Ursula Haverbeck. - © Bernhard Preuß
Ursula Haverbeck. | © Bernhard Preuß

Vlotho/Detmold Holocaustleugnerin zu acht Monaten ohne Bewährung verurteilt

Richterin sieht "keine Chance auf Besserung" bei Ursula Haverbeck

Dirk-Ulrich Brüggemann

Detmold/Vlotho. Die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck aus Vlotho ist unverbesserlich. In einem Schreiben an den Detmolder Bürgermeister Rainer Heller (SPD) und auch vor dem Amtsgericht Detmold leugnete die 87-jährige Witwe erneut den Holocaust. Dafür verurteilte Richterin Lena Böhm die Seniorin zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Monate Haft gefordert. Haverbeck sagte am Ende des Verfahrens, „natürlich" werde sie Berufung einlegen. Haverbeck hatte sich im Februar während des Auschwitzprozesses vor dem Landgericht Detmold gegen den ehemaligen SS-Wachmann Reinhold Hanning aus Lage an den Bürgermeister gewandt, weil sie an einem Prozesstag nicht an der Verhandlung teilnehmen konnte, da alle Plätze im Gerichtssaal in der Industrie- und Handelskammer besetzt waren. In dem Schreiben an das Stadtoberhaupt, das vor dem Amtsgericht von der Richterin auch verlesen wurde, machte sie ihrem Unmut über die deutsche Justiz Luft und bezichtigte die Antifa als Handlanger von Justiz und Polizei, ihr den Zutritt zum Gerichtssaal verwehrt zu haben. Das Schreiben hatte Haverbeck auch an die Presse geschickt. In dem Brief hatte sie unter anderem behauptet, Auschwitz sei ein reines Arbeitslager und kein Vernichtungslager gewesen. Ebenso seien die beim Detmolder Auschwitz-Prozess aussagenden Holocaust-Überlebenden nur „angebliche Zeugen", mit denen die Existenz eines Vernichtungslagers nachgewiesen werden solle. Vor Gericht nutzte die Holocaust-Leugnerin erneut die Gelegenheit, ihre „verqueren Äußerungen", so die einhellige Meinung von Oberstaatsanwalt Ralf Vetter und Richterin Lena Böhm, der Öffentlichkeit zu Gehör zu bringen. Im Saal 104 des Amtsgerichts waren alle Zuhörerplätze belegt; mehr als 20 Zuhörer mussten draußen auf dem Flur auf das Prozess-Ende warten. Mehr als 30 Minuten lang trug Ursula Haverbeck ihre Ansichten zu den Geschehnissen um die Nazi-Massenmorde im Gerichtssaal vor. Eine schriftliche Erklärung hatte sie zuvor an einzelne Pressevertreter verteilt. Einige Zuschauer äußerten ihren Unmut über die Aussagen der betagten Holocaust-Leugnerin, die zusammen mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann das mittlerweile verbotene Collegium Humanum in Vlotho betrieben hatte. Die Richterin musste Haverbeck letztlich ermahnen, sich nur zu den Vorwürfen der Anklage zu äußern. Das Gericht ging mit dem Strafmaß über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Haverbeck fehle „jegliche Einsicht", sie habe im Gerichtssaal erneut strafbare Äußerungen gemacht. Die Richterin betonte, dass sie keine Chance für eine Bewährung sehe. „Wären Sie jünger, wäre die Strafe höher ausgefallen." Als Ursula Haverbeck den Gerichtssaal verließ, wurde sie auf dem Flur von Gesinnungsgenossen mit Beifall empfangen. Haverbeck stand bereits mehrmals wegen Volksverhetzung vor Gericht. Erst im vergangenen November wurde Haverbeck in Hamburg wegen Volksverhetzung zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Die Rechtsextremistin hatte unter anderem in der ARD-Sendung „Panorama" gesagt, der Holocaust sei „die größte und nachhaltigste Lüge der Geschichte". Haverbeck ist bereits sechs Mal wegen Volksverhetzung verurteilt worden: 2004 in Bad Oeynhausen zu einer Geldstrafe in Höhe von 5.700 Euro, 2007 in Dortmund zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro, 2009 in Bad Oeynhausen zu 2.700 Euro Geldstrafe, 2010 in München zu einer Haftstraße von sechs Monaten (diese wurde später erlassen), 2015 in Hamburg zu einer Haftstrafe von zehn Monaten (noch nicht rechtskräftig) und jetzt in Detmold zu acht Monaten Haft. Weitere Verfahren gegen sie stehen in Verden bei Bremen sowie am 11. Oktober in Bad Oeynhausen an, auch jeweils wegen Volksverhetzung. Der Prozess in Verden war Ende Juli verschoben worden, weil der Verteidiger verunglückt war. Einen neuen Termin soll es voraussichtlich am 11. November geben. (Az.: 2 Ds 716/16). Kommentar Verblendet Ursula Haverbeck ist unverbesserlich und uneinsichtig. Wie sonst lässt sich erklären, dass sechs Urteile deutscher Gerichte einfach an ihr abprallen. Geldstrafen scheinen sie nicht zu stören und gegen die verhängten Haftstrafen weiß sie sich zu wehren. Ins Gefängnis musste sie bislang noch nicht. Im Saal 104 des Detmolder Amtsgerichts hatte sie jedenfalls wieder einen ihrer unrühmlichen Auftritte. Teilweise stehend, dozierte die angeklagte rüstige Witwe aus Vlotho über das Vernichtungslager Auschwitz. Die verblendete Frau behauptete auch vor Gericht wieder steif und fest, dass Auschwitz ein Arbeitslager gewesen sei und dass es dort keine Gaskammern gegeben habe. Und die Einrichtung von Konzentrationslagern sei für einen Staat durchaus legitim, denn er dürfe sich mit diesen Lagern vor Spionen schützen. Hier schlug sie den Bogen von den ersten britischen Konzentrationslagern 1902 in Afrika bis Guantanamo auf Kuba. Die Richterin hatte es nicht leicht, den Redeschwall der Holocaust-Leugnerin zu bremsen. Sogar im Zuschauerraum kam es zu Unmutsäußerungen ob der absurden Ansichten der Rechtsextremistin. Die Richterin bedauerte während des Prozesses, dass Haverbeck, die ohne Rechtsanwalt zur Verhandlung erschienen war, hier „eine Bühne gegeben wurde". Es ist unfassbar, dass eine solche Frau auch noch ihre Fans hat. Anders lässt sich der Applaus der auf dem Gerichtsflur Wartenden nach ihrer erneuten Verurteilung sonst nicht erklären. Kontakt zum Autor

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