Passen aufeinander auf: Ein Teil der Mitglieder der Whatsapp-Gruppe, die sich in der Südstadt zusammengeschlossen hat, um sich gegenseitig – und die Polizei – über verdächtige Beobachtungen zu informieren. - © Foto: Gunter Held
Passen aufeinander auf: Ein Teil der Mitglieder der Whatsapp-Gruppe, die sich in der Südstadt zusammengeschlossen hat, um sich gegenseitig – und die Polizei – über verdächtige Beobachtungen zu informieren. | © Foto: Gunter Held

Oerlinghausen Das Gefühl der Sicherheit schwindet

Erhöhte Kriminalität in der Südstadt: Anwohner der unteren Berliner Straße und der Sennestraße gründen eine Whatsapp-Gruppe als erweiterte Nachbarschaftshilfe

Gunter Held Oerlinghausen. „Früher haben wir uns hier sicher gefühlt“, sagen Bewohner der Südstadt. Da wurden Häuser nicht abgeschlossen, und manchmal blieb der Hausschlüssel die ganze Nacht lang in der Haustür stecken – von außen. Früher – das ist noch gar nicht so lange her. Doch seit die Belegungsstruktur der Zentralen Unterbringungseinrichtung, der Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Hellweg-Klinik, sich dahingehend verändert hat, dass dort überwiegend Menschen mit geringer Bleibeperspektive und abgelehnte Asylbewerber untergebracht sind, fühlen sich viele Südstädter nicht mehr sicher. Tatsache ist, dass die Anzahl der versuchten und vollzogenen Wohnungseinbrüche stark zugenommen hat. Bewohner der unteren Berliner Straße und der Sennestraße haben jetzt die moderne Kommunikationstechnologie genutzt, um eine erweiterte Nachbarschaftshilfe ins Leben zu rufen. 18 Familien haben sich zu einer Whatsapp-Gruppe zusammengeschlossen. Wenn jetzt etwas Ungewöhnliches beobachtet wird – seien es Autos mit fremden Kennzeichen oder Menschen, die langsam durch die Straßen gehen und Häuser beobachten könnten, oder jemand, der von Haus zu Haus geht und sich an den Briefkästen zu schaffen macht – wird die Polizei verständigt."110 - das ist der schnellste Kontakt zu uns" „Genau richtig“, sagt Uwe Bauer, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde in Detmold. Sich zunächst untereinander informieren und dann so schnell wie möglich die Polizei anrufen. „Und dafür sollte die Telefonnummer 110 gewählt werden“, sagt Bauer. Viele Menschen hätten noch eine Scheu davor, die Nummer zu wählen, weil es doch die Notfallnummer sei. „Wir nennen diese Nummer mittlerweile Polizeiruf“, sagt Bauer, „denn das ist der direkte und schnellste Kontakt zu uns.“ Gleichzeitig bittet er um Verständnis dafür, wenn der Einsatzwagen nicht sofort geschickt werden kann. Das Einzugsgebiet der Kreispolizeibehörde sei groß, und es könne durchaus vorkommen, dass die Besatzung eines Streifenwagens gerade in einem anderen Einsatz unterwegs ist. Eindringlich warnt er davor, selbst gegen verdächtige Personen oder Einbrecher vorzugehen. „Das ist gefährlich und sollte uns überlassen werden“, sagt Uwe Bauer."Wir kommen uns vor wie im Gefängnis" Doch auch wenn die Polizei im Bereich der Südstadt verstärkt Streife fährt – das subjektive Sicherheitsempfinden der Bewohner ist gestört. „Im Keller und im Erdgeschoss haben wir die Fenster vergittern lassen“, sagt eine Anwohnerin. „Wir kommen uns vor wie im Gefängnis.“ Und auch wenn einige Südstädter auf die Politiker schimpfen – „das interessiert die doch alles nicht“ – hat der Stadtrat reagiert und eine Resolution an das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration geschickt. Darin fordern die Politiker, dass die Belegungspraxis geändert und Menschen mit geringer Bleibeperspektive oder abgelehnte Asylbewerber auf alle Flüchtlingsunterkünfte des Landes verteilt werden. Ob schon etwas passiert ist, lässt sich bisher nicht klären, da das Ministerium auf eine Anfrage bis zum Redaktionsschluss nicht reagierte.

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