Noch fehlen Buchstaben und Ziffern: Eingesetzter Grabstein an Ehrenmal-Kapelle. - © Dieter Scholz
Noch fehlen Buchstaben und Ziffern: Eingesetzter Grabstein an Ehrenmal-Kapelle. | © Dieter Scholz

Eissen Mahnmal erinnert an gefallenen Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg

Gedenkstätte: Heinz Backhaus war früh an der Westfront gefallen

Dieter Scholz

Eissen. "Gefallen für einen sinnlosen Krieg", steht auf der Gedenktafel. Da war er 26. Zuhause in Eissen wartete die junge Ehefrau mit einem Kind unter dem Herzen, das er nie kennenlernen werden wird. Heinz Backhaus starb am 24. April 1940 am Rhein nahe der französischen Grenze, an Hitlers Westfront, die eigentlich noch keine war. Erst am 5. Juni 1940 beginnt für die Wehrmacht die "Schlacht um Frankreich". Backhaus' Leichnam wird als einziger in seine Heimat zurückkehren. 71 weitere Soldaten aus Eissen werden im Verlauf des Zweiten Weltkriegs fallen. An sie erinnert eine Kapelle im Ort. 1938 errichtet als Walhall ("Wohnung der Gefallenen") zu Ehren der tapferen Soldaten der Kriegsjahre 1914 bis 1918. "Der Ortspfarrer hatte sich damals geweigert, das Gemäuer zu segnen", sagt Schützenvorsitzender Manfred Rottkamp. Der Geistliche habe Haltung gegen den verklärenden Zeitgeist der Nazi-Diktatur, gegen das braune Gedankengut und dessen unsägliche Heldenverehrung bewahrt. Das Schicksal von Heinz Backhaus stehe stellvertretend für abertausende Soldaten, sagen die Liborius-Schützen. Und sie fanden Unterstützung aus den Reihen der jugendlichen Firmbewerber im Pastoralverbund Willebadessen-Peckelsheim. Sie halfen, den Grabstein des Eisseners als Erinnerung am Ehrenmal herzurichten. »Ein besonderer Stein«, sagt Weihbischof Grothe Ein mahnendes Andenken, "damit so etwas nicht noch einmal passiert", bemerkt Marcel Müller. Der 17-jährige aus Niesen hatte am Samstag zu Spaten, Schaufel und Besen gegriffen, um das steinerne Kreuz eingefasst und mit einem Schild versehen in die Erde neben der Kapelle einzulassen. Ein Zeitzeuge, der als Kind die Beisetzung des jungen Soldaten erlebt hatte, habe ihnen berichtet, sagt Marcel. Backhaus' Vater war der Wirt der Gaststätte Zum Bahnhof. Er hatte dafür gesorgt, dass sein am Westwall gefallener Sohn, das einzige Kind der Familie, in der Heimaterde begraben wurde. Mit militärischen Ehren: "An die abgefeuerten Salutschüsse erinnerte sich der Zeitzeuge noch genau", sagt Marcel. Der emeritierte Paderborner Weihbischof Manfred Grothe hatte Ortsbürgermeisterin Petra Engemann-Ludwig den Vorschlag gemacht, den Grabstein vom Eissener Friedhof als Mahnmal am Ehrenmal zu behalten. Der aus Warburg stammende Geistliche hatte im Bördeort Familiengräber besucht und dabei das abgeräumte Grab bemerkt. Ein besonderer Stein, da es in der Region nur wenige private Soldatengräber gebe, so Grothe. »An diesem Ort wird Geschichte fassbar« Engemann-Ludwig wandte sich an die Schützen, die im Herbst den Stein sicherten, ihn an der Ehrenmalkapelle ablegten und auf besseres Wetter für die Aktion, die jetzt mit Hilfe der 16 Firmbewerber vonstatten ging, warteten. Dass "die alte Geschichte zur Erinnerung an die Zeit" wichtig sei, davon ist Eliah Boländer (16) überzeugt. Über die Wahl Hitlers zum Reichskanzler, die Gleichschaltung des gesamten gesellschaftlichen und politischen Lebens zu Beginn der nationalsozialistischen Diktatur und die hetzenden Propaganda-Reden der Nazis habe man im Geschichtsunterricht gesprochen, sagt Eliah. Mit seinen Freunden sitzt er nach getaner Arbeit auf Kirchenbänken in der Sonne, die sich die Jugendlichen vor die Eingangsstufen gestellt haben. "An diesem Ort wird der Schrecken der Geschichte fassbar", sagt Schützenchef Rottkamp. Ende 1940 wird Marion-Gisela geboren. Die Tochter des gefallenen Wehrmachtsgefreiten und Enkelin des verwitweten Gastwirts, der später nach Warburg gezogen war, lebt heute in Neu-Calenberg. Über das Engagement der Eissener Schützen und der jungen Christen freut sich Marion-Gisela Muffert. Es sei schön, dass der Grabstein nun als Mahnmal im Ort erhalten bleibe.

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