Bielefeld Acht gesunde Gewohnheiten gegen den Dauerstress

Stress mobilisiert Ressourcen, treibt uns an und macht leistungsfähiger. Wird er aber als Belastung erlebt und zum Dauerzustand, kann das krank machen. Der letzte Teil unserer Gesundheitsserie stellt acht Wege vor, um entspannter zu werden

Stefan Boes

Bielefeld. Stress, Zeitnot, Überforderung, das sind allgegenwärtige Begriffe unserer Zeit. Nicht selten werden die psychischen Belastungen zum Dauerzustand und machen am Ende krank. Umso wichtiger ist es, den Anforderungen des Alltags nicht nur standzuhalten, sondern den Umgang mit belastenden Situationen zu verbessern, dabei gesund und zufrieden zu bleiben. Jessica Bäumer, Heilpraktikerin für Psychotherapie aus Kirchlengern, und Volker Adrian, Selbstmanagement-Coach aus Bielefeld, wissen, wie man den Herausforderungen richtig begegnet. 1.Belastungen erkennen Stress setzt Energie frei, treibt uns an, macht uns leistungsfähiger. Das ist Eustress, sagt Volker Adrian, guter Stress. „Wenn man eine Tätigkeit innerhalb einer bestimmten Zeit erledigen muss, man diese Tätigkeit aber mit Freude macht, dann wird dieser Termindruck nicht als Stress empfunden." Jessica Bäumer sagt: „Es kommt auf die Bewertung an." Wenn sich jemand im Hamsterrad befinde und bis zur Erschöpfung aufreibt, dann sei das kein Eustress, sondern schädlich. Verliert man die Kontrolle und versucht man bloß, dem Übermaß an Druck und Anforderungen gerecht zu werden, und das auch noch auf Dauer, dann wird Stress gefährlich und hat längst seine positive Wirkung verloren. 2. Nicht perfekt sein Jessica Bäumer hat mit Menschen zu tun, die beruflich sehr erfolgreich sind, für die es am Ende aber wegen zu viel Ehrgeiz und Perfektionismus nicht mehr weitergeht. Dann landen sie in ihrer Praxis, weil sie sich in ihrem Leben als Selbstperfektionierer zu sehr aufgeopfert haben. Die Therapeutin weiß, dass das viel mit Angst zu tun hat. „Der Hauptgrund für negativen Stress ist Angst: Angst, den Job zu verlieren, Angst, nicht zu genügen." Sie mahnt: „Der eigene Perfektionismus raubt uns Kraft." Immer 100 Prozent zu geben, das sei nicht möglich. Volker Adrian kennt den überhöhten Selbstanspruch von seinen Klienten: „Als Perfektionist ist unsere Aufmerksamkeit darauf gerichtet, Fehler und Schwächen bei uns und anderen besonders gut zu erkennen." Das koste viel Kraft und Zeit. „Ich kann auch Erfolge haben, auch wenn nicht alles hundertprozentig ist", so Adrian. Fehler seien wertvolle Chancen, wieder etwas dazuzulernen. 3. Klare Ziele haben Wichtiger als Perfektionismus sei es, klare Ziele und Prioritäten zu haben, so Adrian. „Menschen ohne klares Ziel kämpfen immer gegen Stress, da sie viel häufiger als gewünscht von einem Weg abkommen, den sie selbst nicht kennen." Außerdem ist Adrian überzeugt: „Multitasking funktioniert nicht – auch nicht bei Frauen". 4. Rituale einhalten Belastende Dinge vermeiden, wichtige, angenehme Dinge tun, diesen Rat gibt Jessica Bäumer ihren Klienten mit auf den Weg. „In allererster Linie sind wir für uns selbst verantwortlich", sagt sie. Jeder müsse seinen Weg finden, den Anforderungen im Berufs- und Privatleben gerecht zu werden. Dafür gebe es zwar kein Patenrezept. Zu individuell seien die Bedürfnisse und Interessen. Doch es gibt etwas, das sie für besonders hilfreich hält. „Rituale, feste Gewohnheiten sind wichtig. Nehmen Sie sich die Zeit." Oft seien es banale, kleine Dinge, die abhandengekommen sind, deren positive Wirkung aber umso wichtiger wäre. Ein Gespräch mit dem Partner etwa anstelle des gemeinsamen Blicks auf den Fernsehbildschirm. 5. Achtsam sein Jessica Bäumer meint damit auch, Dinge bewusst zu tun und bewusst zu erleben. Achtsamkeit sei hier das Stichwort. Auch Adrian benutzt es. Seine Tipps: „Mal wieder die kleinen Dinge des Alltags genießen." Und: „Zwischendurch im Alltag immer wieder innehalten und den gegenwärtigen Moment bewusst wahrnehmen." Die Bedeutung von Pausen, kleinen Auszeiten im Alltag betonen beide. 6. Pausen machen „Pausen sind wichtig, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten", sagt Adrian. Die Unterbrechungen sorgen für Erholung und beugen sogar Burn-Out vor, darüber seien sich Mediziner und Arbeitspsychologen einig. Dabei seien lange Pausen gar nicht notwendig. Schon sehr kurze Unterbrechungen hätten eine positive Wirkung, sagt Adrian. „Untersuchungen zeigen auch, dass sich die kurzen Erholungspausen während des Arbeitstages nicht aufschieben lassen. Wenn die Ermüdung im Tagesverlauf ansteigt, muss man sich bei der Arbeit umso mehr anstrengen." Das trage dazu bei, dass die Erschöpfung am Ende des Tages umso größer sei. 7. Positiv denken Auf den ersten Blick trivial erscheint der Ratschlag zu einer positiven Denkweise. Doch nicht nur in einer Zeit, in der ständig geschimpft und kritisiert wird, ist es sinnvoll, sich genau dieses Denken anzueignen, meint Volker Adrian. „Um Kräfte zu sammeln und Reserven aufzubauen, ist positives Denken ein wesentlicher Baustein zur Stressbewältigung. Oft neigen wir dazu, zu sehr die Probleme zu sehen und das, was gerade nicht so gut läuft." Der Coach rät stattdessen dazu, mehr und gezielt die positiven Seiten unserer täglichen Erfahrungen noch bewusster zu machen. 8. Atmen Zuletzt gibt Jessica Bäumer einen Tipp, der so leicht und doch so wirkungsvoll ist, von vielen Menschen im Alltag aber oft nicht richtig beachtet wird: „Atmen Sie."

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