Die Radewig mit der Jakobikirche: Hans-Joachim Vedde bastelt nach alten Fotos historische Herforder Häuser. Fast 200 sind ab Sonntag im Holzhandwerksmuseum zu sehen. Einige hat er zu kompletten Straßenzügen oder Quartieren arrangiert. - © Ralf Bittner
Die Radewig mit der Jakobikirche: Hans-Joachim Vedde bastelt nach alten Fotos historische Herforder Häuser. Fast 200 sind ab Sonntag im Holzhandwerksmuseum zu sehen. Einige hat er zu kompletten Straßenzügen oder Quartieren arrangiert. | © Ralf Bittner

Hiddenhausen Miniatur-Ausstellung: Das alte Herford – klein aber fein

Am Wochenende ist die Sonderausstellung „Das alte Herford in Miniatur“ erstmals zu sehen. Gezeigt werden fast 200 Häusermodelle

Ralf Bittner

Hiddenhausen. Der Alte Markt mit dem Spielturm, das alte Friedrichs-Gymnasium mir dem dahinter liegenden Klostergang, das noch an der Bowerre liegende Ensemble rings um St. Johannes Baptist oder die Radewig mit der Jakobikirche mittendrin sind nur einige Gebäude und Straßenzüge, die ab dem kommenden Wochenende als Miniaturen im Holzhandwerksmuseum, Maschstraße 16, zu sehen sind. Gebastelt hat die Häuser der 68 Jahre alte Bad Oeynhausener Hans-Joachim Vedde während der vergangenen zwölf Jahre. Jedes Modell ist nach alten Fotografien aus Sperrholz entstanden und handbemalt, nur die Dachflächen sind aus Kunststoff wie er etwa im Dioramenbau vom Hobbyeisenbahnern verwendet wird. „Etwa eine Woche brauche ich für ein Haus“, sagt Vedde, „dabei sind aber nicht Sägen, Kleben und Bemalen die aufwendigsten Arbeitsschritte, sondern das Anfertigen der Konstruktionsskizzen.“ Die entstehen nach alten Fotos, etwa aus den Bildbänden Rainer Papes unter Hinzuziehung alter Stadtpläne. Vedde versucht die perspektivischen Verzerrungen herauszurechnen und so zu einem realitätsnahen Modell etwa im Maßstab 1:100 zu kommen. Verschwundene Gebäude wieder sichtbar machen „Wenn möglich, verwende ich die ältesten Bilder, die ich finden kann“, sagt Vedde, dessen Urgroßeltern und Großeltern in Herford lebten und der daher das „alte Herford“ zumindest teilweise von Besuchen noch aus eigener Anschauung kennt. Das Gros der Bilder stammt aus den Jahren 1900 bis 1920, er verwendete aber auch einige Ansichten aus der Zeit um 1860. Zunächst baute Vedde einzelne interessante Gebäude aus der Region. Beispiele aus Vlotho, Minden oder Münster ergänzen die Schau, die ihren Schwerpunkt aber klar auf Ensembles in Herford setzt und nicht nur alte, teils verschwundene Gebäude wieder sichtbar macht, sondern noch einmal vor Augen führt, wie sehr Herford tatsächlich einmal am Wasser lag und von Flüssen geprägt wurde – bevor die Bowerre unter der Erde verschwand. Vor allem Freunde, Kenner und Liebhaber des historischen Herfords dürften ihre Freude an der Sonderausstellung haben. Mit einer Einschränkung: „Das ist keine historisch exakte Ausstellung. Da ich auf Fotos aus unterschiedlichen Entstehungszeiten angewiesen bin, kann ich für die aus vielen Häusern bestehenden Stadtteile oder Straßenzüge nie genau angeben, welcher Zustand welchen Jahres zu sehen ist.“ Außerdem hat er einige „Lücken“, etwa Bereiche, die auf den Fotos verdeckt waren, durch plausible aber eben nicht durch Fotografien belegte Gebäude ergänzt. Eine spannende Entdeckungsreise durchs alte Herford ist die Schau allemal. ¦ Die Maschstraße ist während der Ausstellungsdauer wegen Bauarbeiten nur einseitig vom Ortszentrum Richtung Badeanstalt befahrbar. Parken am Straßenrand ist nicht möglich. Jürgen Kelle vom Museumsverein rät an der Kirche zu parken und von dort zu Fuß zu gehen.

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