Individuelle Förderung: Christopher Kleinkes (l.) trainiert bis zu dreimal wöchentlich mit Martin Krüger (r.). Hinzu kommen Krafttraining, Mannschaftstraining und der Schulsport. - © Marc Köppelmann
Individuelle Förderung: Christopher Kleinkes (l.) trainiert bis zu dreimal wöchentlich mit Martin Krüger (r.). Hinzu kommen Krafttraining, Mannschaftstraining und der Schulsport. | © Marc Köppelmann

Paderborn Im Paderborner Sport-Internat büffeln junge Talente für ihren Traum

Sport und Schule unter einen Hut bekommen – das versuchen derzeit 41 Nachwuchstalente im Sportinternat. Einer davon ist Christopher Kleinkes. Er will später mit Basketball sein Geld verdienen

Mareike Gröneweg

Paderborn. Bis zu 14 Mal trainiert Christopher Kleinkes wöchentlich für seinen Traumberuf: Der 16-Jährige möchte später professioneller Basketballer werden. Wenn das nicht klappt, will er Jura studieren. Also muss trotz des vollgepackten Trainingsplans das Abitur gemacht werden. Um Schule und Sport zu vereinbaren, wohnt er im Paderborner Sportinternat. Er gehöre zu den sogenannten „high potentials", erzählt sein Trainer Martin Krüger: „Christopher hat vor allem eine genetische Stärke: Seine Größe von 2,07 Meter. Und dafür ist er auch außergewöhnlich schnell." Um sein Talent weiter auszubauen, hat der Oberstufenschüler des Reismann-Gymnasiums sein Leben umgekrempelt und völlig auf Sport und Schule ausgerichtet. Er spielt in zwei Basketballmannschaften, trainiert täglich mehrmals und in der Saison stehen am Wochenende Wettkämpfe auf dem Programm. Dreimal wöchentlich startet Christopher Kleinkes mit dem Frühtraining um 7 Uhr in den Tag, während an einigen Tagen das Training mit der Mannschaft bis 22 Uhr geht. Das alles muss bei einem vollen Stundenplan gemeistert werden. „In der Schule fällt es mir leicht, gute Noten zu bekommen. Mein Schnitt ist im oberen Zweier-Bereich und das reicht mir", sagt Kleinkes. NRW-Sportschule in Paderborn Um den straffen Trainingsplan und die Schule im Ganztag zu regeln, hat er sich nicht nur für das Sportinternat, sondern auch speziell für das Reismann-Gymnasium entschieden. Mit der Lise-Meitner-Realschule ist das Reismann NRW-Sportschule und bietet spezielle Sportklassen an. Koordinator für die Sportklassen am Reismann ist Martin Krüger. Der Deutsch- und Sportlehrer ist gleichzeitig auch Stützpunkttrainer des westdeutschen Basketballverbands und Co-Trainer der Uni Baskets. Krüger weiß, wie wenig Freizeit Christopher Kleinkes hat: „Sein Tagesablauf ist bis auf ein oder zwei Stunden nachmittags völlig ausgefüllt. In der Zeit muss er die Hausaufgaben noch erledigen." Doch dafür erhöhen sich laut Krüger auch seine Trainingsintensität und seine Chancen. Nach dem Schultag geht es für Kleinkes in das frisch sanierte Sportinternat. Hier hat jeder Schüler ein Einzelzimmer mit eigenem Bad und wird voll verpflegt. Das kostet allerdings auch: „Pro Person rechnen wir mit über 1.000 Euro Gebühren", erzählt Internatsleiter Volker von Bülow. Ob diese Kosten über ein Stipendium oder von den Eltern finanziert werden, entscheidet sich im Einzelfall. Kein Aufnahmetest für das Internat Für das Internat gibt es keinen Aufnahmetest, die Platzvergabe läuft über die Paderborner Vereine. Diese geben zu Beginn eines Jahres an, wie viele Plätze sie für ihre jeweilige Sportart vergeben wollen. Derzeit wohnen im Sportinternat ein Schwimmer, 17 Baseballer, elf American Footballer, acht Fußballer und vier Basketballer. „Die Vereine schließen Verträge mit den Schülern ab. Dabei ist uns wichtig, dass die Verträge auch so lange andauern, dass den Jungs ein Schulabschluss ermöglicht wird", erklärt von Bülow. Die Schulbildung ist dem Internat ein Anliegen. „Wir haben schon Leute abgelehnt, die nicht in unsere Philosophie passten. Beispielsweise, wenn kein Wert auf den Schulabschluss gelegt wird", sagt von Bülow. Derzeit gibt es noch keine weiblichen Internatsbewohnerinnen, das sei für die Zukunft aber nicht ausgeschlossen. „Die Jungs hier träumen von einer Profikarriere und nehmen dafür eine enorme Doppelbelastung auf sich", erklärt von Bülow. Das Sportinternat selbst ist in Trägerschaft des Forums Paderborner Spitzensport, das durch die Stiftung Westfalen finanziert wird. Christopher Kleinkes ist zufrieden mit seiner Entscheidung für das Sportinternat: „Wenn ich abends was mit meinen Freunden machen will, wohnen die direkt nebenan."

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