Zwei der drei Rotorblätter hängen völlig zerfetzt herab, links von der Anlage sind weiße Trümmerteile zu sehen. - © Gemeinde Borchen
Zwei der drei Rotorblätter hängen völlig zerfetzt herab, links von der Anlage sind weiße Trümmerteile zu sehen. | © Gemeinde Borchen

Borchen Rotorblätter von Windrad bei Borchen zerfetzt

Die Ursache für den Unfall wird derzeit untersucht. Bürgermeister fordert Baustopp

Birger Berbüsse

Kreis Paderborn. Auf einem Feld bei Borchen-Etteln hat sich der dritte schwere Windrad-Unfall im Kreis Paderborn innerhalb von zwei Jahren ereignet. Am Donnerstagabend wurden zwei der drei Rotorblätter völlig zerfetzt, mehrere Glasfaser-Kunststoff-Bruchstücke fielen zu Boden. Die Unfall-Ursache wird derzeit von Experten untersucht. Nach NW-Informationen könnte es sich um einen Montage-Fehler handeln. Zum Zeitpunkt des Vorfalls waren zwar Monteure vor Ort, sie kamen jedoch mit dem Schrecken davon. Aus Sicherheitsgründen ist der Bereich um die Unglücksstelle in einem Radius von 500 Metern abgesperrt worden. Bei dem Windrad handelt es sich um eine noch nicht in Betrieb genommene Anlage des Typs E-115 mit einer Nennleistung von 3.000 kW. Die Nabenhöhe beträgt 149 Meter, der Rotordurchmesser 115 Meter, so dass die Anlage insgesamt 200 Meter hoch ist. Anlage sollte demnächst in Betrieb gehen Bauherr ist das örtliche Unternehmen Westfalenwind, das derzeit elf E-115-Typen im Kreis betreibt sowie insgesamt sieben in Etteln baut. Eigentümer der beschädigten Anlage ist jedoch bis zur Inbetriebnahme die Firma Enercon. Ursprünglich sollte das Windrad am 31. März in Betrieb gehen. Die Baugenehmigung wurde laut der Gemeinde Borchen am 27. Dezember 2016 erteilt, am 2. Januar 2018 wurde noch der Bau einer Rotorblattheizung genehmigt. Mit diesen nachrüstbaren Systemen können Rotorblätter enteist werden. Aktuell laufen die Ermittlungen, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Der Eigentümer Enercon teilte dazu mit, dass die Rotorblätter bei abschließenden Aufbau-Arbeiten beschädigt wurden. Aus noch nicht geklärter Ursache sei die Anlage in Überdrehzahl geraten.Informationen der Neuen Westfälischen zufolge hat möglicherweise starker Wind den Rotor ins Drehen gebracht. Dieser könnte ins Trudeln geraten sein, woraufhin die Rotorblätter gegen den Turm schlugen und dabei auseinander brachen. "Irgendwas hat nicht funktioniert" Normalerweise sei der Motor arretiert, um das Drehen zu verhindern. „Irgendwas hat nicht funktioniert", so ein Enercon-Sprecher gegenüber der NW. Die Schadenshöhe stehe noch nicht fest. Nach dem Abschluss der Untersuchungen, die einige Zeit dauern könnten, soll die beschädigte Anlage „schnellstmöglich repariert und in Betrieb genommen werden." Hierfür muss dann jedoch zunächst der Kreis Paderborn eine Genehmigung erteilen. Die Bürgerinitiative „Gegenwind Borchen" zeigt auf ihrer Internetseite Fotos von Glasfaser-Teilen der zerfetzten Rotoren, die mehrere Hundert Meter weit verstreut liegen. Weil die Teile sehr klein sind, sei eine Reinigung unmöglich. Die Bürgerinitiative spricht deshalb von einer „Umweltkatastrophe", Tiere und die Heuernte seien in Gefahr. Kreis lehnt geforderten Baustopp ab Schnell und deutlich reagierte auch Borchens Bürgermeister Reiner Allerdissen: „Bis zur Klärung der Unfallursache und wegen der offensichtlichen Gefahr fordere ich den sofortigen Baustopp an den Anlagen. Darüber hinaus muss der Betrieb mindestens gleicher Anlagen eingestellt werden", teilte er schriftlich mit. Seine Forderung, das bestätigte die Verwaltung, bezieht sich auf Anlagen im Gebiet der Gemeinde Borchen. Allerdissens Vorstoß erteilte der Kreis Paderborn als Genehmigungsbehörde eine klare Absage: „Bei einer Anlage, die baurechtlich noch gar nicht abgenommen war, und bei Nichtkenntnis der Ursache wäre es absolut unverhältnismäßig, alle Anlagen gleichen Typs stillzulegen", äußerte sich Kreissprecherin Michaela Pitz auf Anfrage der NW. Seit 2014 seien im Kreisgebiet 44 Windräder des Typs E-115 errichtet worden. „Bislang ohne Probleme", sagt Pitz. 42 weitere E-115 seien geplant beziehungsweise würden momentan gebaut. Laut Enercon gibt es weltweit 820 Anlagen des Typs E-115, vergleichbare Schäden habe es bislang nicht gegeben.

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