Kein Zimmer frei: Ein Blick in die JVA Bielefeld-Brackwede. - © Andreas Frücht
Kein Zimmer frei: Ein Blick in die JVA Bielefeld-Brackwede. | © Andreas Frücht

NRW-Gefängnisse sind überfüllt: Bielefeld und Detmold besonders betroffen

Tagesthema: Die Belegungsquoten liegen teils deutlich über 100 Prozent. Es herrscht großer Personalmangel

Dennis Bleck

Bielefeld/Detmold. Die meisten Justizvollzugsanstalten (JVA) in Nordrhein Westfalen sind überlastet. Das geht aus einer internen Auswertung des NRW-Justizministeriums hervor. Zu den betroffenen Haftanstalten zählen mit der JVA Bielefeld-Brackwede und der JVA Detmold auch zwei Einrichtungen aus Ostwestfalen-Lippe. In Brackwede sind derzeit 554 Gefangene untergebracht, obwohl es nur 542 Plätze gibt. In Detmold liegt die Auslastung aktuell bei 98,6 Prozent. Ein Gefängnis gilt allerdings schon bei einer Belegungsquote von 90 Prozent als voll. „Der Grund hierfür sind die Untersuchungshaft-Zahlen, die in den vergangenen zwei Jahren explodiert sind", sagt Oliver Burlage, Leiter der JVA Detmold. Das Gericht verhänge diese Zwangsmaßnahme immer häufiger, um zu verhindern, dass beispielsweise kriminelle Flüchtlinge untertauchen. Viele Gefängnisse sind zudem marode. In NRW stehen etwa 1.500 Haftplätze wegen baulicher Mängel nicht zur Verfügung. Land NRW schafft 1.135 Stellen In den kommenden Jahren nimmt das Land 1,2 Milliarden Euro in die Hand, um fünf neue Haftanstalten zu bauen. „Wir sehen den Bedarf und begegnen dem Problem", sagt Peter Marchlewski, Sprecher des NRW-Justizministeriums. In 2018 würden zudem 1.135 neue Stellen in der Justiz geschaffen, 200 davon im klassischen Vollzugsdienst. Nach Angaben des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) werden aber derzeit schon 1.000 zusätzliche Leute gebraucht. „Wir suchen dringend im ganzen Land", sagte der Landesvorsitzende Peter Brock der Rheinischen Post. Aktuell seien nur 5.710 der 6.200 Stellen besetzt. „Hinzu kommt die Lücke, die durch das Personal gerissen wird, das bald altersbedingt aufhören muss." In den kommenden fünf Jahren müssten 3.000 Bedienstete ersetzt werden, die in den Ruhestand gehen. Die Nachwuchsgewinnung gestaltet sich schwierig „Der Job wird immer anspruchsvoller und die Gefangenen nicht einfacher", sagt Uwe Nelle-Cornelsen. Der Leiter der JVA Bielefeld-Brackwede spricht von Sprachbarrieren und hoher psychischer Belastung. Den Vorstoß des Ministeriums – weitere Stellen zu schaffen – wertet er als „positives Signal". Woher so viel neues Personal kommen soll, weiß aber niemand genau. Das Land NRW wirbt mit einer Kampagne um Nachwuchs. Marchlewski räumt jedoch ein, dass sich die Gewinnung schwierig gestalte: „Wir sind wählerisch und haben hohe Anforderungen. Der Job ist hochkomplex."

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