zu den Orten mit einer aktiven Salafistenszene, in Bielefeld werden ihr zwei Moscheen zugeordnet. Ali Al-Zakami beruhigt es nicht sonderlich, dass die Polizei die Szene beobachtet. Aus arabischen Quellen habe er vernommen, dass gut 4.000 Dschihadisten mit dem Flüchtlingsstrom nach Europa eingewandert seien, 1.500 davon nach Deutschland. „Das wird in arabischen TV-Sendern offen diskutiert." Finanziell unterstützt werden sie nach seiner Aussage aus Saudi-Arabien. Für den perfekt Deutsch sprechenden Arzt sind diese Islamisten eine große Gefahr für Deutschland – und für ihn ganz persönlich auch.

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